https://www.faz.net/-gum-86vza

Getötete Siebzehnjährige : Annelis Entführer sind hoch verschuldet

  • -Aktualisiert am

Trauer um Anneli: Blumen und Kerzen an der Einfahrt des Bauernhofs, in dem die Polizei die Leiche der Siebzehnjährigen fand Bild: dpa

Die Obduktion brachte nicht die erhofften Ergebnisse: Ursache und Zeitpunkt von Annelis Tod sind weiterhin unklar. Über die Lage ihrer Entführer wird indes immer mehr bekannt.

          2 Min.

          Die Todesumstände der in der Nähe von Meißen entführten und ermordeten Annelie sind nach wie vor unklar. „Es sind weitere toxikologisch-chemische Untersuchungen notwendig, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen werden“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, am Mittwoch. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen erdrosselt wurde, allerdings kämen auch andere Möglichkeiten in Betracht.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Darüber hinaus können die Kriminalisten nach wie vor nicht sagen, wann genau die Siebzehnjährige starb; bisher wird angenommen, dass die Erpresser sie schon am Freitag – also wenige Stunden nach der Entführung am Donnerstagabend – umbrachten, weil sie offenbar nicht maskiert waren und befürchten mussten, später von ihrem Opfer wiedererkannt zu werden.

          Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen Tätern gemeinschaftlichen Mord sowie erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vor. Als Tatmotiv ziehen die Ermittler Geldnot und Habgier in Betracht. Beide Männer sollen hoch verschuldet und insolvent sein.

          Erst kürzlich ein Haus gekauft

          Der jüngere der beiden Tatverdächtigen, der 39 Jahre alte arbeitsloser Familienvater Markus B., soll sich laut Medienberichten erst vor wenigen Wochen für 350.000 Euro ein Haus in Burgebrach bei Bamberg gekauft haben, wo ihn die Polizei am Montagmorgen auch verhaftete. Laut seinem Facebook-Profil soll er in der Nähe von Pforzheim zur Schule gegangen sein und den Hauptschulabschluss gemacht haben. Auch die Polizei ging in ihrer Stimmanalyse der Anrufe eines der Erpresser bei dem Vater von Anneli von einem schwäbischen Dialekt aus.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Noch bis vor kurzem hatte B. mit seiner Familie auf dem Gehöft bei Klipphausen zwischen Dresden und Meißen gewohnt, an dem die Polizei am Montagabend die Leiche von Anneli entdeckte. Das Anwesen soll B.s Schwiegereltern gehören und zum Verkauf stehen.

          Die „Sächsische Zeitung“ berichtet, dass B.s Frau schon vor einiger Zeit aus beruflichen Gründen nach Burgebrach gezogen und an Wochenenden nach Sachsen gependelt sein soll. In den Sommerferien zogen nun auch die schulpflichtigen Söhne und der Ehemann mit nach Franken. Angeblich habe die Frau von den Problemen ihres Manns nichts geahnt.

          Das Handy des Verdächtigen wurde geortet

          Dank genetischer Spuren am Fundort von Annelis Fahrrad, das die Täter zurückgelassen hatten, kam die Polizei B. auf die Spur. Ein Abgleich der gefundenen Spuren mit den Datenbanken der Polizei ergab einen Treffer: Die DNA des Neununddreißigjährigen war gespeichert. Seit dem späten Sonntagmorgen hatte die Polizei einen „potentiellen Tatverdächtigen“. Als die Ermittler wussten, nach wem sie suchen müssen, wurden sie schnell fündig. Das Handy des Neununddreißigjährigen wurde nur gut vier Stunden später in Bayern geortet.

          Der zweite Tatverdächtige, der 61 Jahre alte Norbert K., hat sich nach Angaben von Nachbarn um einen Hund der Familie B., der auf dem Hof zurückgeblieben war, gekümmert. Er selbst soll sich einige Jahre lang vergeblich als Blumenhändler in Wilhelmshaven und Goldverkäufer in Sachsen versucht haben und seit Ende vergangenen Jahres ebenfalls zahlungsunfähig sein. Norbert K., den die Polizei noch vor B. am Montag in Dresden verhaftet hatte, habe den Ermittlern auch den entscheidenden Hinweis gegeben, auf dem Hof nach Annelie zu suchen. Er bestreitet jedoch, das Mädchen getötet zu haben. Markus B. wiederum verweigert bisher die Aussage.

          Annelis Eltern, ein angesehenes Unternehmerpaar, haben unterdessen vor ihrem Haus eine Gedächtnisecke für ihre Tochter eingerichtet. Wer seiner Trauer Ausdruck verleihen möchte, könne das dort gern tun, schrieb ein Familienmitglied auf Facebook. Am Montag geht in Sachsen die Schule wieder los. Annelis Platz in der zwölften Klasse des Gymnasiums Nossen wird dann leer bleiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag beim OSZE-Gipfel in Bratislava.

          Nach Tiergarten-Mord : Nur eine mörderische Episode?

          Berlin und Moskau sind nach dem Tiergarten-Mord um Schadensbegrenzung bemüht. Beide Seiten wollen das deutsch-russische Verhältnis nicht beschädigen – auch mit Blick auf das bevorstehende Gipfeltreffen zur Ostukraine.
          Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

          Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

          Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.