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Vergabe des „Plagiarius“ : Kettensäge gewinnt Schmähpreis

Erstplaziert: Die Kettensäge des chinesischen Herstellers Guley belegte beim Schmähpreis „Plagiarius“ den ersten Platz. Bild: dpa

Der „Plagiarius“-Negativpreis stellt Markenpiraten an den Pranger. In diesem Jahr geht der erste Platz an eine Kettensäge, die nicht nur dem deutschen Originalmodell schadet – sondern dem Benutzer auch gefährlich werden kann.

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          In der Corona-Pandemie sind Fachgeschäfte weitgehend geschlossen, dafür floriert der Handel im Internet – auch mit gefälschten Waren. Das beobachtet die „Aktion Plagiarius“, die am Freitag ihren Negativpreis vergab, mit dem die Initiative Produktpiraten an den Pranger stellt. In diesem Jahr auf dem ersten Platz: eine Kettensäge. Das Original stammt von dem deutschen Unternehmen Stihl, die Fälschung vom chinesischen Hersteller Guley. Hinter der Plazierung steht ein Kampf mit langer Historie: Acht Gerichtsverfahren gewann Stihl bisher gegen den Nachahmer aus China und bekam so insgesamt 170.000 Euro Schadensersatz. Von der Optik her ist das Original kaum vom Plagiat zu unterscheiden, beide Ausführungen besitzen zum Beispiel einen neonorangefarbenen Haltegriff. Doch insbesondere der Schriftzug auf der Oberfläche – im Original eher dezent, auf der Fälschung etwa doppelt so groß – lässt stutzig werden. Besonders gefährlich an dem Plagiat: Gefälschte Motorsägen erfüllen nur selten gesetzliche Vorschriften sowie sicherheitsrelevante Parameter.

          Johanna Christner
          (joch.), Deutschland und die Welt

          Für Hersteller wie Stihl sind Markenpiraten ein Ärgernis – und die kommen mitnichten nur aus China, sondern, wie die Auswahl der „Aktion Plagiarius“ zeigt, auch aus Ländern der EU oder gar aus Deutschland. Zu den Fälschern zählen häufig Wettbewerber, frühere Lieferanten oder Vertriebspartner. Allein 2019 wurden an den EU-Außengrenzen mehr als 41 Millionen rechtsverletzende Produkte in einem Wert von mehr als 760 Millionen Euro beschlagnahmt.

          Kein Kavaliersdelikt

          „Produktfälschungen sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein attraktives Feld für organisierte Kriminalität“, sagt Frank Buckenhofer, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft Bezirk Zoll. Ähnlich äußert sich Peter Siebert, Vorsitzender der „Aktion Plagiarius“: „Der wissentliche Kauf gefälschter Produkte ist weder cool noch clever, noch harmlos.“ Gefälschte Waren würden oft unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen hergestellt, sie zerstörten Arbeitsplätze und könnten hohe Gesundheitsrisiken bergen.

          Oben das Original des deutschen Unternehmens Stihl, unten die Fälschung aus China
          Oben das Original des deutschen Unternehmens Stihl, unten die Fälschung aus China : Bild: dpa

          Die Trophäe in Form eines schwarzen Zwergs mit goldener Nase wurde am Freitag zum 45. Mal verliehen. Insgesamt kürte die unabhängige Jury zehn Plagiatsfälle – Haushaltsartikel, Werkzeuge, Möbel, Bekleidung und Maschinen. Ziel des Schmähpreises ist es laut den Veranstaltern, unfaire Geschäftspraktiken von Nachahmern ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, um Industrie, Politik und Konsumenten für die verursachten Risiken und Schäden zu sensibilisieren. Der Schmähpreis war erstmals im Jahr 1977 von dem Designer und Professor Rido Busse ausgerufen worden, der im Februar gestorben ist. Um seiner zu gedenken, wurde das Zeremoniell am Freitag zu Beginn für einen Moment des Schweigens unterbrochen.

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