https://www.faz.net/-gum-7prk4

Elliot Rodger : Amoklauf mit Ansage

  • -Aktualisiert am

Eine Gedenkstätte für den 20 Jahre alten Studenten Christopher Michael-Martinez, eines von sieben Opfern von Elliot Rodger Bild: REUTERS

Der Amoklauf in Isla Vista hatte sich offenbar lange angebahnt. Die Eltern des Schützen setzten die Polizei schon vor Wochen auf ihren Sohn an. Und in der Tatnacht eilten sie angeblich zum Unglücksort, um den Amoklauf zu verhindern.

          Die Eltern des Todesschützen von Kalifornien haben kurz vor dem Amoklauf ihres Sohnes von dessen Plänen für die Tat erfahren und verzweifelt versucht, ihn noch rechtzeitig zu finden. Das berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Familienangehörige.

          Dem Bericht zufolge verschickte Elliot Rodger vor der Tat, bei der am Wochenende sieben Studenten getötet und weitere 13 Personen zum Teil schwer verletzt wurden, ein „Manifest“, das auch an seine Eltern ging. Darin enthüllte der 22 Jahre alte Student offenbar seine Pläne und sein Motiv – Frauenhass. Die Mutter habe die Polizei informiert und sei mit ihrem Mann nach Isla Vista gefahren. Auf dem Weg dorthin hätten sie dann aber schon erste Berichte über Schüsse erhalten.

          Drei halbautomatische Waffen im Auto

          Rodger erstach in Isla Vista, einer Gemeinde bei Santa Barbara etwa 150 Kilometer nordwestlich von Los Angeles, erst seine beiden Mitbewohner und einen ihrer Freunde. Danach fuhr er zu einer Studentinnenverbindung. Als die Frauen auf sein minutenlanges Trommeln gegen die Tür nicht reagierten, feuerte er auf dem Gehweg auf drei Studentinnen. Die 22 Jahre alte Katherine Cooper und die 19 Jahre alte Veronika Weiss wurden tödlich getroffen, ihre Freundin überlebte schwer verletzt.

          Von seinem Auto aus schoss Rodger in den nächsten Minuten weiter auf Fußgänger und Geschäfte, bevor er nach mehrere Schusswechseln mit Beamten des Sheriff-Büros gegen einen geparkten Wagen fuhr. Nach den bisherigen Ermittlungen nahm er sich anschließend mit einem Kopfschuss das Leben.

          Laut dem zuständigen Sheriff wurden im Auto des Täters drei halbautomatische Waffen gefunden, die sich der Schütze in drei verschiedenen Städten legal gekauft hatte. Der Täter hatte noch 400 Schuss Munition übrig. Hätte ihn die Polizei nicht gestoppt, wäre das Blutbad wahrscheinlich noch schlimmer ausgefallen.

          Eltern hatten schon die Polizei eingeschaltet

          Die Tat hatte sich schon vor Rodgers Manifest angebahnt. Wie der Vater des mutmaßlichen Täters, der Hollywood-Regisseur Peter Rodger („Die Tribute von Panem“), jetzt über einen Anwalt mitteilte, verständigte er schon vor einigen Wochen die Polizei, als er im Internet mehrere Videos entdeckte, in denen sein Sohn über Mord und Selbstmord sprach. Die Ermittler hatten den Studenten des Santa Barbara City College daraufhin am 30. April zu Hause besucht. „Sie ließen seine Eltern wissen, dass er ein ausgesprochen höflicher und wunderbarer Mensch sei“, sagte der Anwalt der Familie.

          Rodgers letztes Video unter dem Titel „Vergeltung“, das nach der Tat in der Nacht zum Samstag im Internet veröffentlicht wurde, vermittelt dagegen ein anderes Bild. „Morgen nehme ich Rache an der Menschheit“, kündigte der Student an. Er habe nie die Gelegenheit bekommen, ein Mädchen zu küssen oder Geschlechtsverkehr zu haben. „Ich wollte Liebe, Zuneigung und Bewunderung. Wenn ich euch Mädchen nicht haben kann, werde ich euch vernichten“, drohte Rodger. „Es wird mir viel Spaß bereiten, euch abzuschlachten.“

          Amerikanische Medien berichteten, Rodger sei stets sehr neidisch auf andere Jungen gewesen, die Freundinnen gefunden hätten. Seinen Frust darüber habe er auch in dem Internetforum „PuaHate.com“ kundgetan, auf der Männer sich über ihren Frauenhass austauschten, weil sie sich zurückgewiesen und sexuell abgelehnt fühlten. Die Website wurde zwischenzeitlich vom Netz genommen.

          Vater eines Opfers beschuldigt die NRA

          Richard Martinez, der Vater des getöteten 20 Jahre alten Studenten Christopher Martinez, machte am Wochenende die laxen Gesetze und die Waffenlobby National Rifle Association (NRA) für den Amoklauf verantwortlich. „Die feigen, verantwortungslosen Politiker und die NRA haben Chris auf dem Gewissen. Sie fordern großzügige Waffengesetze. Aber wo ist Chris’ Recht auf Leben geblieben?“, fragte Martinez bei einer kurzen, gefühlsbeladenen Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag.

          Die Tat des Attentäters, der wie der Amokläufer der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut angeblich unter dem Asperger-Syndrom litt, einer milden Form des Autismus, erinnerte die Bewohner von Isla Vista an das Jahr 2001. Damals hatte der 18 Jahre alte Student David Attias in der Küstenstadt vier Menschen getötet. Nach einem aufsehenerregenden Prozess war der Sohn des Fernsehregisseurs Daniel Attias („Miami Vice“) später wegen Mordes verurteilt und in eine Nervenklinik eingewiesen worden.

          Weitere Themen

          Wie weit gingen die Gaffer?

          Nach tödlichem Unfall auf A8 : Wie weit gingen die Gaffer?

          Nach einem Unfall auf der A8 sollen Schaulustige die Tür eines Krankenwagens geöffnet haben. Das Deutsche Rote Kreuz dementiert den Vorfall – und liefert eine Erklärung für das Missverständnis.

          Topmeldungen

          Muss den Skandal aufarbeiten: Herbert Diess, VW-Vorstandsvorsitzender und Audi-Aufsichtsratsvorsitzender, im Januar bei einer Automesse in Detroit.

          Diesel-Affäre : Vier ehemalige Audi-Manager in Amerika unter Anklage

          Sie waren in Deutschland Führungskräfte bei Audi, und in Amerika könnte ihnen nun Gefängnis drohen: Die Behörden dort verklagen vier Ex-Manager wegen ihrer Rolle im Dieselskandal. In Deutschland könnten sie sicher sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.