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Entführungen in China : Blog gegen Kinderhandel

Chinesische Eltern fürchten um ihre Kinder - hier in einem Kindergarten in Peking Bild: REUTERS

Ein Internet-Suchdienst soll chinesischen Eltern helfen, ihre gestohlenen Kinder wiederzufinden. Binnen zwei Wochen sind angeblich auf die Weise schon sechs Kinder gerettet worden. Entführte Kinder werden in China oft verkauft.

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          Viele Chinesen waren gerührt, als sie die Aufnahmen im Internet sahen, auf denen Peng Gaofeng seinen Sohn endlich wieder in die Arme schließen konnte. Mehrmals rief der Vater ungläubig: „Wenle, Wenle!“ Als er seiner Frau telefonisch von dem Wiedersehen berichtete, brach er noch einmal in Tränen aus. Der kleine Junge war vor drei Jahren in der südchinesischen Metropole Shenzhen entführt worden. Der 32 Jahre alte Vater, ein Wanderarbeiter aus der Zentral-Provinz Hubei, hatte damals in Shenzhen ein kleines Geschäft betrieben. Nach dem Verschwinden des Sohnes hatte sich Peng selbst auf die Suche nach Wenle gemacht, erfolglos. Dann veröffentlichte er ein Bild seines Sohnes im Internet, unter anderem bei einem chinesischen Kurznachrichtendienst nach dem Vorbild von Twitter. Doch erst in diesem Jahr kam der entscheidende Hinweis. Ein Mann hatte den Jungen in der Provinz Jiangsu entdeckt, mehr als 1500 Kilometer von Shenzhen entfernt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Kinder werden an Bettelbanden verkauft

          Ein Journalist begleitete Peng nach Jiangsu und filmte das tränenreiche Wiedersehen. Das Video, das nun im Internet kursiert, ist erst ein paar Tage alt. Es gibt aber schon jetzt vielen Eltern in China Hoffnung, dass vielleicht auch sie ihre entführten Kinder über das Internet wiederfinden könnten. Ein Blog für Kurznachrichten, den der Pekinger Professor Yu Jianrong zu diesem Zweck im Januar eingerichtet hat, wird schon von mehr als 170 000 Menschen verfolgt. Der Professor hatte dazu aufgerufen, bettelnde Kinder aufzunehmen und die Bilder zu veröffentlichen. Denn viele der entführten Kinder werden an Banden verkauft und zum Betteln gezwungen. Nun können die Eltern Fotos ihrer vermissten Kinder mit den Bildern der Bettelkinder - es sind schon mehr als 1000 - abgleichen. Binnen zwei Wochen sollen schon sechs Kinder gerettet worden sein.

          Gegen Kinderhandel wird bislang viel zu wenig getan. Nach inoffiziellen Schätzungen verschwinden jedes Jahr in China bis zu 200 000 Babys und Kleinkinder. Häufig werden kleine Jungen entführt, die dann für umgerechnet wenige tausend Euro an kinderlose Paare verkauft werden. Die Eltern klagen darüber, dass die Polizei meist untätig bleibe. Professor Yu Jianrong hofft nun, mit seiner Aktion mehr Aufmerksamkeit auf ihr Schicksal zu lenken. Die Befürworter wollen Druck auf die Behörden ausüben, etwas zu unternehmen. Einige Delegierte des Volkskongresses, der im März in Peking tagt, haben schon angekündigt, neue Gesetze gegen den Kinderhandel auf den Weg bringen zu wollen.

          Ein DNA-Test soll Klarheit bringen

          Für viele ist dennoch fraglich, ob der Aktionismus auch langfristig etwas bewirkt. So wird kritisiert, dass durch die Aktion bettelnde Kinder pauschal als Entführungsopfer dargestellt werden - so sei es schon zu falschen Anschuldigungen gekommen. Peng Gaofeng, dessen Wiedersehen mit seinem Sohn die Nation bewegt, ist sich gleichwohl sicher, dass er den richtigen Jungen gefunden hat - Wenle, inzwischen sieben Jahre alt, beherrscht noch den Dialekt seiner Heimat. "Der weinende Mann ist mein Vater", soll er gesagt haben. Nun soll noch ein DNA-Test letzte Zweifel aus dem Weg räumen. Der Junge war von einem Mann geraubt worden, der selbst keinen Sohn hatte. Der Entführer soll inzwischen an Krebs gestorben sein, seither kümmerte sich die Ehefrau um den Jungen. Doch nun saß das Kind wieder glücklich auf dem Schoß von Peng Gaofeng. Und der Vater sprach von einem Wunder.

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