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Thailand : Japaner zeugt 15 Kinder mit Leihmüttern

Nach der Razzia: neun mutmaßliche Leihmutter-Babys und ihre Kindermädchen Bild: dpa

Ein 24 Jahre alter Japaner gibt der thailändischen Polizei Rätsel auf: Warum hat er mehr als ein Dutzend Kinder mit Leihmüttern gezeugt? Geht es um Missbrauch oder Menschenhandel? Oder wollte der Mann nur Steuern sparen?

          Für Japan ist es einer der mysteriösesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. In Thailand ermittelt die Polizei gegen einen 24 Jahre alten Mann aus Japan, der in dem südostasiatischen Land mindestens 15 Kinder mit Leihmüttern gezeugt haben soll. Der junge Mann wolle seine Vaterschaft jetzt mit einem DNA-Test beweisen, hieß es in Tokio. Sein Anwalt habe entsprechendes Material übergeben, bestätigte ein thailändischer Polizeisprecher. Die thailändische Polizei ermittelt gegen den Mann, weil sie nach dem Skandal um das von australischen Eltern bei seiner Leihmutter in Thailand zurückgelassene behinderte „Baby Gammy“ energischer gegen das Geschäft mit Leihmüttern vorgeht.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nach Hinweisen von Nachbarn entdeckten die Polizisten dabei in einer Wohnung in Bangkok neun Leihmutter-Babys mit Kindermädchen. Der Japaner soll diese und weitere Kinder gezeugt haben. Einige der Kinder soll er nach Kambodscha gebracht haben. Die Motive des Mannes sind nicht klar. Die Polizei ermittelt auch wegen des Verdachts, dass es um Menschenhandel und Kindesmissbrauch gehen könnte. Der Japaner, der Geschäftsmann in Hongkong sein soll, hatte Thailand vor einer Befragung durch die Polizei verlassen und soll zurück nach Japan gereist sein.

          Bislang sind Leihmütter-Geschäfte in Thailand nicht verboten. Dutzende Agenturen boten bislang solche Dienste an. Nach Schätzungen erfüllten sich 2000 Paare im Jahr den Kinderwunsch mit einer Leihmutter in Thailand. Die Agenturen haben ihre Websites inzwischen gelöscht. Der Japaner war besonders aufgefallen, weil er mindestens 15 Kinder gezeugt hat – und dafür bislang jede plausible Erklärung schuldig geblieben ist.

          10.000 Euro für Zwillinge

          Eine 29 Jahre alte Thailänderin, die dem Mann Zwillinge gebar, gab an, sie habe umgerechnet 10.000 Euro dafür erhalten. „Ich habe den japanischen Mann nur einmal getroffen, und wir haben kein Wort miteinander gewechselt“, sagte sie. Die Begründungen aus der Umgebung des Mannes für die vielen Kinder sind der Polizei ein Rätsel. So hieß es unter anderem auch, er habe sich wegen seines großen Vermögens Kinder gewünscht, um Steuern zu sparen. Die Kinder, die in einer Wohnung in Bangkok entdeckt wurden, waren gut versorgt, Kinderschwestern kümmerten sich um sie. Der Anwalt des Japaners sagte, sein Klient habe im Monat rund 4000 Euro für die Pflege der Kinder aufgebracht.

          Thailand will nach den jüngsten Vorkommnissen stärker gegen das Geschäft mit Leihmüttern vorgehen. Nach Angaben der Einwanderungsbehörde muss die Elternschaft mit Dokumenten nachgewiesen werden. Australien empfahl Landsleuten, die Vereinbarungen mit Leihmüttern in Thailand haben, vor der Ausreise Rücksprache mit Anwälten zu halten. Im Fall Gammy hatten die biologischen Eltern aus Australien ihren Sohn mit Down-Syndrom und einem Herzfehler Anfang des Jahres bei der thailändischen Leihmutter zurückgelassen. David und Wendy Farnell nahmen nur die gesunde Zwillingsschwester Pipah mit nach Australien. Die Leihmutter machte den Fall Ende Juli publik, weil sie kein Geld für Gammys Behandlung hatte.

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