https://www.faz.net/-gum-97xz8

Italien : Erzbischof entschuldigt sich für Schweigen zur Mafia

  • Aktualisiert am

Polizisten in der sizilianischen Stadt Corleone in Sizilien: Die Cosa Nostra ist dort besonders aktiv. Bild: EPA

Die Kirche müsse um Entschuldigung bitten, weil sie ihre eigenen Werte gegenüber dem organisierten Verbrechen nicht praktiziert habe. So äußert sich ein italienischer Erzbischof zur Mafia.

          Der Erzbischof von Palermo, Corrado Lorefice, hat Versäumnisse der katholischen Kirche im Umgang mit der Mafia eingeräumt.

          Die Kirche müsse um Entschuldigung bitten, weil sie Werte des Evangeliums lediglich gepredigt, aber gegenüber dem organisierten Verbrechen nicht praktiziert habe, sagte Lorefice laut der Zeitung „Giornale di Sicilia“ bei einer Veranstaltung in Palermo am Freitag.

          Zugleich betonte er, die Haltung der Kirche habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Lorefice verwies auf die von der Mafia ermordeten Priester Pino Puglisi (1937-1993) und Giuseppe Diana (1958-1994) sowie den Staatsanwalt und überzeugten Katholiken Rosario Livatino (1952-1990), der ebenfalls Opfer eines Anschlags wurde.

          Durch sie habe er gelernt, dass eine „freie und befreiende Kirche eine Kirche ist, die nicht Rückhalt und Privilegien bei der führenden Klasse sucht“, so der Erzbischof.

          Auch Papst Franziskus verfolge den Kurs, Arme und Ausgegrenzte in den Mittelpunkt zu stellen und gegen Unrecht zu kämpfen.

          Der Historiker Rosario Mangiameli sagte, das frühere Schweigen von Teilen der Kirche gegenüber der Mafia werde oft mit Angst vor dem Kommunismus begründet. Von einer Schwächung der mafiösen Kräfte hätte die Kirche demnach eine Stärkung der atheistischen Doktrin befürchtet, so der Wissenschaftler von der Universität Catania. Dieses Erklärungsmodell greife jedoch nicht für das 19. und frühe 20. Jahrhundert, als es ebenfalls keine katholischen Stimmen gegeben habe, die die Mafia verurteilt hätten.

          Eine Ausnahme sei der Priester und Politiker Luigi Sturzo (1871-1959) gewesen, der in der Kleinstadt Palagonia „eine echte Schlacht“ gegen die Mafia geführt habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.