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Trotz Geständnis : Ermittlungen gegen Duhamel eingestellt

Die französische Justiz hat das Ermittlungsverfahren gegen Olivier Duhamel wegen Verjährung eingestellt. Bild: AFP

Olivier Duhamel hat zugegeben, dass er seinen Stiefsohn als Minderjährigen sexuell missbraucht hat. Dennoch droht dem 71 Jahre alten Juristen kein Strafverfahren, wie die Pariser Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte.

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          Obwohl er den sexuellen Missbrauch an seinem damals minderjährigen Stiefsohn gestanden hat, muss sich der ehemalige Stiftungspräsident (2016 bis 2021) der Pariser Elitehochschule Sciences Po, Olivier Duhamel, nicht strafrechtlich verantworten. Die französische Justiz hat das Ermittlungsverfahren gegen den 71 Jahre alten Juristen wegen Verjährung eingestellt, wie die Staatsanwaltschaft in Paris am Montag mitteilte.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Missbrauchsskandal hat das Vertrauen in die Führung der Hochschule und darüber hinaus in die politisch-intellektuelle Elite in der französischen Hauptstadt nachhaltig erschüttert. Sciences-Po-Direktor Frédéric Mion und weitere Mitglieder des Stiftungsrats mussten zurücktreten. Die traditionsreiche Hochschule wird derzeit von einer Interimsdirektorin geführt. Aufgedeckt hatte den Skandal die Zwillingsschwester des Missbrauchsopfers, Camille Kouchner.

          Die Tochter des bekannten Ministers und Mitbegründers der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, Bernard Kouchner, prangerte in ihrem Buch „La familia grande“ vor allem die Omertà der Pariser Elite an. Viele hätten Bescheid gewusst, aber einen Schweigepakt mit dem einflussreichen Täter geschlossen. Die Autorin sah vorher, dass sich ihr Stiefvater rechtlich abgesichert habe. Wegen Verjährung werde er sich nicht vor Gericht verantworten müssen, beklagte sie in dem Buch. In Frankreich wird darüber diskutiert, ob die Verjährungsfrist für sexuellen Missbrauch nicht aufgehoben werden müsse.

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