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Entführung in Meißen : Sie verschwand an einem Feldweg

  • -Aktualisiert am

Das Mädchen verschwand bereits am Donnerstagabend. Vermutlich wurde sie bei einem Spaziergang mit ihrem Hund auf diesem Feldweg zwischen dem sächsischen Luga und der Bundesstraße 101 entführt. Bild: dpa

In Sachsen ist die siebzehnjährige Tochter eines Unternehmer-Ehepaares entführt worden. Die Polizei hat sich für eine öffentliche Fahndung entschieden und schon knapp 20 Hinweise bekommen. Doch es regt sich Kritik an dem Vorgehen.

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          Nach dem rätselhaften Verschwinden eines 17 Jahre alten Mädchens aus der Nähe von Meißen geht die Staatsanwaltschaft Dresden von einer Entführung aus. „Wir ermitteln wegen erpresserischen Menschenraubes“, sagte Sprecher Lorenz Haase am Montag. Die Ermittler hätten inzwischen knapp 20 Hinweise zu dem Fall bekommen, die „zügig abgearbeitet“ werden sollen. Nach Medienberichten fordern die Entführer mehr als eine Million Euro von den Eltern, einem Unternehmer-Paar aus Meißen. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten das jedoch nicht bestätigen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Am Sonntagabend waren die Eltern des Mädchens und die Polizei mit einem Zeugenaufruf sowie einem Foto von Anneli an die Öffentlichkeit gegangen. „Anneli, wir vermissen Dich. Wir sind bei Dir“, heißt es in dem Schreiben der Eltern. „Wer auch immer zum Wiederauffinden unserer Tochter Hinweise geben kann, wird hiermit inständig gebeten, dies zu tun.“ An die Entführer gewandt heißt es: Sie sollten wissen, „dass wir die angezeigten Forderungen erfüllen werden, um unser Kind bald in die Arme nehmen zu können. Bitte melden Sie sich.“ Zudem bat die Familie die Medien, „in Anbetracht des furchtbaren Ereignisses“ von Nachfragen abzusehen.

          Anneli-Marie R.

          Annelie-Marie, laut Zeugenaufruf ein 1,72 Meter großes, schlankes Mädchen mit glatten, braunen Haaren, hatte das Haus ihrer Eltern am vergangenen Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr auf dem Fahrrad und zusammen mit dem Hund der Familie verlassen. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler wurde die Gymnasiastin kurz darauf auf in der Nähe der Bundesstraße 101 entführt; Ermittler fanden später das Fahrrad der Schülerin am Rande eines befestigten Feldweges.

          Spezialeinsatzkommando stürmt Gehöft bei Meißen

          Aufsehen hatte schon am Freitag der Auftritt eines Spezialeinsatzkommandos der sächsischen Polizei in einem abgewohnten Gehöft in Luga bei Meißen hervorgerufen, das in der Nähe der Fundstelle des Fahrrades liegt. 60 Beamte, unter ihnen auch Scharfschützen, hatten das Grundstück umstellt, anschließend gestürmt und mit Motorsägen und Brecheisen Türen aufgebrochen. Eine Erklärung für den Einsatz, der sich in Windeseile in den sozialen Netzwerken herumsprach, gab es nun erst am Sonntag: Der Einsatz habe im Zusammenhang mit der Suche nach dem Mädchen gestanden, teilte die Polizei mit. Fährtenhunde hätten sie zu dem Grundstück geführt. Gefunden wurde dabei jedoch nichts.

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          Seit Montagmorgen wiederum durchforsteten die Ermittler einen leer stehenden Vierseithof bei Klipphausen, das zwischen Dresden und Meißen liegt. Das Gelände wurde abgesperrt, Beamte des Landeskriminalamts und der Spurensicherung waren im Einsatz. Sie durchsuchten die Gebäude und kippten unter anderem einen Container mit Bauschutt aus. Am Mittag kreiste ein Hubschrauber über der Gegend. Nach Angaben von Anwohnern steht das Gehöft seit einigen Wochen zum Verkauf. Die Durchsuchung dauerte am Montagabend noch an.

          Unterdessen kritisierte Ulf Küch, der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Suche. Ermittlungen bei Entführungen seien „ein hochkomplexes und sehr brisantes Thema, das höchste kriminalistische Kenntnisse und Fähigkeiten verlangt“. Die Ermittler aber könnten nun nicht mehr im Stillen agieren. Die Polizei in Dresden teilte am Montag mit, man sei sich der Konsequenzen bewusst, habe sich aber nach reiflicher Überlegung aus ermittlungstaktischen Gründen zu dem Schritt entschlossen. „Der Opferschutz steht ganz groß im Vordergrund“, sagte Küch, „und die Polizei muss jeden Schritt abwägen, den sie macht. Es geht nur darum, das Leben der jungen Frau zu retten. Die Strafverfolgung steht da im Augenblick ganz, ganz hinten an.“

          Laut Polizei sind seit Donnerstagabend zwei Dutzend Beamte in dem Fall im Einsatz. Einen ersten Erfolg immerhin konnten sie am Montag melden: Der Hund der Familie ist wieder da, er wurde lebend ganz in der Nähe des mutmaßlichen Entführungsortes gefunden. Von Anneli jedoch fehlte weiter jede Spur.

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