https://www.faz.net/-gum-a030l

Fall Maddie : Wie die Ermittler den neuen Verdächtigen fanden

„Aktenzeichen XY... ungelöst“: Christian Hoppe (links) vom Bundeskriminalamt im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne Bild: dpa

Die neuen Erkenntnisse im Fall Maddie sind das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit zwischen britischen, portugiesischen und deutschen Ermittlern. Erste Hinweise auf den deutschen Verdächtigen gab es schon 2013.

          4 Min.

          Am Ende könnte es ein Telefonanruf sein, der den Mörder von Madeleine McCann verriet. Christian Hoppe vom Bundeskriminalamt (BKA) sagte am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“: „Wir haben Erkenntnisse, dass der Tatverdächtige am Ort des Verschwindens von Madeleine zur tatrelevanten Zeit ein Telefonat mit einem Mobiltelefon geführt hat.“  Am 3. Mai 2007 soll der heute 43 Jahre alte Deutsche in der Region um Praia da Luz an sein Mobiltelefon mit der portugiesischen Nummer +351 912 730 680 gegangen sein. Der Gesprächspartner sei nicht in Praia da Luz gewesen, sagte Hoppe, „er ist für uns aber ein sehr wichtiger Zeuge und wird daher dringend gesucht“. Madeleine „Maddie“ McCann, die mit ihren Eltern 2007 Urlaub in Portugal machte, war an dem Abend spurlos aus einer Ferienanlage verschwunden. Seitdem suchten ihre Eltern verzweifelt nach dem Kind. Der Fall sorgte für so viel Aufsehen, dass Netflix im vergangenen Jahr eine Doku-Serie darüber veröffentlichte.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der Auftritt von Hoppe im ZDF war keiner kurzfristigen neuen Entwicklung geschuldet – er war im Gegenteil das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit zwischen britischen, portugiesischen und deutschen Ermittlern. Seine ersten Sätze hatte Hoppe gut vorbereitet, sie enthielten eine Nachricht, die sofort um die Welt ging: „Die Ermittlungen haben uns zu einem deutschen möglichen Tatverdächtigen geführt.“ Gegen den Mann sei bei der zuständigen Staatsanwaltschaft in Braunschweig ein Verfahren wegen Mordverdachts eingeleitet worden.

          Nach Informationen der „Braunschweiger Zeitung“ handelt es sich um einen Mann, der 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung einer 72 Jahre alten Amerikanerin zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Er soll die Tat in demselben portugiesischen Ort begangen haben, in dem rund anderthalb Jahre später Maddie verschwand. Relativ sicher scheinen die Ermittler sich zu sein, dass Maddie nicht mehr lebt. Im ZDF sagte Hoppe: „Die Ermittlungen führen zu der Annahme, dass Madeleine einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist.“ Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig sagte am Donnerstag: „Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist.“

          Wie lange die Ermittler gewartet haben, um öffentlich zu machen, dass es einen neuen Verdächtigen in dem Fall gibt, zeigt ein von „Sky News“ im Mai 2019 veröffentlichter Bericht. „Die portugiesische Polizei hat ihre Madeleine-McCann-Ermittlungsgruppe verstärkt, nachdem sie einen ausländischen Pädophilen als neuen Verdächtigen für ihre Entführung identifiziert hat“, hieß es damals. Entsprechende Informationen hätten die portugiesischen Ermittler von Scotland Yard bekommen. In diesem Februar berichtete „The Sun“ dann, dass Ermittler von Scotland Yard in Portugal eine Frau nach ihrem ehemaligen deutschen Freund befragt hätten. Der Mann habe aber jede Tatbeteiligung abgestritten.

          Kurzes, blondes Haar und etwa 1,80 Meter groß

          Die ersten Hinweise auf den möglichen deutschen Täter gingen beim BKA schon viel früher ein. Hoppe sagte im ZDF, dass der Verdacht auf einen Hinweis aus einer „Aktenzeichen XY“-Sendung von 2013 zurückgehe. Die damaligen Informationen hätten allerdings nicht für Ermittlungen ausgereicht, „und schon gar nicht für eine Festnahme“. Trotz eines weiteren Hinweises auf den gleichen Tatverdächtigen, den britische Ermittler zum zehnten Jahrestag des Verschwindens 2017 bekommen hätten, „braucht es heute noch weitere Belege zum Tatnachweis“. Deswegen wenden sich die Ermittler jetzt an die Öffentlichkeit, in einem Zeugenaufruf heißt es: „Haben Sie sich Anfang Mai 2007 an der Algarve aufgehalten und verfügen gegebenenfalls noch über Bildmaterial wie Urlaubsfotos oder Videos?“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brasilianischer Präsident : Bolsonaro ist an Covid-19 erkrankt

          Seine Infektion bestätigte der Präsident am Dienstag – und beteuerte, es gehe ihm gut. Die Maskenpflicht hatte er nicht nur oft missachtet, er hatte sie energisch bekämpft. Nun wird er mit Häme überschüttet.

          Segregierte Schulen : Das weiße Amerika bleibt unter sich

          Heute gibt es in Amerika mehr Schulen mit fast nur weißen oder fast keinen weißen Schülern als vor 30 Jahren. Das liegt auch an den Entscheidungen weißer Eltern – auch solchen, die seit Wochen „Black Lives Matter“ rufen.
          Essen oder streicheln? Das Schicksal dieses Ferkels ist besiegelt.

          Fleischkonsum und Corona : Nicht ohne mein Steak

          Die Grillsaison erreicht ihren Höhepunkt. Der Ekel vor den Bildern aus der Fleischindustrie aber auch. Wie geht das eine mit dem anderen zusammen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.