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Erinnerung an die „Banklady“ : Gisela Werler: Deutschlands erste Bankräuberin

Gisela Werler: Im Alltagsgewand ... Bild: Volkskunde-Museum

Insgesamt knapp eine Million Euro erbeuteten die sinnliche „Banklady“ Gisela Werler und ihr Komplize in den sechziger Jahren. In den Medien wurde sie zu einer femme fatale. Eine Ausstellung in Schleswig widmet sich nun ihrem Bankräuberleben.

          Sie war höflich, sie sagte „bitte“ und „danke“, sie bat darum, das Geld einzupacken. Man bewunderte ihre schlanken Beine und ihre sinnliche Ausstrahlung. In den Medien wurde die Banklady zu einer femme fatale. Das Blond allerdings war eine Perücke.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und auch sonst sah Gisela Werler ohne ihre Ausrüstung aus wie eine ganz normale Frau. An neunzehn Banküberfällen zwischen 1965 und 1967 in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein war sie beteiligt. Noch mehr als von ihrer Ausstrahlung war die Polizei von der Kaltblütigkeit der ersten deutschen Bankräuberin überrascht.

          3100 Mark beim ersten Überfall

          Angefangen hatte es damit, dass Gisela ihren Schlafzimmerschrank als Versteck für die Beute zur Verfügung stellte, als Peter Werler, ihr späterer Mann, zusammen mit einem Komplizen einen Banküberfall plante. Bald darauf war sie selbst beteiligt. Am 29. Juli 1965 begann ihre kriminelle Karriere mit einem Überfall auf die Filiale der Hamburger Volksbank in der Hamburger Elbgaustraße. 3100 Mark erbeutete sie dort.

          ... in „Berufskleidung” ...

          Das Bankräuberleben endete in Bad Segeberg, wo sich am 15. Dezember 1967 vier Angestellte unerwartet wehrten, die überraschten Räuber in die Flucht schlugen und verfolgten. Peter Werler schoss auf die vier und verletzte sie. Die Polizei verfolgte die Bankräuber bis zu einer geschlossenen Bahnschranke. Werler wollte auch noch auf die Polizisten schießen, aber seine Pistole versagte.

          Neuneinhalb Jahre für die Banklady

          Der Prozess vor dem Landgericht Kiel wurde damals in ganz Deutschland verfolgt. Die Banklady wurde zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt. Siebeneinhalb Jahre saß sie tatsächlich ein. Ihr Gefährte musste für fast vierzehn Jahre ins Gefängnis. Die beiden heirateten in der Gefängniskapelle und lebten nach ihrer Entlassung in Hamburg. Ende 2003 starb Gisela Werler im Alter von 69 Jahren. I

          Insgesamt knapp eine Million Euro sollen die Bankräuber – auf heute umgerechnet – im Laufe ihrer Karriere erbeutet haben. Das meiste Geld wurde nicht mehr gefunden. Gisela Werler hatte sich nur neue Möbel für ihre Wohnung gekauft und einen gebrauchten VW-Käfer.

          Im Juni war ihr in der ARD die Dokumentation „Geld her – die Banklady“ gewidmet. Und nun gilt ihr bis Ende Oktober im Volkskundemuseum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf in Schleswig sogar eine Ausstellung. Wolfgang Kroker, der Beauftragte für Polizeigeschichte des Landes Schleswig-Holstein, hatte 2006 dem Museum seine Sammlung zur Verfügung gestellt, die größte private Polizeisammlung Deutschlands. Außerdem ging auch die frühere Lehrmittelsammlung der Polizeidirektion für Aus- und Weiterbildung Eutin in den Bestand des Museums über.

          Auch die Opfer sollen zu Wort kommen

          Mit der Ausstellung wolle man die Kriminelle keineswegs idealisieren, sagen die beiden Verantwortlichen, Carsten Fleischhauer und Guntram Turkowski. Die Ausstellung besteht aus vielen Fotos, Video- und Audio-Dokumenten, in denen auch die Opfer zu Wort kommen.

          Zu sehen sind außerdem Originale wie die Perücken oder die Maschinenpistole, die für die Überfälle benutzt wurde. Die Ausstellung zeigt – neben der Bankfiliale des letzten Überfalls in Bad Segeberg und einer typischen Polizeistation aus den Sechzigern – auch das nachgestellte Wohnzimmer von Gisela Werler. Dort wurden die Banküberfälle zuerst geplant – und später gefeiert.

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