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Fall Pascal : Polizeiführung weist Vertuschungsvorwürfe zurück

Gedenken an den kleinen Pascal: Seine Leiche wurde nie gefunden Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sieben Monate nach den Freisprüchen im Prozess um den Tod des fünfjährigen Pascal erhebt ein saarländischer LKA-Beamter schwere Vorwürfe gegen einen Kollegen: Wichtige Beweise sollen vernichtet worden sein. Polizei und Innenministerium weisen dies als „haltlos“ zurück.

          Die Polizeiführung im Saarland und die frühere Innenministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) haben die schweren Vorwürfe eines Kriminalbeamten im Fall Pascal als falsch zurückgewiesen. Anders als von dem im Landeskriminalamt beschäftigten Kriminalhauptkommissar M. in einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken behauptet, seien keine Beweismittel vernichtet worden, heißt es in einer Erklärung der Landespolizeidirektion und des Landeskriminalamtes Saarland.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Die heutige Bildungsministerin Kramp-Karrenbauer ließ den in der Anzeige erhobenen Vorwurf zurückweisen, es sei in zwei Besprechungen am 9. und 16. März 2003 unter anderen mit dem Leiter der Saarbrücker Kriminalpolizeiinspektion, Peter Steffes, darum gegangen, eine schwere Fahndungspanne bei der Suche nach dem bis heute verschwundenen Pascal durch Vernichten von Spurenakten zu vertuschen.

          Aktennotiz im Reißwolf geschreddert?

          Der damals fünf Jahre alte Junge war am 30. September 2001 verschwunden, sein Leichnam wurde nicht gefunden. In einem fast drei Jahre dauernden Prozess wurden acht Männer und vier Frauen angeklagt, das Kind im Hinterzimmer der „Tosa-Klause“ in Saarbrücken sexuell missbraucht und mit einem Kissen erstickt zu haben. Im September 2007 wurden alle Angeklagten, unter ihnen auch die Kneipenbesitzerin, vom Landgericht Saarbrücken aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf des Mordes und des Kindesmissbrauchs freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken will eine Revision des Urteils beim Bundesgerichtshof erreichen.

          In der Strafanzeige wirft der LKA-Beamte nach Angaben der „Frankfurter Rundschau“ einem Kollegen vor, einem Hinweis auf sexuellen Kindesmissbrauch in der Gaststätte durch einen V-Mann der Polizei ein halbes Jahr vor dem Verschwinden Pascals nicht nachgegangen zu sein. Statt die Ermittler von der Sonderkommission „Hütte“ über den Hinweis im Fall Pascal zu unterrichten, habe der Beamte die Aktennotiz im Reißwolf geschreddert. Bei einer Krisensitzung hoher Polizeibeamter und der damaligen Innenministerin habe Kriminaldirektor Steffes der Innenministerin versprochen, dass Fahndungspanne und Spurenvernichtung nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

          Nach Angaben des LKA ist der Anzeigenerstatter ein ehemaliger Mitarbeiter der Kriminalpolizeiinspektion, „der nach einem innerdienstlichen Zerwürfnis mit dem Leiter der Dienststelle auf seinen eigenen Wunsch in das LKA versetzt worden ist“. Nach der Versetzung habe er mehrere Dienstaufsichtsbeschwerden und eine Strafanzeige gegen den Leiter der Polizeiinspektion, Steffes, gestellt. Alle Vorwürfe seien von Innenministerium und Staatsanwaltschaft geprüft und als „haltlos“ zurückgewiesen worden. Auch die damalige Innenministerin wies die Behauptung zurück, bei dem Treffen sei es um Vertuschung gegangen. „Gegenstand“ der Besprechungen seien vielmehr im „Spiegel“ erhobene andere Vorwürfe gegen die Arbeit der Polizei im Fall Pascal gewesen.

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