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Fall Janina : Lange Haftstrafe für Schüsse auf Elfjährige

  • Aktualisiert am

Ein Kreuz erinnert in Unterschleichach an den Tod der Elfjährigen Bild: dpa

Im Prozess um die Schüsse auf ein Mädchen in der Silvesternacht ist ein Mann zu über zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der Richter wertete die Tat als Mord, verhängt aber keine lebenslange Haft.

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          Der Mann, der in der vergangenen Silvesternacht die elfjährige Janina erschoss, ist wegen Mordes zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der 54 Jahre alte Mann habe den Eltern den unwiederbringlichen Verlust ihres Kindes zugefügt, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt in seiner Urteilsbegründung am Donnerstag am Landgericht Bamberg (Aktenzeichen 25 Ks 2110 Js 396/16).

          In der Neujahrsnacht hatte der Verurteilte im Dorf Unterschleichach in Unterfranken mit einem Revolver in die Nacht geschossen und dabei
          die elfjährige Janina tödlich getroffen. Sie hatte in einer Gruppe auf der Straße gefeiert.

          Oberstaatsanwalt Otto Heyder hatte für den 54-Jährigen lebenslange Haft wegen Mordes gefordert. „Die Sinnlosigkeit und Absurdität dieses Verbrechens ist schwer zu ertragen“, sagte Heyder. Der Mann habe heimtückisch und aus krasser Eigensucht gehandelt.

          „Die Lücke wird sich nie schließen“

          Am Ende des vorletzten Verhandlungstages war der Mann aufgestanden und hatte gesagte: „Ich bitte die Eltern um Verzeihung.“ Doch er wandte den Blick allein zum Richter – nicht zu Janinas Mutter und Vater. Zuvor gab er an, aus Verärgerung geschossen zu haben - aber nicht in Richtung von Menschen. Schon beim Prozessauftakt hatte er jede Tötungsabsicht bestritten. Sein Verteidiger forderte, ihn wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen, hilfsweise wegen Totschlags. Dass sein Mandant das Mädchen getötet hat, steht auch für ihn fest.

          Das Urteil des Gerichts folgt dem Gutachten eines Psychiaters, der nicht ausschloss, dass der Schütze zum Tatzeitpunkt erheblich in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war. Dadurch verschiebt sich der Strafrahmen. Bei einem Mordurteil folgt dann nicht lebenslange
          Haft, sondern eine Gefängnisstrafe zwischen 3 und 15 Jahren. Das Gericht folge dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“, sagte
          Richter Schmidt.

          Die Mutter des Mädchens erzählte vor Gericht von ihrer Trauer. „Die Lücke wird sich nie schließen“, sagte sie. „Vor einem Jahr noch waren wir eine glückliche Familie, Janina hat sich sehr auf ihren kleinen Bruder gefreut.“ Seit dem Tod ihrer Tochter sei das Leben ein Kampf. Als die Elfjährige starb, war ihr Bruder neun Wochen alt. „Ich kann nicht die Mutter sein, die ich war“, sagte die Frau. „Es wird von Tag zu Tag schlimmer.“

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