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Kindesmissbrauch : Fall Bergisch Gladbach wohl größer als Fall Lügde

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Die Polizei untersucht im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall ein Haus in Alsdorf in Nordrhein-Westfalen. Bild: dpa

In einem Chat tauschten sich 1800 Menschen über Kindesmissbrauch aus und fügten Fotos hinzu. Wie groß genau das Ausmaß dieser Datenmengen ist, untersucht die Polizei. Fake-Bilder sollen den Fahndern künftig helfen.

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          Experten des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes (LKA) gehen davon aus, dass der Missbrauchsfall Bergisch Gladbach größer ist als der Fall Lügde. „Wenn so viele Chatteilnehmer und Gruppen da sind, kann man davon ausgehen, dass das sichergestellte Datenmaterial größer ist als im Fall Lügde. Das sind immense Datenmengen“, sagte LKA-Direktor Frank Hoever der „Rheinischen Post“.

          Hoever und der Leiter des Cybercrime-Kompetenzzentrums beim LKA, Sven Schneider, machen sich dafür stark, künftig computergeneriert Fakebilder von Kindern verwenden zu dürfen, um in die Chats der Täter aufgenommen zu werden. Hoever sagte: „Ich würde das sehr begrüßen. Das wäre die Eintrittskarte in Straftäterkreise. Wenn wir selber Material einbringen könnten in die Chats, würden deutlich mehr Fälle ans Licht kommen.“ Darum bräuchten die Ermittler die „rechtlichen Möglichkeiten, um Fakebilder generieren und verwenden zu dürfen.“

          Tatsächlich hatte Bundes-Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) vergangene Woche eine entsprechende Reform angekündigt. „Die Ermittler sollen künftig computergenerierte Bilder verwenden können, wenn sich die Taten nicht anders aufklären lassen“, sagte sie der „Welt“.

          Noch unklar, wie groß der Fall noch wird

          Die Reform soll in ein Gesetz zum Cybergrooming aufgenommen werden, das derzeit im Bundestag beraten wird. Dieses Gesetz soll dafür sorgen, dass Pädophile wirkungsvoller bestraft werden, die in Onlinechats mit sexuellen Absichten Kontakt zu Kindern suchen.

          Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach war der massenhafte Missbrauch von Kindern durch Mitglieder eines Chat-Netzwerkes aufgedeckt worden. Mit der Festnahme eines Verdächtigen im Oktober hatten die Ermittlungen den Anfang genommen.

          Die Ermittler fanden in seinem Handy Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern. Es sei „unbegreiflich“, dass es eine solch große Gruppe gegeben haben soll, sagte LKA-Mann Schneider der „Rheinischen Post“: „Man kann noch gar nicht abschätzen, wie groß der Fall noch werden wird.“ Schneider erklärte zu den Tätern, diese seien „Jäger und Sammler.“ Die Ermittler fänden „selten nur zehn Bilder bei einem, sondern meistens 10.000.“

          Zehn Festnahmen

          Inzwischen gab es in dem Fall, der in Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm, zehn Festnahmen. Sieben der Festgenommenen, die ihre Kinder oder Stiefkinder sexuell missbraucht haben sollen, stammen aus NRW, einer aus Hessen und einer aus Rheinland-Pfalz.

          Im Fall Lügde waren vor kurzem zwei Männer zu hohen Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Sie hatten Kinder und Jugendliche in mehreren hundert Fällen auf dem Campingplatz in NRW sexuell missbraucht und das teilweise gefilmt.

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