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Grausiger Fund in England : 39 Tote aus Lastwagen doch nicht aus China?

  • Aktualisiert am

Ermittler untersuchen den Lastwagen, in dem am 23. Oktober 39 Leichen gefunden wurden. Bild: AFP

Auch Tage nach dem Fund von 39 Toten in einem Lastwagen im englischen Grays bleibt die Herkunft der Leichen unklar. Die Ermittler konzentrieren sich mittlerweile auf Vietnam. Derweil wird gegen den Fahrer Anklage erhoben.

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          Bei der Aufklärung des Todes von 39 Menschen in einem Lkw-Anhänger konzentriert sich die britische Polizei nun auf das Herkunftsland Vietnam. Dies sagte am Samstag Martin Passmore von der Polizei Essex, zuständig für die Identifizierung der Opfer. Andere Herkunftsländer kämen jedoch weiter auch in Frage. Die Polizei hatte zunächst erklärt, es handele sich bei den Toten um Chinesen.

          Unterdessen wurde ein Mann in Irland festgenommen, der in Verbindung mit dem Verbrechen stehen könnte. Der Mann sei wegen einer anderen mutmaßlichen Straftat gesucht worden, die Polizei in Essex habe jedoch Interesse bekundet, ihn zu befragen, teilte die irische Polizei in Dublin mit. Zuvor waren schon drei weitere Männer und eine Frau festgenommen worden, darunter auch der Fahrer des Lastwagens. Gegen den 25 Jahre alten Fahrer aus Nordirland wurde am Samstag Anklage erhoben, unter anderem wegen Totschlags in 39 Fällen, sowie Beteiligung an Menschenhandel und Geldwäsche. Er muss am Montag erstmals vor Gericht erscheinen.

          Bei der Identifizierung der Leichen ist laut Polizei eines der Probleme, dass möglicherweise Verwandte der Opfer selbst illegal in Großbritannien leben und Angst haben, sich bei der Polizei zu melden. Passmore sicherte deshalb zu, seine Behörde werde niemanden verfolgen, der sich in dem Fall an die Polizei wende.

          Die Zugmaschine war aus Irland gekommen, der Auflieger kam über den belgischen Hafen Zeebrugge nach England – per Schiff wurde er von Belgien in den Hafen Purfleet gebracht. Auch Tage nach dem grausigen Fund in der Nacht zum Mittwoch war unklar, wann und wo die Menschen in den Lkw gelangten. Möglicherweise sind die Menschen erfroren, da der große Lkw-Sattelauflieger zur Kühlung geeignet ist. Offiziell bestätigt wurde die Todesursache zunächst nicht.

          Inzwischen seien alle Leichen aus dem Lkw in die Gerichtsmedizin gebracht worden, sagte Passmore. Anschließend sollen an den Leichen gefundene Besonderheiten mit den Informationen abgeglichen werden. Er habe sich auch mit dem vietnamesischen Botschafter getroffen, um die Zusammenarbeit mit den Behörden in dessen Land zu vertiefen. „Wir alle wollen vor allem das Eine: Dass die Toten identifiziert und zu ihren Angehörigen gebracht werden.“

          Am Freitag hatten sich mehrere vietnamesische Familien bei der BBC gemeldet, die Angehörige unter den Toten befürchten. Am Samstag sagte ein 57 Jahre alter Vietnamese der Deutschen Presse-Agentur, sein Sohn sei 2017 nach Frankreich ausgewandert und habe ihn informiert, dass er als Teil einer Gruppe nach Großbritannien geschmuggelt werden solle. Der Vater sagte, er habe einen Anruf bekommen und sei über die Todesfälle informiert worden. Er sei aber nicht sicher gewesen, wer der Anrufer überhaupt war und ob es sich um einen Schleuser gehandelt habe. Er habe nun kaum noch Hoffnung, dass sein Sohn am Leben sei. „Ich bin sicher, dass er tot ist, aber ich versuche, das eine Prozent an Hoffnung zu behalten, dass er noch lebt“, sagte der Mann über seinen Sohn.

          In Sozialen Medien kursierten zahlreiche Informationen darüber, wie sich die Tragödie zugetragen haben könnte. Unter anderem hieß es, der Lastwagen mit den 39 Menschen sei von Frankreich aus über Belgien nach Großbritannien gelangt. Diese Informationen waren aber zunächst nicht zu verifizieren.

          Die Leichen waren in der Nacht zum Mittwoch im Laderaum des Lastwagens im Ort Grays entdeckt worden. Die Umstände deuten stark darauf hin, dass es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt.

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