https://www.faz.net/-gum-9kstb

Versuchte Erpressung : Ich habe dich beim Pornoschauen gefilmt!

Wie auf der ganzen Welt sitzen auch in Deutschland täglich viele Menschen vor dem Computer und schauen Pornos. Bild: dpa

„Ich beobachte Sie schon seit ein paar Wochen. Durch die Webcam an Ihrem Computer.“ Zwei Sätze, die Angst einjagen. Und das sollen sie auch: Sie sind Teil eines Erpressungsversuchs.

          „Sie schauen Pornos. Und masturbieren dabei. Ich beobachte Sie schon seit ein paar Wochen. Durch die Webcam an Ihrem Computer. Sie haben eine Website für Erwachsene besucht, die mit Malware infiziert ist. Durch den Trojaner-Virus kann ich alles auf Ihrem Bildschirm sehen, Kamera und Ton einschalten. Aber Sie wissen nichts davon. Ich habe Zugriff auf Ihre Kontakte und Korrespondenz. Ich habe ein Video gemacht, das zeigt, wie du dich befriedigst. Mit einem Mausklick kann ich dieses Video an alle Ihre E-Mails und Kontakte in den sozialen Netzwerken versenden. Wenn Sie das verhindern wollen, übertragen Sie den Betrag von 391 Euro an meine Bitcoin-Adresse. Ich gebe Dir 48 Stunden, um zu bezahlen. Wenn ich herausfinde, dass Sie diese Nachricht geteilt haben, wird das Video sofort versendet!“

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nachrichten mit ähnlichen Inhalten sind seit Monaten im Umlauf und beunruhigen die Adressaten. Geschickt werden sie an Männer, Frauen sowie Firmen, was für eine willkürliche Auswahl spricht. Allein in Bayern wurden schon 3200 Fälle angezeigt. Bislang ist jedoch kein einziger Fall bekannt, in dem der Computer tatsächlich mit Schadsoftware infiziert war. Nach Einschätzung der Polizei gibt es verschiedene Tätergruppen, die nach diesem Muster vorgehen. Einen tatverdächtigen Siebzehnjährigen aus Bremen hat nun die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) zusammen mit dem bayerischen Landeskriminalamt ermittelt, wie die ZCB am Mittwoch mitteilte.

          Aus einem „normalen“ Milieu

          Das Zimmer des Jungen wurde schon im November durchsucht. Doch aus ermittlungstaktischen Gründen hat die Zentralstelle, die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angegliedert ist, erst jetzt über den Fall informiert. Die Spur zu dem Jungen, der aus einem „normalen“ Milieu kommen soll, konnte trotz intensiver Verschleierung und Anonymisierung zurückverfolgt werden. Er hat bislang keine Angaben zum Tatvorwurf gemacht.

          Zur Last gelegt werden ihm 150 versuchte Erpressungen. Sein „umfangreiches EDV-Equipment“ wird gerade ausgewertet. Ob er tatsächlich Geld erpressen konnte, wisse man noch nicht, sagt Oberstaatsanwalt Christian Schorr. Erpressung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.Schon während der Durchsuchung kam als weiterer Tatverdacht Computerbetrug dazu: Ihm wird vorgeworfen, regelmäßig mit „falschen oder fremden Zahlungsinformationen“ Internetserver angemietet zu haben. Von diesen Servern seien die erpresserischen Mails versandt worden. Bei 148 Serveranmietungen ist demnach ein Schaden von etwa 70.000 Euro entstanden.

          Die Ermittlungen haben nach Sicht der ZCB abermals gezeigt, was die „Underground Economy“ mit ihren illegalen Online-Marktplätzen alles bereithält: Angeboten werden kriminelle Dienstleistungen, technisches Grundlagenwissen für Straftaten sowie „riesige Datensätze personenbezogener Daten“, die für Straftaten genutzt werden können.

          Im Zuge dieses Ermittlungsverfahrens wurde somit ein Internetserver beschlagnahmt, auf dem erpresserische Mails und vermeintlich von Online-Shops und Banken stammende „Phishing-Nachrichten“ schon „im Baukastenprinzip“ vorbereitet waren. Diese hätte man automatisiert an Zehntausende Nutzer versenden können. Ein Großteil der erpresserischen E-Mails wird offenbar nicht zur Anzeige gebracht, sondern gelöscht. Die Polizei rät bei erpresserischen Mails, die oft einfach schnell gelöscht werden, auch deshalb zur Anzeige, da die angegebene Bitcoin-Adresse einen Ermittlungsansatz bieten kann.

          Weitere Themen

          Das neue Heim kostete Millionen

          Harry und Meghan : Das neue Heim kostete Millionen

          Es war stark renovierungsbedürftig, jetzt hat es angeblich einen Mutter-Baby-Yoga-Raum und eine luxuriöse Küche: Prinz Harry und Herzogin Meghan haben das Frogmore Cottage saniert. Dafür mussten die Steuerzahler tief in die Tasche greifen.

          Alles Liebe, wo immer du auch bist

          Entführung nach Italien : Alles Liebe, wo immer du auch bist

          Ein Mädchen, 13 Jahre alt, verschwindet – und taucht sechs Jahre später wieder auf. Der Mann, der Maria H. mit nach Italien nahm, wurde verhaftet. Jetzt geht der Prozess gegen H. wegen Kindesentführung und sexuellen Missbrauchs zu Ende.

          Balanceakt im Big Apple

          Zwei auf einem Drahtseil : Balanceakt im Big Apple

          Auf einem Drahtseil in rund 80 Meter Höhe sind Nik und Lijana Wallenda über den New Yorker Times Square getanzt. Diesmal ging alles gut – in der Vergangenheit musste die Artistenfamilie aber schon schwere Unglücke verkraften.

          Topmeldungen

          Abstimmung bei einer Landesmitgliederversammlung der Grünen in Hamburg im April 2019

          An der Grenze der Möglichkeiten : So viele Grüne wie nie

          Die Grünen stehen derzeit weit oben in der Wählergunst – und das schlägt sich auch in der Mitgliederzahl nieder. Immer mehr Menschen wollen Mitglieder der Partei werden. Doch das bringt die Organisation an ihre Grenzen.

          Nach Eurofighter-Absturz : CDU verteidigt Luftkampfübungen

          Die Bundeswehr müsse dort üben, wo sie im Ernstfall auch eingesetzt wird, sagt CDU-Verteidigungsfachmann Henning Otte. Ein AfD-Abgeordneter macht sich derweil über die Bundeswehr lustig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.