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Fahren ohne Führerschein : 373 Punkte in Flensburg sind noch lange kein Rekord

Regale mit Akten von Verkehrssündern stehen im Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Bild: dpa

Ohne in Deutschland gültigem Führerschein hat ein Mann eine Stelle als Berufskraftfahrer angetreten – und dabei stolze 373 Punkte in Flensburg gesammelt. Zudem wurde er zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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          Der Mann wusste, dass er mit seinem italienischen Führerschein nicht in Deutschland fahren durfte. Trotzdem trat der Siebenunddreißigjährige eine Stelle als Berufskraftfahrer an. Als die Polizei ihn mal wieder ohne gültigen Führerschein erwischte, wurden ihm anhand des Fahrtenschreibers mehr als 150 rechtswidrige Fahrten nachgewiesen, und für jede gab es zwei Punkte. So kam der Mann in der Flensburger Verkehrssünderdatei auf die erstaunliche Zahl von 373 Punkten. Im Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg herrscht deswegen keine Aufregung. 373 Punkte? „So was kommt vor“, sagt eine Sprecherin am Dienstag. Der Fall sei eher kein Rekord. Eine Rangliste der Verkehrssünder gibt es aber ohnehin nicht.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Vor dem Amtsgericht Speyer muss sich der Mann am Dienstag nur wegen zweier weiterer illegaler Fahrten verantworten – ihm drohen damit also noch weitere Punkte. Die Polizei in Neustadt an der Weinstraße hatte den Siebenunddreißigjährigen im September ohne gültigen Führerschein erwischt und seinen Wagen – einen Audi im Wert von 35.000 Euro – beschlagnahmt. Den Polizisten hatte er einen rechtswidrig erlangten Führerschein ausgehändigt.

          Der Beschuldigte war schon im Februar zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Bei einem weiteren Fehltritt, so stellte der Richter im Februar fest, drohe eine Gefängnisstrafe. „Diese klare Ansage fruchtete allerdings nicht“, schrieb dazu die Polizei, nachdem der Mann abermals angehalten worden war.

          Am Dienstag wird er nun vom Amtsgericht in Speyer wegen vorsätzlichen Fahrens ohne gültigen Führerschein zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Mann habe die beiden angeklagten Fahrten glaubhaft gestanden und zudem auf eine Rückgabe seines beschlagnahmten Fahrzeugs verzichtet, sagt der Richter zu der Entscheidung. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Monate Haft ohne Bewährung gefordert, die Verteidigung auf eine sechsmonatige Bewährungsstrafe plädiert. In seinem Schlusswort erklärt der Angeklagte, er bereue die Taten: „Ich flehe Sie an, geben Sie mir keine Gefängnisstrafe.“ Dieser Bitte kam der Richter nach.

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