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Fälscher über den neuen Fünfziger  : „Ja, klar, den könnte ich auch machen“

Bild: dpa

Der Künstler Hans-Jürgen Kuhl wurde einst bekannt, weil er Dollar-Blüten in Millionenwert druckte. Im Gespräch verrät er, warum er den neuen Fünfziger für rausgeschmissenes Geld hält.

          Herr Kuhl, ab diesem Dienstag gibt die Europäische Zentralbank die neuen 50-Euro-Scheine heraus. Sie sollen besonders fälschungssicher sein.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Rausgeschmissenes Geld. Jahrelang haben die da herumgetüftelt und sind jetzt auch noch stolz. Da kann ich nur lachen. Am liebsten würd’ ich sagen: Warum haben die mich nicht mal gefragt? Dann hätte ich ein paar Tipps gegeben.

          Gepriesen wird vor allem das neue, durchsichtige „Porträtfenster“. Könnten Sie das auch fälschen?

          Ja, klar. Dauert nur eine Woche länger als ohne Fensterchen. Der Fälscher müsste eine Stanze haben und dann eine Folie über das Loch kleben. Das wären zusätzliche Kosten, und die meisten Fälscher scheuen ja die Kosten. Man könnte es also auch so machen, dass man das mit Silber druckt und eine Art Folie drüberzieht. Da guckt eh kein Mensch drauf, auf dieses Dingens. Ist doch viel zu klein!

          Künstler, Modedesigner und verurteilter Geldfälscher: Hans-Jürgen Kuhl

          Und was ist mit dem Wasserzeichen?

          Das war nie ein Problem für die Fälscher. Die drucken das einfach auf die Rückseite drauf. Und wenn man es gegen das Licht hält, dann ist das o.k..

          Das Hologramm?

          Das war immer schon schwer. Das kann keiner perfekt machen. Aber so halbwegs haben das viele hinbekommen.

          Und „so halbwegs“, das reicht?

          Gerade beim Euro ist das Hologramm so klein, nicht mal einen Zentimeter, da muss ich doch eine Lupe dabeihaben, um das zu sehen. Ein bisschen Silber-Iriodin-Farbe drauf, dann reicht das für den Normalverbraucher, auch wenn er genau draufguckt.

          Wie alle Euroscheine ist auch der neue Fünfziger aus Baumwollfasern.

          Das kann man kaufen.

          Im Laden, oder wo?

          Ich habe damals gar kein Baumwollpapier genommen. Ich bin extra nach Prag gefahren. Da hat eine Tonne 400 Euro gekostet. Wichtig ist, dass das Papier nicht leuchtet, wenn man es unter diese Prüfgeräte hält. Man kann aber auch reine Baumwollpapiere kaufen, wenn man ein bisschen sucht.

          Klingt ja gar nicht so schwierig, das Geldfälschen.

          Doch, doch. Die ganzen Schüler, Studenten und was auch immer für Leute, die das früher am Kopierer gemacht haben, die fallen jetzt weg. So schlechte, billige Dinger, die gehen nicht mehr.

          Sie waren Künstler und Modedesigner – bis Sie vor zehn Jahren Dollarscheine im Wert von mehreren Millionen fälschten. Warum keine Euro?

          Das wird Sie amüsieren: Das war meine moralische Sicht. Der Euro, der ist dann hier im Umlauf, irgendeiner geht damit ins Büdchen Zigaretten kaufen. Und das arme Mütterchen da bekommt keinen Ersatz. Meine Blüten sollten ja nach Albanien zu irgendwelchen Ganoven. Und die wollten das im Irak oder in Iran, das weiß ich heute gar nicht mehr, umtauschen. Da habe ich gedacht: Das geht von einem Ganoven zum anderen.

          Laut Polizei waren Ihre Blüten damals von „außerordentlicher Qualität“.

          Die CIA-Leute haben gesagt: Das sind die besten, die wir je hatten.

          Wie haben Sie das geschafft?

          Das braucht schon ein bisschen Phantasie. Der Dollar ist ja extrem erhaben gedruckt durch den Stahlstich. Man fühlt das auf der Oberfläche. Ich hatte die Idee, den Stahlstich mit sehr feinem, flachen Offsetdruck zu imitieren. Dann habe ich mit Siebdruck unsichtbaren UV-Lack daraufgemacht.

          Welche Maschinen hatten Sie zum Herstellen der Dollarblüten?

          Eine Heidelberger Offsetmaschine, eine große Siebdruckmaschine und ein paar andere. Das hat mich 200.000 Euro gekostet. Alles umsonst.

          Wie ist das Ganze aufgeflogen?

          Das Geschäft mit dem albanischen Abnehmer hat nicht geklappt. Deshalb habe ich die Dollar weggebunkert, verbrannt oder zur Mülldeponie gebracht. Und da hat man sie entdeckt. Man hat mich monatelang beschattet und gefilmt. Als sie gemerkt haben, dass ich gar nichts mache mit den Dollar, haben sie mir eine verdeckte Ermittlerin geschickt. Die hat mich vier Monate lang bequatscht, bis ich ihr was verkauft hab. Tja, und dann gab’s sechs Jahre.

          Von denen Sie vier im Gefängnis waren. Würde es Sie trotzdem reizen, den neuen Fünfziger nachzumachen?

          Der Reiz ist natürlich noch da. Und wenn ich höre, wie der jetzt präsentiert wird, dann denke ich: Was seid ihr für Idioten, Mann, Mann, Mann. Aber ich werd’ 75. Und mein Staatsanwalt hat gesagt: Hör’ mal Kuhl, das nächste Mal gibt’s lebenslänglich. Nee, nee, das ist vorbei.

          Und was wären Ihre Tipps an die europäischen Zentralbanker?

          Das ist alles viel zu klein. Abends oder in der Kneipe, da sehe ich das alles überhaupt nicht. Die Kanadier, die haben das richtig gemacht mit ihren neuen Scheinen. Moment, ich nehme gerade einmal einen in die Hand. Das Sichtfenster, das ist drei Zentimeter breit und geht über den ganzen Schein, da sehe ich meine Finger durch. Da brauche ich keine Lupe. Und für den Fälscher wäre das ein sehr großer Aufwand.

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