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Fahndungserfolg in München : Enkeltrick-Bande verhaftet

In Bankfilialen wird seit Jahren vor Betrügern gewarnt, die Senioren mit dem sogenannten Enkeltrick um ihr Geld bringen. Bild: dpa

Die Polizei hat 15 Täter festgenommen, die offenbar im Minutentakt alte Menschen in Deutschland angerufen und sich als deren Enkel ausgegeben haben. So brachten sie die betagten Opfer um hohe Summen.

          Der Bankmitarbeiter wurde aufmerksam, als im Dezember eine betagte Kundin 15.000 Euro abheben wollte. Es sei für einen Notartermin gedacht, sagte die alte Dame. Der Bankangestellte rief die Polizei, die den „Abholer“ des Geldes festnahm. In letzter Minute wurde verhindert, dass die alte Frau um ihr Geld gebracht wurde. Auch die zwei Auftraggeber des „Abholers“ in Polen wurden kurz darauf in Breslau festgenommen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Erstmals seien damit in Deutschland während eines Enkeltrick-Delikts „Abholer“ und auch Auftraggeber im Ausland festgenommen worden, teilte die Polizei am Montag in München mit.

          Enkeltrick-Delikte werden zumeist in den Fachdezernaten für Organisierte Kriminalität bearbeitet, da es sich um bandenmäßig begangene Taten handelt. Allein im Bereich des Polizeipräsidiums München wurden 2015 mehr als 800 Enkeltrickbetrugsfälle erfasst – ein starker Anstieg im Vergleich zu 528 Fällen im Jahr 2014.

          Die Betrüger geben sich als Kinder oder Enkel aus

          Die Täter rufen dabei von Call-Centern in Polen aus alte Menschen in Deutschland an – die Anschlüsse werden zumeist nach alt klingenden Vornamen ausgesucht. Dann geben die Betrüger sich als Kinder oder Enkel der Angerufenen aus und täuschen eine finanzielle Notlage vor. Sie müssten sich ganz schnell Geld ausleihen für einen Autokauf, die Finanzierung einer Immobilie oder um Schulden zu begleichen. Die Täter sind oft geschickt darin, den ersten Kontakt anzubahnen, das Gespräch aufrecht zu erhalten und mögliche Zweifel des Angerufenen auszuräumen.

          Am Ende erreichen sie es durch stark manipulative Gesprächstechniken, oft auch unter der Drohung, sonst den Kontakt zur „Oma“ für immer abzubrechen, dass das Opfer zur Bank fährt, das Ersparte abhebt und es später in der Wohnung einem „Abholer“ übergibt. Dieser wurde zuvor vom Anrufer als „Bekannter“ ausgegeben, der dann die Beute, oft Tausende Euro, an der Wohnungstür in Empfang nimmt.

          Ohne die schnelle Mithilfe der polnischen Behörden wären die Festnahmen undenkbar gewesen, teilte die Münchner Polizei mit. Die gute Zusammenarbeit sei vor allem auf das „Joint-Investigation-Team“- Abkommen zurückzuführen, das im Mai 2015 zwischen der Staatsanwaltschaft München I und der Warschauer Staatsanwaltschaft geschlossen wurde. Es gebe nun feste Ansprechpartner bei Staatsanwaltschaften und Polizei, und gerichtsverwertbare Erkenntnisse werden ausgetauscht.

          15 Personen wurden festgenommen

          Im Zuge des Polizeieinsatzes in Polen, bei dem München das Bindeglied zwischen deutschen und polnischen Behörden war, wurden drei „operative Schaltstellen“ in Breslau, Posen und Danzig durchsucht. 15 Personen wurden festgenommen, vier von ihnen auch in Haft genommen. Zwei Tatverdächtige wurden inzwischen nach München ausgeliefert. Die Polizei konnte mehr als 100 Sim-Karten, 50 Mobiltelefonen, neun Tablets, mehrere hochwertige Uhren und Bargeld in verschiedenen Währungen sicherstellen.

          Offenbar hatten die Täter im Minutentakt alte Menschen in Deutschland angerufen. Im Zusammenhang der Tätergruppe in Breslau haben die Ermittler mehr als 700 Opferanrufe ausgewertet, die meisten von ihnen blieben jedoch im Versuchsstadium. Dieser Gruppe werden zehn vollendete Enkeltrick-Delikte und rund 700 versuchte Straftaten zur Last gelegt.

          Die Aktion vom Dezember 2015 hat, so hofft die Polizei, positive Auswirkungen. Im Gebiet des Münchner Polizeipräsidiums ist im Jahr 2016 bis Ende April noch kein einziger vollendeter Enkeltrickbetrug bekannt geworden. 51 Versuche wurden verzeichnet – von Januar bis Ende April 2015 waren es noch 273 Versuche und sechs vollendete Taten.

          Eine so erfolgreiche internationale Zusammenarbeit darf sich nach Worten des Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä nicht nur auf den Enkeltrick beschränken, wenn man Täter fassen will, die vom Ausland aus in Deutschland Straftaten begehen.

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