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Entführung : Quälende Ungewißheit um Sahara-Geiseln

  • Aktualisiert am

Touristenführer in der Sahara - ein gefährlicher Job Bild: dpa/dpaweb

Falls die in Algerien verschleppten Europäer noch leben, trifft sie die Wüstenhitze. Dazu kommt die Ungewißheit. Sind sie in Mali, in Libyen?

          2 Min.

          Über der Sahara, weitab der Mittelmeerküste mit dem gelegentlichen Wind vom Wasser her, liegt seit Wochen eine unerträgliche Gluthitze. Die Temperaturen klettern tagsüber bis auf knapp 50 Grad. Selbst wenn die 15 seit Monaten in der südalgerischen Bergregion von Tamelrik verschleppten Europäer dort immer noch in etwas kühleren Grotten untergebracht sein sollten, trifft sie diese Wüstenhitze. Dazu kommt die Ungewißheit. Sind sie bereits in Mali, wissen sie von den immer neuen Spekulationen? Und wieweit sprechen die mutmaßlich terroristischen Entführer mit ihren Sahara-Geiseln?

          Die Spekulationen um das Schicksal der 15 Geiseln - zehn Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer - treiben angesichts der Informationssperre immer wieder Blüten. Oftmals sind es nur alte Mutmaßungen, die als neu verkauft werden. Jetzt heißt es also, die 15 seien aus Südalgerien ins angrenzende Mali verschleppt worden. Doch gesicherte Kenntnis hat niemand. In dem fünfmonatigen Drama war auch Mali schon mehrfach aufgetaucht: nun also hat sich Außen-Staatssekretär Jürgen Chrobog auf den Weg in die Hauptstadt Bamako gemacht.

          Libyen im Visier

          Auffallend hartnäckig halten sich jedenfalls die Hinweise, wonach das algerische Militär seine Präsenz in der unzugänglichen Bergregion ausgedünnt hatte, um den Entführern damit ein „Schlupfloch“ für eine unblutige Lösung anzubieten. Den Militärs muß unklar gewesen sein, „ob die Entführer dabei die Touristen zurücklassen oder sie erst dann freilassen würden, wenn sie über die Grenze geflohen sind“, schreibt die Zeitung „El Watan“ in Algier. Da wurde oft die Grenze zu Libyen im Osten genannt. Zum einen liegt Libyen weit näher als Mali - und aus dem Land des Muammar el Gaddafi kamen Vermittlungsangebote.

          Auch über den Gesundheitszustand der Geiseln kann man nur mutmaßen. Anzunehmen ist lediglich, daß die Geiseln wohl ausreichend Wasser haben. Denn in diesem Jahr hat es in der Berggegend doch genügend geregnet, sagen algerische Sahara-Tourenführer. Auch was alles Eßbare angeht, könnte die Lage der Verschleppten zumindest erträglich sein. Selbst wenn die Versorgung knapp sein dürfte - Datteln, Feigen, Grießbrei und Tee gehören zu der nahrhaften Kost auch der ärmsten Wüstenbewohner.

          Terrorgruppe GSPC verdächtigt

          Der Weg nach Mali über etwa 700 Kilometer unwegsames Gelände ist voller Gefahren. In dem Grenzgebiet zwischen Algerien, Libyen, Niger und Mali mit seinen unendlichen Weiten, tiefen Schluchten und glühend heißen Bergplateaus bewegen sich die Karawanen und Beduinen, jedoch auch Mitglieder von Terror- und lokalen Mafia-Organisationen fernab jeder Kontrolle. Dort soll jüngst der mutmaßliche Drahtzieher der Geiselnahme gesichtet worden sein - Mokthar Belmokthar, einer der Anführer der algerischen islamistischen Terrororganisation GSPC.

          „Einzige mögliche Transportmittel sind Überlandfahrzeuge oder Kamele“, sagt ein algerischer Reiseführer. Erfahrene Wüstenurlauber wissen, daß bei einer solchen Fahrt die richtige Ausrüstung wichtig ist. So schützt Kleidung, die den gesamten Körper bedeckt, in diesem Klima ohne große Luftfeuchtigkeit vor zu großem Flüssigkeitsverlust. Bei Nahrung und Trinkwasser ist indessen Vorsicht geboten, denn neben Durchfall kann es zu ernsten Erkrankungen wie Typhus oder auch Hepatitis kommen.

          Algeriens Presse hält eine Verschleppung der Geiseln nach Mali indessen für wenig wahrscheinlich, kann sich aber auch wegen der dünnen Informationslage erfahrungsgemäß täuschen. Somit bleibt die Ungewissheit. Denn auch Berlin hüllt sich weiterhin in Schweigen. „Unsere Bemühungen, die Betroffenen gesund und sicher nach Hause zu bringen, werden unverändert fortgesetzt“, heißt es jedes Mal lakonisch.

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