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Dealer nach Interview gefasst? : „Im Gefängnis sitzen nur Idioten“

Möglicherweise ein verhängnisvoller Auftritt: „Banks“ gibt Vice ein Interview. Bild: Vice

Ein Rauschgifthändler hat sich in einem Video der Plattform Vice präsentiert, angeblich um Kiffer vor einer gefährlichen Entwicklung zu warnen. So rief er aber auch die Polizei auf den Plan – und wurde jetzt laut Ermittlern gefasst.

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          „Im Gefängnis sitzen nur Idioten. Wenn man das professionell aufzieht, kann da nicht viel schief gehen.“ Diese Sätze sagte ein Cannabis-Dealer in einem Video, das das Online-Magazin Vice Anfang Januar veröffentlichte. Der Auftritt des Rauschgifthändlers hatte angeblich ein hehres Ziel: Er wollte Kiffer vor einer gefährlichen Entwicklung warnen. „Ihr seid Chemie-Junkies, ohne es zu wissen“, sagte „Banks“, wie er im Video genannt wurde. Ein Großteil des Marihuanas, das in Deutschland verkauft werde, sei mit synthetischen Cannabinoiden gestreckt, die körperlich abhängig machten. Vice ließ sich für den Beitrag vom Bundeskriminalamt bestätigen, dass chemisch gestrecktes Cannabis zunehmend zum Problem werde und bei Konsumenten Ohnmacht, Psychosen und sogar schon Todesfälle verursacht hätte. Das Video wurde bis Donnerstag mehr als 1,5 Millionen Mal angeklickt.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Mittlerweile dürfte „Banks“ seinen Auftritt allerdings bereuen – und auch seinen Kommentar zu den „Idioten“, die im Gefängnis sitzen. Die Staatsanwaltschaft Gießen teilte nämlich am Mittwochabend mit, dass ein 24 und ein 26 Jahre alter Mann aus der hessischen Gemeinde Wettenberg vorläufig festgenommen worden seien. Sie stehen im Verdacht, mit Cannabis in nicht geringer Menge gehandelt zu haben. Bei dem 26 Jahre alten Festgenommenen handele es sich nach dem aktuellen Ermittlungsstand um einen Mann, „der sich vor einigen Monaten in einem auf Youtube veröffentlichten Video als Drogendealer mit dem Spitznamen ,Banks‘ gerierte“.

          Am Donnerstag veröffentlichte die Staatsanwaltschaft eine weitere Pressemitteilung. Ausdrücklich heißt es darin, dass die Verdächtigen aufgrund des Videos in den Fokus der Ermittler gerückt seien. Der Vierundzwanzigjährige ist demnach ebenfalls in dem Video zu sehen – beim Verpacken großer Mengen Betäubungsmittel. Die Polizei habe am Mittwoch die Wohnungen und angemietete Räumlichkeiten der Verdächtigen durchsucht und dabei eine Plantage mit mehr als 100 Cannabispflanzen entdeckt. In der Wohnung des 26 Jahre alten Mannes in Wettenberg fanden die Ermittler laut Staatsanwaltschaft etwa 1300 Gramm Marihuana. Das Rauschgift sei teilweise „verkaufsfertig“ verpackt gewesen.

          Sollten die Ermittler dem 26 Jahre alten Verdächtigen tatsächlich nachweisen können, dass es sich bei ihm um „Banks“ handelt, dürften die in seiner Wohnung gefundenen 1,3 Kilogramm nicht sein größtes Problem sein. In dem Vice-Video sagt „Banks“, dass er seit sieben Jahren mit Cannabis handle, jeden Monat fast 30 Kilogramm verkaufe und damit einen Umsatz von ungefähr 120.000 Euro monatlich mache. In einem Raum präsentiert er „sechs bis sieben Kilo“ Marihuana, und er lässt sich sogar zu einer Übergabe des Rauschgifts begleiten.

          Der Reporter sagt in dem Film, dass der Dealer in das Berliner Büro von Vice gekommen sei und sich als großer Cannabis-Dealer vorgestellt habe, der aus dem Geschäft aussteigen wolle – vorher aber noch erzählen wolle, was falsch laufe. „Wenn ich euch darüber nicht informieren würde, könnte ich als alter Mann nicht mehr in den Spiegel schauen“, sagt „Banks“, der in dem gesamten Video eine weiße Sturmhaube trägt. Der Reporter sagt in dem Film: „Wenn das Risiko wirklich so gering ist und die Gewinne so groß sind, frage ich mich, ob es Banks wirklich schafft, aus diesem Business auszusteigen.“ Diese Entscheidung wurde „Banks“ jetzt offenbar abgenommen. Am Donnerstagnachmittag sollten die Verdächtigen einem Haftrichter vorgeführt werden.

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