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Fall Jeffrey MacDonald : An der Wand blutig das Wort „Schwein“

  • -Aktualisiert am

Schuldig oder nicht? Jeffrey MacDonald kämpft weiter um seine Freilassung. Bild: dapd

1979 wurde Jeffrey MacDonald zu drei Mal lebenslanger Haft wegen Mordes an seiner schwangeren Frau und zwei Kindern verurteilt. Nun strebt der vermeintliche Straftäter bereits den dritten Prozess zu diesem Schuldspruch an, um seine Unschuld zu beweisen.

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          Obwohl Jeffrey MacDonald das grüne Barrett einer Spezialeinheit der amerikanischen Streitkräfte schon vor Jahrzehnten gegen einen orangefarbenen Gefängnisoverall tauschen musste, kämpft der frühere Militärarzt weiter, wie er es gelernt hat. Bei einem Prozess im Jahr 1979 war der 68 Jahre alte ehemalige Soldat wegen der Ermordung seiner schwangeren Frau und seiner beiden Töchter zu drei Mal lebenslang verurteilt worden - unschuldig, wie MacDonald jetzt vor Gericht in Wilmington im Bundesstaat North Carolina zu belegen versucht.

          Schon im Jahr 2006 hatte eine DNA-Analyse gezeigt, dass Haare, die an den Toten gefunden wurden, nicht von dem ehemaligen Soldaten stammten. Zudem hatte ein Ermittler des Justizministeriums in Washington von einer Zeugin berichtet, die in der Nacht der Morde im Februar 1970 angeblich am Tatort war. Obwohl die inzwischen gestorbene Helena Stoeckley der Staatsanwaltschaft vor dem Prozess von ihrem Einbruch am Castle Drive in der Garnisonstadt Fort Bragg erzählte, schwieg sie vor Gericht. „Nach der neuen Rechtssprechung muss das Gericht alle bedeutsamen Hinweise berücksichtigen“, sagt Barry Scheck, der Gründer der New Yorker Gefangenenhilfsorganisation Innocence Project.

          Erstach er die Familie im Amphetaminrausch?

          Während MacDonalds Verteidiger bei der Anhörung zur Wiederaufnahme des Verfahrens jetzt auf schlampige Ermittlungen verwies, sind die meisten Amerikaner von der Schuld seines Mandanten überzeugt. Der Journalist Joe McGinniss, der den Prozess beobachtete und damals bei MacDonald wohnte, hatte den Angeklagten in dem Bestseller „Fatal Vision“ als Psychopathen beschrieben. Nach seiner Darstellung erstach MacDonald seine Familie im Amphetaminrausch. Anschließend soll sich der Arzt selbst verletzt haben, bevor er die Militärpolizei rief. Im Schlafzimmer fanden die Beamten Colette MacDonald, auf die Dutzende Male mit einem Eispickel und einem Messer eingestochen worden war. Die fünfjährige Kimberly und die zweijährige Kristen lagen mit zahllosen Stichwunden tot in den Betten.

          Das mit Blut an die Wand geschmierte Wort „Schwein“ erinnerte an die Morde der Anhänger des Sektenführers Charles Manson, die zuvor Kalifornien erschüttert hatten. MacDonald sagte aus, auch seine Familie sei von einer Gruppe Hippies überfallen worden. Das passte aber nicht zu den Spuren, und MacDonald wurde vor einem Militärgericht angeklagt. Nach dem Freispruch schied er aus der Armee aus und zog nach Kalifornien. Während er in einem Krankenhaus in Long Beach als Arzt arbeitete, recherchierte sein früherer Schwiegervater Alfred Kassab in den Unterlagen des Militärgerichts. Wegen Ungereimtheiten verlangte Kassab einen neuen Prozess vor einem Bundesgericht in Raleigh, der 1979 mit Schuldspruch endete. Ob es zu einem dritten Prozess kommt, wird das Gericht in Wilmington bald entscheiden.

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