https://www.faz.net/-gum-90al5

Schießerei in Disko : Woher stammt die Waffe des Todesschützen von Konstanz?

  • Aktualisiert am

Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (zweiter von rechts) spricht am Montag in Freiburg nach einer Pressekonferenz mit Polizisten. Bild: dpa

Die tödliche Schießerei in einer Diskothek in Konstanz hat Entsetzen ausgelöst. Dabei hätte die Tat noch schlimmer ausgehen können. Die Polizei legt den Fokus ihrer Ermittlungen derweil auf ein bestimmtes Detail.

          Mit einem Sturmgewehr hat ein 34-Jähriger vor einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen - am Tag nach der Tat konzentrierten sich die Ermittler vor allem auf die Herkunft der Waffe. Das Gewehr werde von einer Sonderkommission intensiv untersucht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag. So werde etwa abgeklärt, ob die Waffe aus Armeebeständen stamme oder aus einzelnen Teilen, die der Täter sich möglicherweise im sogenannten Darknet beschafft hatte. Die Stadt Konstanz trauert unterdessen um die Opfer - vor dem Eingang der Diskothek legten Menschen am Montagmorgen Blumen und Kerzen unter das Absperrband der Polizei.

          Der 34-Jährige hatte am Sonntagmorgen gegen 4.30 Uhr an einer Diskothek in Konstanz um sich geschossen. Ein Türsteher, mit dem er zuvor in Streit geraten war, wurde getötet. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb auch der Angreifer im Krankenhaus. Drei Menschen wurden nach Angaben der Polizei schwer, sieben leicht verletzt. Partygäste flohen in Panik aus dem Club.

          Am Tag nach dem Verbrechen waren die Spuren des tödlichen Schusswechsels noch immer sichtbar: An der Eingangstür der Diskothek „Grey“ klaffte ein großes Einschussloch im Glas, auf dem Parkplatz vor dem Club sicherte die Polizei weitere Patronenhülsen. Das betreffende Areal sei sehr groß, daher dauere die Spurensicherung eine Weile, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es werde alles sehr genau abgesucht. Wie viele Schüsse gefallen seien, könne man noch nicht sagen – es gebe jedoch ein leeres Magazin mit rund 15 bis 20 Schuss.

          Das Verhältnis zwischen dem Täter und seinem Schwager wird untersucht

          Neben der Waffe untersuche die Sonderkommission auch die genauen Hintergründe der Tat, sagte der Sprecher weiter. So werde etwa das Verhältnis zwischen dem Täter und seinem Schwager – der den Konstanzer Club „Grey“ vor Ort für eine Gesellschaft leitete – abgeklärt. Auch der Grund, warum es zum Streit kam, sei Gegenstand der Ermittlungen. Zeugen würden ebenfalls befragt – dabei müsse man sehr behutsam vorgehen, da diese teilweise noch unter dem Schock des Erlebten stünden.

          Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl sprach am Montag von „Glück im Unglück“. „Mit einem solchen Schnellfeuergewehr, einer schweren Kriegswaffe, kann man natürlich in einer Diskothek wirklich etwas Furchtbares anrichten“, sagte der CDU-Politiker am Rande eines Termins in Freiburg. „Es ist wirklich schlimm genug, aber nicht zuletzt aufgrund des schnellen und konsequenten Eingreifens der Polizei ist noch ein denkbar viel größeres Unglück vermieden worden.“

          Der Club „Grey“ in Konstanz sprach den Angehörigen sein Beileid aus. „Wir können es noch gar nicht fassen, uns fehlen die Worte“, hieß es auf der Facebook-Seite der Disco. „Unser herzliches Beileid und unsere tiefe Anteilnahme an alle Betroffenen!“ Darunter postete der Club ein Video von John Lennons Lied „Imagine“. Auch ein schwarzes Titelbild war auf der Facebook-Seite zu sehen.

          Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei handelte der Angreifer als Einzeltäter, einen Terror-Hintergrund gibt es den Behörden zufolge nicht. Die Ermittler gehen von einer persönlichen Auseinandersetzung aus, die auf „unsagbare Weise eskaliert“ sei. Nach dem Streit am Eingang der Diskothek sei der 34-Jährige nach Hause gefahren, habe die Waffe geholt und sei zum Club zurückgekehrt, hieß es am Sonntag bei der Staatsanwaltschaft. Der 34-Jährige irakisch-kurdischer Herkunft war als Kind im Jahr 1991 nach Deutschland gekommen. Er ist vorbestraft unter anderem wegen Körperverletzung und Drogendelikten.

          Weitere Themen

          Kalifornien sagt E-Zigaretten den Kampf an

          Nach Todesfall : Kalifornien sagt E-Zigaretten den Kampf an

          Nach einem Todesfall durch E-Dampfer zieht der Pazifikstaat Konsequenzen. Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom hat unter anderem eine millionenschwere Aufklärungskampagne angekündigt.

          Würde ein Register helfen?

          Fehlbildungen bei Geburten : Würde ein Register helfen?

          Nachdem der Fall dreier Säuglinge mit ähnlichen Fehlbildungen an den Händen bekannt geworden war, fordern Ärzte nun ein nationales Meldesystem. Die Bundesländer reagieren indes zurückhaltend.

          Topmeldungen

          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.
          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.