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EU-Drogenbericht : Rauschgifthandel in Europa passt sich Corona-Pandemie an

Der Konsum der meisten Rauschgifte ist während der ersten harten Lockdown-Maßnahmen zu Beginn der Pandemie zurückgegangen, mit der Lockerung der Beschränkungen schnellte er aber wieder nach oben. (Symbolbild) Bild: dpa

Laut dem Europäischen Drogenbericht ging der Rauschgiftkonsum während der ersten harten Lockdown-Maßnahmen zurück. Allerdings weiß sich der Drogenhandel in Europa offenbar anzupassen.

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          Der Rauschgifthandel in Europa hat sich an die Bedingungen der Corona-Pandemie angepasst. Während in den europäischen Häfen Rekordmengen an Kokain beschlagnahmt werden, liegen der Cannabisanbau und die Herstellung synthetischer Drogen stabil auf dem Niveau von vor der Pandemie, wie aus dem neuen Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) hervorgeht, der am Mittwoch in Lissabon vorgestellt worden ist. „Wir erleben derzeit einen dynamischen und anpassungsfähigen Drogenmarkt, der den Covid-19-Beschränkungen standhält“, sagte EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wie aus Abwasseranalysen in mehreren europäischen Städten hervorgeht, war der Konsum der meisten Rauschgifte während der ersten harten Lockdown-Maßnahmen zu Beginn der Pandemie zurückgegangen. Mit der Lockerung der Beschränkungen schnellte er aber wieder nach oben. Eine Ausnahme, heißt es, bildeten synthetische Drogen wie MDMA und Metamphetamine, die besonders im Nachtleben konsumiert werden. Deren Konzentration war 2020 in den Abwässern fast aller an der Analyse beteiligten Städte niedriger als zuvor. Dafür scheine das Interesse an Drogen, die zuhause konsumiert würden, größer geworden zu sein – worauf sich offenbar auch die Hersteller eingestellt haben.

          Wie niederländische Beobachtungsstellen meldeten, wurden dort Tabletten mit einer niedrigeren Konzentration an Wirkstoffen auf den Markt gebracht, die eher für den Gebrauch im privaten Umfeld gedacht seien. Offenbar getrieben von der Pandemie habe sich 2020 der Trend fortgesetzt, dass mehr Cannabis zuhause angebaut werde, heißt es in dem EMCDDA-Bericht. Besorgniserregend sei zudem, dass im Zusammenhang mit der Pandemie das Angebot und der Konsum von Crack in einigen Ländern gestiegen sei.

          Rauschgiftschmuggler reagierten auf Reisebeschränkungen und geschlossene Grenzen, indem sie ihre Routen verlagerten. So wurde mehr Cannabis und Heroin auf dem Seeweg transportiert. Und auch beim Kokain aus Südamerika setzten die Kriminellen weniger auf menschliche Kuriere. Nach Rekorden bei Beschlagnahmungen in den europäischen Häfen 2019, deuteten auch die vorläufigen Zahlen für 2020 darauf hin, dass die Verfügbarkeit von Kokain während der Pandemie nicht zurückgegangen ist, schreibt die EMCDDA.

          Auf Einschränkungen beim Straßenverkauf, die sich aus den Corona-Maßnahmen ergaben, haben Dealer und Käufer reagiert, indem sie zunehmend über das Internet, Social-Media-Apps und verschlüsselte Nachrichtendienste kommunizieren und die Drogen über Post- und Lieferdienste transportieren lassen. Eine langfristige Auswirkung der Pandemie könnte so auch eine weitere Digitalisierung der Drogenmärkte sein.

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