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Kreuzfahrt-Kriminalität : Der Tod fährt mit

  • -Aktualisiert am

Seit dem 31. Dezember 2006 fehlt von Sabine L. jede Spur Bild: ddp

Mit Urlaub auf Kreuzfahrtschiffen verbinden die meisten Romantik und Erholung. Tatsächlich verschwinden immer wieder Gäste spurlos von Luxuslinern. Kriminalität an Bord wird inzwischen zum Problem. Die Reedereien wollen davon nichts wissen.

          Es hatte als Traumreise begonnen und endete in einem Albtraum: Am Morgen des 15. Tages auf See war Sabine L. wie immer früh aufgestanden, um im Pool schwimmen zu gehen. Ihr Mann war in der Kabine geblieben und wartete auf ihre Rückkehr; danach wollte man zusammen frühstücken. Aber Sabine L. kam nicht zurück - seit dem 31. Dezember 2006 fehlt von ihr jede Spur (siehe: Deutsche wird auf „Queen Elizabeth 2“ vermisst). Die Ereignisse an Bord des legendären Kreuzfahrtschiffs „Queen Elizabeth 2“ haben die Familie der 62 Jahre alten Sabine L. in das wohl tiefste nur denkbare Dilemma gestürzt: der Verlust einer nahen Verwandten - ohne jegliche Gewissheit, was mit ihr geschah. Ist die aus Hamburg stammende Frau irgendwo weit vor der portugiesischen Küste über die Reling ins Meer gestürzt? Ist sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Keiner weiß es. Mehrere Male wurde das gesamte Schiff nach ihr durchsucht, Seenotretter wurden in das fragliche Gebiet entsandt. Bisheriges Ergebnis: null.

          Die Cunard-Reederei, zu deren Flotte die „Queen Elizabeth 2“ gehört, will sich zu dem Fall nicht äußern - zumindest nicht, solange die Ermittlungen wegen des Verbleibs von Sabine L. noch laufen. Man verweist auf die Polizei in Southampton, der letzten Anlaufstation während dieser Kreuzfahrt von England über Lissabon und die Kanarischen Inseln bis nach Dakar und zurück. Allenfalls zu der Bemerkung, dass „das alles sehr mysteriös“ sei, lässt sich ein Cunard-Sprecher hinreißen. Und schließt die Frage an: „Aber was sollen wir noch machen?“ Sabine L.s Familie hat derweil eine Internetseite ins Netz gestellt (www.qe2missing.de), von der sie sich Hinweise auf die Verschollene erhofft. Doch viel mehr als ein paar mitfühlende Worte und wohlmeinende Ratschläge unbeteiligter Kreuzfahrt-Touristen sind auf der Homepage bisher nicht hinterlegt worden. „Wir sind vollkommen ratlos“, sagte Moritz L., der Sohn von Sabine L., vor gut drei Wochen dem „Hamburger Abendblatt“. Seither hält sich die Familie der Vermissten mit Stellungnahmen gegenüber den Medien zurück - offenbar aus der nicht unbegründeten Furcht vor einer Sensationsberichterstattung.

          Spurlos verschwunden

          So dramatisch die Geschichte sein mag - um einen Einzelfall handelt es sich keineswegs. Vielmehr sind in den vergangenen Jahren immer mal wieder Passagiere während einer Kreuzfahrt spurlos verschwunden, und längst nicht jedes Schicksal hat die Öffentlichkeit so sehr bewegt wie etwa das von George Allen Smith, einem 26 Jahre alten Amerikaner, der im Juli 2005 mit seiner Frau Jennifer die Hochzeitsreise auf der „Brillance of the Seas“ in der Ägäis verbrachte. Nach einem äußerst alkoholseligen Abend, den das Paar im bordeigenen Casino und später noch in der Diskothek verbracht hatte, machte sich zunächst Jennifer Smith auf den Weg zurück in die Kabine. Allerdings war sie so betrunken, dass sie sich verlief und irgendwann in einem der Korridore unter Deck einschlief. Dort jedenfalls wurde sie in den frühen Morgenstunden von einem Wachmann gefunden und behauptete später, sich an nichts erinnern zu können. Einige Zeit nach ihr wollte auch Jennifers Mann endlich ins Bett, jedoch war George Smith ebenfalls derart alkoholisiert, dass er von vier jungen Trinkkumpanen, die das Paar während der Reise kennengelernt hatte, gestützt werden musste. (Drei dieser Männer, allesamt russischstämmige Amerikaner, wurden wenige Tage später des Schiffs verwiesen, weil sie eine junge Frau vergewaltigt haben sollen.)

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