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Gerichtsprozess in Köln : Totschlag ohne Leichnam

Das Land- und Amtsgericht Köln Bild: dpa

Auch wenn im Fall der verschwundenen Kim M. kein Leichnam gefunden wurde – die Indizien weisen darauf hin, dass die Frau gewaltsam ums Leben gekommen ist. Sollte ihr Ehemann sie umgebracht haben?

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          Zwölf Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags – das ist die Strafe, zu der das Landgericht Köln den 33 Jahre alten Jens Peter M. aus Kerpen bei Köln am Mittwoch verurteilte. Die fünfte Strafkammer entsprach damit der Forderung der Staatsanwaltschaft, die nach einem langwierigen Indizienprozess mit mehr als 120 Zeugen davon überzeugt war, dass M. seine Ehefrau Kim getötet hat. „Zusammenfassend kommt nur der Angeklagte als Täter infrage“, sagte am Mittwoch der Richter in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Leider müsse man das Verfahren „mit einem unbefriedigenden Ergebnis in der Sachaufklärung“ beenden, äußerte er vor allem mit Blick darauf, dass der Leichnam von Kim M. bis heute nicht gefunden wurde. Die Ungewissheit sei „eine außerordentliche Hypothek“ für die Angehörigen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Kim M. war am 12. März 2012 spurlos aus dem Haus verschwunden, das sie mit ihrem Mann und ihrer damals erst wenige Monate alten Tochter bewohnte. Jens Peter M. erzählte Freunden und Verwandten, seine Frau habe ihn verlassen. Die Polizei behandelte die Causa Kim M. zunächst als Vermisstenfall. Doch dann verdichteten sich für die Ermittler immer mehr die Hinweise darauf, dass die 23 Jahre alte Mutter Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte. Freunde und Verwandte zweifelten ohnehin an der Echtheit von Kurznachrichten, die Kim M. ihnen nach ihrem Verschwinden geschrieben haben soll. Tatsächlich fanden Polizisten dann ihre Handy-SIM-Karte im Auto von Jens Peter M. Auf der Kellertreppe ihres Hauses entdeckten die Ermittler zudem Blutspuren, die eindeutig Kim M. zugeordnet werden konnten.

          Ein notorischer Lügner

          Wie zuvor die Staatsanwaltschaft beschrieb auch der Vorsitzende Richter Jens Peter M. am Mittwoch als „notorischen Lügner, weil er laut Aussagen mehrerer Zeugen Krebserkrankungen und Geschäftsideen vortäuschte, um an Geld zu kommen. Für das Gericht spreche alles dafür, dass es zu einem Streit zwischen den Eheleuten kam, „als die verschiedenen Lügenkonstrukte aufgedeckt wurden“. Da es keinen Hinweis darauf gebe, dass Kim M. sich selbst getötet habe oder entführt worden sei, bestehe kein Zweifel daran, dass ihr Mann sie umgebracht habe. Wie genau er das tat, konnte in dem Prozess allerdings ebenfalls nicht geklärt werden. Jens Peter M., der in dem Prozess sonst geschwiegen hatte, beteuerte am Ende der Hauptverhandlung noch einmal seine Unschuld. Sein Verteidiger kündigte Revision an.

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