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NSU in Thüringen? : Weiterer Kindesmord wird neu aufgerollt

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Eine lange Suche geht zu Ende: Polizeibeamte im Juli mit Suchstöcken in Bayern. Bild: dpa

Nachdem am Fundort der ermordeten Peggy K. DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt wurden, lässt Thüringens Ministerpräsident die Akten eines anderen ungeklärten Kindsmordes neu prüfen. Die Staatsanwaltschaft schließt derweil eine Verunreinigung der Probe nicht aus.

          Seit 15 Jahren liegt das Schicksal von Peggy K. im Dunkeln. Im Mai 2001 war die Neunjährige in ihrem Heimatort Lichtenberg in Oberfranken verschwunden. Gewissheit über ihren Tod erhielt ihre Familie erst im Juli dieses Jahres, als ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück in Thüringen entdeckt worden waren. Und nun bekommt der rätselhafte Fall eine weitere rätselhafte Wendung.

          Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass an einem Stück Stoff am Fundort ihrer sterblichen Überreste DNA-Spuren sichergestellt wurden, die dem NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt zuzuordnen sind. Auch wenn die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Donnerstag mitteilte, dass die Ermittlungen zu dieser Spur „noch am Anfang“ stünden und noch nicht abzusehen sei, wo die Spur entstanden sei und ob sie in Verbindung zu ihrem Tod stehe, so könnte die Zuordnung der Spur zu Uwe Böhnhardt eine ungeheuerliche Wendung in einem bis heute undurchsichtigen Mordfall bedeuten. Die Ermittler stießen erst vor kurzem auf das Genmaterial von Uwe Böhnhardt. Der DNA-Treffer sei erst in dieser Woche erfolgt, sagte Polizeisprecher Jürgen Stadter am Freitag in Bayreuth.

          Ein Tatverdacht gegen Böhnhardt hatte sich nie erhärtet

          Es ist nicht das erste Mal, dass Uwe Böhnhardt, der sich im November 2011 zusammen mit seinem Komplizen Uwe Mundlos das Leben nahm, in Verbindung mit einem Kindermord gebracht wird. Böhnhardt war im Jahr 1993 als Zeuge vernommen worden, als die Polizei in Jena im Falle des tot aufgefundenen Schülers Bernd B. ermittelte. Der Leichnam des Jungen war im Sommer 1993 am Ufer der Saale gefunden worden, der Mörder ist bis heute nicht gefasst.

          Gefunden hatte man damals nur den Außenbordmotor eines kleinen Bootes in der Nähe des Leichnams. Der Besitzer des Bootes, Enrico T., sagte bei der Polizei damals aus, das Boot sei ihm gestohlen worden, er habe mit dem Mord nichts zu tun. Später sagte Enrico T., Uwe Böhnhardt sei der Einzige gewesen, der gewusst habe, wo das Boot untergestellt war. Ein Tatverdacht gegen Böhnhardt hatte sich jedoch nie erhärtet. Weder Enrico T. noch Böhnhardt kommen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gera als Täter in Betracht.

          Auch die Generalbundesanwaltschaft hatte im Sommer 2014 mitgeteilt, dass es keine „zureichenden Anhaltspunkte“ dafür gebe, den Mord Böhnhardt anzulasten. Wegen der Entwicklung im Fall Peggy lässt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow die Akten des Kindsmordes jetzt aber komplett neu prüfen. „Das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten“, sagte der Linken-Politiker am Freitag in Berlin.

          De Maizière: „Unfassbar“

          Die sterblichen Überreste von Peggys Leichnam wurden in diesem Sommer im thüringischen Landkreis Saale-Orla gefunden, in einem Waldstück zwischen dem bayerischen Nordhalben und Rodacherbrunn. Der Fundort ist nur rund 15 Kilometer von Peggys Wohnort im oberfränkischen Lichtenberg entfernt. Seit der Entdeckung dieser Überreste haben Ermittler den Fundort immer wieder auf Spuren abgesucht. Auch wurden gleich zu Beginn Gegenstände sichergestellt, die auf das Mädchen hindeuteten. In die weiteren Ermittlungen sind auch das Bundeskriminalamt, das bayerische Landeskriminalamt und die thüringische Polizei eingebunden.

          Der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Entwicklungen im Fall Peggy als ein „bemerkenswertes Ergebnis“ der Kriminaltechnik. „Dass jetzt der Verdacht besteht, dass einer der NSU-Terroristen auch noch der Mörder der kleinen Peggy sein könnte, ist unfassbar“, sagte der Minister am Freitag in Wiesbaden.

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