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Mohamed-Mörder Silvio S. : Ein unauffälliger Mensch

  • -Aktualisiert am

Ein Polizist sichert Spuren in der Wohnung von Silvio S., der in der oberen Etage seines Elternhauses im brandenburgischen Kaltenborn lebte. Bild: dpa

Silvio S. hat gestanden, zwei Kinder getötet zu haben: Mohamed und Elias. Nicht nur in seinem Heimatdorf ist man fassungslos.

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          Das Haus, in dem Mohamed gestorben sein soll, liegt kurz vor dem Ortsausgang von Niedergörsdorf-Kaltenborn auf der linken Seite. Der Putz der Doppelhaushälfte mit der Nummer 13 hat die Farbe von schmutzigem Sand, die Rolläden im Erdgeschoss sind heruntergelassen. In einem Fenster im ersten Stock leuchtet gelegentlich der Blitz einer Kamera auf. Vor der Einfahrt parken acht Polizeiautos. Ein Mann im weißen Ballonanzug der Spurensicherung verschwindet durch das Hoftor. Kurz darauf folgt ihm ein Polizist mit Wollmütze, der einen Belgischen Schäferhund an der Leine hält. Einen Leichenspürhund. Im Gras zwischen den Autos, neben einem Grablicht, liegt eine weiße Rose.

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist Freitagmittag. In Berlin werden gleich Polizei und Staatsanwaltschaft vor die Presse treten und darüber informieren, dass ein am Vortag festgenommener Zweiunddreißigjähriger gestanden habe, nicht nur den vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed, sondern auch den sechsjährigen Elias aus Potsdam entführt und getötet zu haben. Damit herrscht traurige Gewissheit über das Schicksal zweier vermisster Jungen, nach denen Sonderkommissionen in der Region wochenlang mit Hochdruck und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit gesucht hatten. Eben noch sah es so aus, als könnten die beiden Fälle unterschiedlicher nicht sein: hier der bosnische Junge, der erst seit einem Jahr in Berlin lebte, der am 1. Oktober im Chaos der örtlichen Anlaufstelle für Flüchtlinge verlorengegangen war und, wie Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten, an der Hand eines fremden Mannes das Gelände verlassen hatte. Dort der deutsche Erstklässler, der am Nachmittag des 8. Julis mitten in einem Wohngebiet am Stadtrand von Potsdam nur ein gutes Stündchen unbeaufsichtigt im Sandkasten direkt vor der eigenen Haustür gespielt hatte – und spurlos verschwunden war. Auf einmal ist klar: In beiden Fällen heißt der Täter Silvio S.

          Berlin : Mutmaßlicher Mörder von Mohamed gesteht auch Tötung von Elias

          Im Dorf herrscht ein offenes, nettes Miteinander

          Über Kaltenborn im Landkreis Teltow-Fläming liegt der Himmel wie eine graue schwere Decke. „Es ist schockierend“, sagt eine junge Hofbesitzerin, die erst kürzlich aus Berlin hierher gezogen ist, „man ist erschüttert.“ In einer Einfahrt zwei Häuser weiter steht eine Weißhaarige jenseits der Achtzig in Puschen und Pullover. Seit Jahrzehnten schon ist sie an diesem Ort zu Hause, plötzlich treten ihr Tränen in die Augen: „Weil ich alle kenne“, schnieft sie. Keine hundert Menschen leben in dem idyllischen Straßendorf, das zwischen Apfelbäumen und Stoppelfeldern liegt. Es gibt eine sehenswerte Kirche aus dem 13. Jahrhundert mit einer frisch restaurierten Orgel und einen schmucken neuen Brunnen unter der Dorflinde. Regelmäßig werden hier Feste gefeiert, zu denen die Frauen des Ortes Kuchen backen. Herbstfeuer, Osterfeuer, Brunnenfest: auch die Zugezogenen schätzen das offene, nette Miteinander.

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