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Beschuldigter im Fall „Maddie“ : „Christian B. hat mich vergewaltigt“

In Portugal verschwand auch „Maddie“: Hier soll Christian B. zudem eine Irin vergewaltigt haben Bild: AFP

Er soll in ihr Apartment in Portugal eingedrungen sein, sie brutal vergewaltigt und die Tat auf Video festgehalten haben: Eine Irin macht Christian B., dem Verdächtigen im Fall „Maddie“, schwere Vorwürfe.

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          Christian B., der deutsche Verdächtige im Fall der verschwundenen Madeleine McCann, könnte demnächst wieder in Braunschweig vor Gericht stehen. Die dortige Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung eingeleitet. Kurz nachdem das Bundeskriminalamt Anfang Juni mit den neuen Hinweisen zum Fall Maddie an die Öffentlichkeit gegangen war, meldete sich in Irland eine 37 Jahre alte Frau. Sie erklärte, Christian B. auf den Fotos in der Presse als denjenigen Mann identifizieren zu können, der sie 2004 in Portugal vergewaltigt habe.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die Irin war zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre alt und zeigte die Vergewaltigung umgehend bei der portugiesischen Polizei an. Der Täter sei bei Nacht in ihr Appartement eingedrungen und habe sie mit einer Machete bedroht, berichtet die Frau. Er habe eine Videokamera aufgebaut und sie fünf Stunden lang und mit großer Brutalität vergewaltigt. Er habe zwar eine Maske getragen und Englisch gesprochen. Doch die Frau erkannte einen deutschen Akzent. Und sie nahm wahr, dass er auffällig blaue Augen hatte – genau wie Christian B. Auch der Körperbau stimmt mit den Videoaufnahmen des Deutschen überein.

          Videoaufnahmen zeigen weitere Vergewaltigungen

          Christian Wolters, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, berichtet zudem davon, dass es „Parallelen“ zwischen der Vergewaltigung der Irin und der Vergewaltigung einer 72 Jahre alten Amerikanerin an der Algarve im Jahr 2005 gebe. Wegen dieser Tat wurde Christian B. im Dezember 2019 vom Landgericht Braunschweig zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Im Verlauf dieses Prozesses ging es auch um Videoaufnahmen, auf denen mindestens drei weitere Vergewaltigungen zu sehen sein sollen. Wolters stellt jedoch klar, dass die drei Videosequenzen nicht die Vergewaltigung der jungen Frau aus Irland zeigen.

          Die Ermittler warten nun auf die Akten der portugiesischen Kollegen zu dem Fall aus Portugal. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig zeigt sich optimistisch, dass noch in diesem Jahr Anklage erhoben wird. Der Ausgang des Prozesses dürfte dann vor allem davon abhängen, ob die Richter die Angaben der Irin für glaubwürdig halten.

          Im Falle einer Verurteilung wäre Christian B. ein Serien-Vergewaltiger. Er müsste dann nicht nur mit einer langen Haftstrafe rechnen, sondern mit der Anordnung von Sicherungsverwahrung. Die Strategie des Bundeskriminalamts und der Braunschweiger Staatsanwaltschaft hätte dann zum Erfolg geführt. Als die Ermittler im Juni an die Öffentlichkeit traten, setzten sie nämlich nicht nur auf neue Hinweise zum Fall Maddie, sondern auch auf die Aufklärung mutmaßlicher weiterer Taten von Christian B. Wie der Fall der Irin zeigt, gingen die Ermittler richtigerweise davon aus, dass sie selbst weder den Namen noch Bilder des Verdächtigen nennen müssen, weil sich diese Angaben auch so in ganz Europa verbreiten. Durch dieses Vorgehen bekam Christian B. nicht frühzeitig Einblick in die Akten.

          Im Fall Maddie gestalten sich die Ermittlungen indes schwierig. Staatsanwalt Wolters bestätigte der F.A.Z., dass man weiterhin nach dem wichtigen Zeugen sucht, mit dem Christian B. am Abend von Maddies Tod am 3. Mai 2007 in der Nähe des Tatorts an der Algarve telefoniert haben soll. Wolters berichtet, dass es bisher ein „paar interessante“ Hinweise zum Verschwinden des drei Jahre alten Kindes aus Großbritanniens gegeben habe, die allerdings nicht für eine Anklage reichen. „Das Puzzle ist noch nicht vollständig.“ Die Ermittler gehen jedoch fest davon aus, dass Maddie tot ist. „Wir haben die Leiche nicht“ und es gebe „keine forensischen Beweise“, sagt Wolters zwar. „Aber es gibt tatsächliche Beweise, die den Schluss zulassen, dass sie tot ist.“

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