https://www.faz.net/-gum-a80f7

Ermordetes Mädchen : Erfolgreiche DNA-Analyse nach 27 Jahren

Im Zusammenhang mit einem Gewaltverbrechen an einer 13-Jährigen im Jahr 1993 hat es im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart Polizeieinsätze gegeben. Bild: dpa

DNA-Spuren an Asservaten haben die Polizei in einem seit 27 Jahren ungelösten Mordfall weitergebracht. Ein Vierundvierzigjähriger wurde festgenommen – gegen einen weiteren Mann besteht ein Anfangsverdacht.

          2 Min.

          Mord verjährt nicht, DNA ebenso wenig. Wieder einmal haben nicht zuletzt DNA-Spuren an Asservaten die Polizei in einem seit 27 Jahren ungelösten Mordfall wesentlich weitergebracht.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seit 2017 schon bearbeitet die Würzburger Kriminalpolizei im Rahmen von „Cold-Case“-Ermittlungen den Mordfall eines 13 Jahre alten Mädchens. Das Kind war am 15. Dezember 1993 gegen 18 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen worden. Zwei Tage später fand die Polizei ihren Leichnam in einer Jauchegrube auf einem Aussiedlerhof, auf dem sie sich oft aufgehalten hatte. Der Hof liegt in Wiesenfeld, einem Ortsteil von Karlstadt im Landkreis Main-Spessart.

          Laut Obduktion war das Kind durch „massive Gewalteinwirkung“ zu Tode gekommen. Damals geriet unter anderen ein 15 Jahre alter Junge in den Fokus, dessen Schuld allerdings in einem Gerichtsverfahren nicht festgestellt werden konnte, er wurde freigesprochen.

          Es gibt einen weiteren Beschuldigten

          Als der Mord nun wieder aufgegriffen wurde, folgte das übliche Vorgehen in Altfällen: Die Polizei trat an ehemalige Zeugen heran, was zu einiger „Unruhe im Umfeld“ führte, wie Thorsten Seebach sagt, Sprecher der Würzburger Staatsanwaltschaft. So haben sich schließlich neue Zeugen gemeldet – mit Erkenntnissen über Leute aus dem näheren Umfeld des Opfers. Parallel dazu wurden Asservate, offenbar auch Kleidungsstücke des Opfers, auf DNA-Spuren untersucht. Dank neuerer Techniken wurde „mehr als eine unbekannte männliche DNA-Spur an verschiedenen Asservaten“ gesichert. Eines dieser DNA-Muster wurde mit dem Muster eines Mann verglichen, der aktuell in den Fokus geraten war.

          Laut Staatsanwaltschaft war das ein Treffer. Am 19. Januar wurde der Vierundvierzigjährige aus dem Landkreis Main-Spessart festgenommen: Er ist „dringend verdächtigt“, im Alter von 17 Jahren das Mädchen getötet zu haben. Durchsucht wurden zuvor nicht nur seine Wohnung, sondern auch der damalige Tatort.

          Die Arbeit von Staatsanwaltschaft und der eigens gegründeten Ermittlungskommission der Würzburger Kriminalpolizei ist noch lange nicht zu Ende. Unter anderem werden die zurückliegenden 27 Jahre im Leben des Tatverdächtigen ins Visier genommen: Wohnortwechsel, Arbeitsplätze, private Kontakte. Die Polizei hofft auch, dass sich weitere Zeugen melden. Es wird nichts ausgeschlossen: Ein Einzeltäter könne ebenso in Frage kommen wie mehrere Täter.

          So gibt es auch einen weiteren Beschuldigten, einen heute 55 Jahre alten Mann. Er gehörte auch damals schon zu einem Verdächtigenkreis, den die Polizei näher im Blick hatte. Gegen ihn besteht laut Staatsanwaltschaft bislang „ein Anfangsverdacht“. Festgenommen wurde er daher noch nicht.

          Weitere Themen

          Doppeltes Babyglück im Duisburger Zoo

          Zwei Tiger geboren : Doppeltes Babyglück im Duisburger Zoo

          Das Sibirische Tiger-Weibchen „Dasha“ hat im Duisburger Zoo zwei Junge auf die Welt gebracht. Bereits Anfang Mai seien die Jungtiere geboren. Mittlerweile absolvierten sie bereits erste Gehversuche.

          Topmeldungen

          Auch in Ungarn sind nicht alle mit Orbans Politik einverstanden: Protest gegen das Gesetz zur Homosexualität am 14. Juni in Budapest

          Empörung aus dem Ausland : Viktor Orbáns Lebenselexier

          Von einer „Elite“, gegen die Viktor Orbán kämpfen könnte, ist in Ungarn wenig übrig. Deshalb setzt der Ministerpräsident darauf, dass seine Gesetzesvorhaben aus dem Ausland angegriffen werden.
          Das Wahlplakat der Grünen

          #Allesistdrin : Die schöne Welt mit Lastenrad

          Ein Wahlplakat der Grünen zeigt eine vierköpfige Familie, die mit einem Lastenfahrrad durchs Grüne fährt. Und es zeigt ein Problem, das die Partei in ihrer Ansprache hat.
          Objekt des Kulturkampfes von Liberalen und Konservativen: Schüler unterschiedlicher Hautfarbe in Großbritannien

          Britische Debatte um Weißsein : Wer ist hier benachteiligt?

          Der Bildungsausschuss des britischen Unterhauses rechnet mit dem Begriff des „white privilege“ ab. Benachteiligt seien weiße Arbeiterkinder in den Schulen. Aktivisten werfen den Konservativen Kulturkampf vor.
          Das beleuchtete Kriegsmahnmal in Wolgograd - dem früheren Stalingrad - am Abend des 21. Juni 2021

          Überfall auf die Sowjetunion : Die langen Nachwirkungen des Vernichtungskriegs

          Die von Deutschen im Krieg gegen die Sowjetunion verübten Gräuel müssen endlich die Beachtung finden, die ihnen angesichts ihres unglaublichen Ausmaßes zukommt. Nicht nur aus moralischen, sondern auch aus politischen Gründen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.