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Ehrenmord an Qandeel Baloch : Selfie mit dem Mufti

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Qandeel Baloch während einer Pressekonferenz wegen ihres Fotos mit einem muslimischen Geistlichen Bild: AP

Sie galt als einziges Facebook-Sternchen Pakistans und provozierte die Konservativen in ihrem Land. Nun ist Qandeel Baloch offenbar einem Ehrenmord zum Opfer gefallen.

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          Ihr letzter Skandal ist noch nicht lange her. Im Juni hatte Qandeel Baloch zuletzt empört und amüsiert, als sie Selfies von sich und einem religiösen Führer, Mufti Qavi, zeigte und behauptete, gemeinsam hätten sie während des Fastenmonats Ramadan Zigaretten geraucht und getrunken. Die Aufregung war programmiert, Baloch wusste das. Die 26 Jahre alte Frau hatte das Spiel mit den sozialen Medien verstanden und Spaß daran. Wegen ihrer Auftritte wurde sie auch „Pakistans Kim Kardashian“ genannt.

          Doch seit gestern ist klar: Das Selfie mit dem Mufti wird der letzte Scoop von Qandeel Baloch bleiben. Ihr Vater hat sie am Samstag erwürgt in ihrem Elternhaus gefunden. Wenig später hat die Polizei ihren Bruder festgenommen, der gestanden haben soll, die junge Frau getötet zu haben. Medienberichten zufolge gab er auch an, seiner Schwester eine Tablette gegeben zu haben. Dadurch sei sie bewusstlos geworden. Laut Polizei sagte er, seine Schwester habe Schande über die Familie gebracht. Er sei wegen ihr verspottet worden.

          Mit Facebook-Posts wie diesem hat Qandeel Baloch Bewunderung und Zorn auf sich gezogen.

          Qandeel Baloch hat eine Karriere hingelegt, wie sie im Westen nicht ungewöhnlich ist, für pakistanische Verhältnisse aber sehr wohl. Sie nahm an einer Casting-Show teil und wurde berühmt für ihre Videos und Äußerungen in den sozialen Netzwerken. Baloch, die sich selbst Sängerin, Schauspielerin und Model nannte, hat viele Aspekte ihres Privatlebens freizügig vermarktet. Im muslimisch-konservativen Pakistan hat sie polarisiert - und inspiriert. Einige ihrer Videos wurden millionenfach angeschaut. Sie zeigte sich unter anderem im Schwimmbad oder im Fitnessstudio. Für ihr Profilbild auf Facebook liegt sie auf einem Sport-Motorrad. Nach westlichen Standards waren es zurückhaltende Bilder.

          Baloch testete die Grenzen aus. Einmal kündigte sie an, vor der Kamera zu strippen, falls Pakistan ein wichtiges Cricket-Spiel gegen Indien gewinnen würde. Pakistan verlor, und selbst konservative Landsmänner von Baloch dürfte das nicht nur aus sportlicher Sicht geärgert haben. Doch das Facebook-Starlet äußerte sich auch politisch. Sie versuche, das typische Denken der Orthodoxen zu ändern. Jenen Pakistanern, die ihren falschen Glauben und ihre alten Praktiken nicht aufgeben wollten.

          Dass sie sich mit ihrem Lebensstil in große Gefahr brachte, war ihr offenbar bewusst. Ihre Familie, aber auch konservative Pakistaner, hatten ihr gedroht und ein Ende des „ehrlosen Benehmens“ gefordert. Vor einigen Wochen hatte Baloch um Polizeischutz gebeten, aber keinen bekommen. In Pakistan sind im Jahr 2015 mehr als 1000 Frauen für angeblich ehrenrühriges Benehmen getötet worden. Auf Ihrer Facebook-Seite forderte Baloch erst vor kurzem alle Frauen auf, für ihre Rechte einzutreten. „Als Frauen müssen wir für Gerechtigkeit aufstehen“, schrieb sie. Sie selbst kann das nun nicht mehr tun.

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