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Junge befreit : Entführung in Belgien durch Islamisten?

An der Fahndung waren bis zu 100 Ermittler beteiligt. (Symbolbild) Bild: dpa

Sechs von sieben Verdächtigen im Fall des in Belgien entführten Kindes gehören islamistischen Kreisen an. Darunter ist ein Mann, der schon zweimal zu längeren Haftstrafen verurteilt worden ist.

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          Im Fall eines entführten Jungen, der am Montag nach 42 Tagen befreit worden war, weisen Spuren ins islamistische Milieu. Wie belgische Medien berichteten, gehören sechs von sieben Verdächtigen, die am Montag in den belgischen Provinzen Antwerpen und Limburg festgenommen wurden, islamistischen Kreisen an. Für sie wurde Untersuchungshaft angeordnet.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Darunter ist ein Mann, der schon zweimal zu längeren Haftstrafen verurteilt worden ist. Khalid B. aus Maaseik wurde 2006 zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er Jugendliche für den „Islamischen Staat“ rekrutiert hatte. 2015 wurde er wegen desselben Verdachts abermals verhaftet und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Allerdings wurde diese Strafe in Berufung auf drei Jahre Bewährung vermindert. B. war also auf freiem Fuß, er sollte jedoch weiter vom belgischen Geheimdienst beobachtet werden.

          Es könnte sein, dass mit der Entführung terroristische Aktivitäten finanziert werden sollten. Als möglich gilt auch, dass die Familie des entführten Jungen Schulden bei den Entführern hatte, die mit der Erpressung eines Lösegelds beglichen werden sollten. Sie hatten fünf Millionen Euro gefordert, davon sollen 330.000 Euro geflossen sein.

          Der Vater und Onkel des Jungen waren wegen schweren Drogenhandels verurteilt worden; der Onkel sitzt seine Strafe von 15 Jahren immer noch ab. Die Familie ist kurdischen Ursprungs. Schwerbewaffnete und maskierte Kriminelle waren Ende April in ihr Haus eingedrungen und hatten den Dreizehnjährigen gewaltsam entführt. An der Fahndung nach ihm und den Tätern waren bis zu 100 Ermittler beteiligt, auch aus den Niederlanden, Frankreich und den Vereinigten Staaten. In der Nacht auf Montag war der Junge bei einem großangelegten Polizeieinsatz befreit worden. Daraufhin durchsuchten die Ermittler ein Dutzend Wohnungen und nahmen die Verdächtigen fest. Belgische Medien berichteten erst danach über den Fall, um das Leben der Geisel zu schützen.

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