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Mordfall in Freiburg : Das Strafregister des Hussein K.

Kerzen und Blumen am Tatort in Freiburg Bild: dpa

Der mutmaßliche Mörder von Maria L. soll schon einmal eine Studentin überfallen und eine Steilküste hinabgeworfen haben. Die Polizei hat wegen entsprechender Hinweise ein Rechtshilfeersuchen gestellt.

          Die Sonderkommission „Dreisam“ in Freiburg prüft, ob es sich bei dem mutmaßlichen Vergewaltiger und Mörder der Medizinstudentin Maria L. um den Mann handelt, der im Mai 2013 auf der griechischen Insel Korfu eine Frau überfallen hat und deshalb von einem griechischen Gericht zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt worden war. „Nachdem der Tätername bekanntgeworden war, haben wir zahlreiche Hinweise zur Identität des Mannes bekommen. Ein Hinweisgeber berichtete von dem Vorfall in Griechenland“, sagte eine Sprecherin der Freiburger Polizei der F.A.Z. Diesem Hinweis gehe die Sonderkommission nach, es gebe eine Anfrage an die griechische Polizei sowie ein Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Freiburg an die zuständige Staatsanwaltschaft in Griechenland.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Zeitschrift „Stern“ hatte über die kriminelle Vorgeschichte Hussein K.s berichtet, der unter dringendem Tatverdacht steht, Maria L. am 16. Oktober erst vergewaltigt und dann getötet zu haben. Nach dem Bericht der Zeitschrift soll er im Februar 2014 zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt worden sein. Warum er dann aus der Haft entlassen wurde, ist allerdings unklar. Die Staatsanwaltschaft Freiburg lässt gerade das Alter des Verdächtigen ermitteln, der angegeben hatte, 2015 im Alter von 16 Jahren über Weil am Rhein nach Deutschland eingereist zu sein. Möglicherweise ist er älter, denn viele „unbegleitete minderjährige Ausländer“ (UMA) verschleiern ihr Alter bei der Einreise, um in die Jugendhilfe aufgenommen zu werden und einer Abschiebung zu entgehen. Auch die griechischen Behörden sollen Zweifel am Alter des Straftäters gehabt haben.

          In zahlreichen europäischen Ländern nachgefragt

          Während der Ermittlungen und nach der Fixierung von Täter-DNA hatte die Sonderkommission „Dreisam“ in zahlreichen europäischen Ländern und auch bei den griechischen Behörden nachgefragt, ob eine entsprechende Täterspur vorliegen würde. Die Antwort fiel negativ aus. Es ist allerdings nicht geklärt, ob nach der Verurteilung des Täters in Korfu überhaupt eine DNA-Probe genommen worden ist. Eine einheitliche europäische Datei zur Sicherung von DNA-Spuren gibt es nicht. Die Identität eines minderjährigen Flüchtlings kann von der Bundespolizei, der Landespolizei oder der Ausländerbehörde überprüft werden, in der Regel handelt es sich um eine Abfrage in der Eurodac-Datei, in der die Fingerabdrücke von Flüchtlingen gespeichert sind, um festzustellen, ob der Flüchtling schon einmal in ein europäisches Land eingereist ist.

          Ob das Jugendamt im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald eine zusätzliche Identitätsüberprüfung vornahm, bevor Hussein K. regulär in eine Jugendhilfemaßnahme aufgenommen wurde, muss geklärt werden. Die Jugendämter versuchen in einem „Clearingverfahren“ zumeist, Alter sowie Identität des UMA zu bestimmen. Dies scheitert häufig daran, dass die jungen Flüchtlinge oftmals keine Papiere mitbringen.

          Minderjährige Flüchtlinge stellen häufig keinen Asylantrag, sondern sie streben eine Aufenthaltserlaubnis nach dem Aufenthaltsgesetz an. Hussein K. ist den deutschen Behörden einmal durch ein Körperverletzungsdelikt aufgefallen. Es soll sich 2015 auf seiner Sprachschule zugetragen haben, die Ermittlungen wurden eingestellt. Medienberichte und Aussagen von einigen Bekannten Husseins, nach denen er sich in Freiburg Jugendgangs angeschlossen hatte und durch Rauschgiftkonsum aufgefallen sein soll, bestätigt die Freiburger Polizei nicht. In den vorliegenden Akten des Jugendamtes gibt es nach Auskunft der Staatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass Hussein K. sich vor der Tat im Oktober strafbar gemacht oder auffällig verhalten hat.

          Am Sonntag kam es in Freiburger Stadtteil Stühlinger und in Titisee-Neustadt abermals zu sexuellen Übergriffen. In Freiburg wurde am frühen Sonntagmorgen eine Frau belästigt, die von einem Disco-Besuch nach Hause ging; in Titisee-Neustadt wurde am Sonntagnachmittag eine Joggerin in der Nähe der Hochfirstschanze belästigt. Die Täter sind noch unbekannt.

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