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Duisburger Mafiamorde : Haftbefehl gegen möglichen Drahtzieher

  • Aktualisiert am

10.000 Euro Belohnung für Hinweise auf Giovanni Strangio Bild: AP

Im Falle der Duisburger Mafiamorde hat die Polizei Haftbefehl gegen den Italiener Giovanni Strangio erlassen. Er hatte sich polizeilichen Erkenntnissen zufolge seit dem 8. August in Deutschland aufgehalten. Für Hinweise zu seiner Ergreifung ist eine Belohung ausgesetzt.

          Die Polizei hat einen möglichen Drahtzieher der Mafiamorde von Duisburg im Visier. Der Italiener Giovanni Strangio stehe im Verdacht, die Tat mitgeplant zu haben, teilte die Polizei Duisburg am Freitag mit. Wie der 28-Jährige genau in den Anschlag verwickelt gewesen sei und ob er einer der beiden gesuchten Schützen sei, ist nach Angaben eines Sprechers noch unklar. Der Mann, der im rheinischen Kaarst gemeldet ist, wird nun mit einem Haftbefehl wegen Mordes gesucht.

          Giovanni Strangio stammt aus der Nähe des kalabrischen Dorfes San Luca, der Hochburg der Mafia-Organisation 'NDrangheta. Er soll ein Verwandter von Maria Strangio sein, die im vergangenen Dezember in San Luca bei einer seit langem dauernden Fehde zweier Mafia-Familien getötet worden war. Sie war die Ehefrau eines mutmaßlichen Mafia-Clan-Chefs. Die Sechsfachmorde von Duisburg waren nach Polizeierkenntnissen ein Racheakt für den Mord an Maria Strangio.

          Mafia-Zelle in Duisburg

          Der Tatverdächtige sei bereits bei ihrer Beisetzung von der italienischen Polizei kontrolliert und festgenommen worden, weil er eine Schusswaffe mit sich geführt habe. Deswegen habe er bis Mitte des Jahres in Italien in Haft gesessen.

          In Duisburg hat sich nach Aussage des obersten Mafia-Jägers Italiens in den vergangenen Jahren eine Zelle der 'Ndrangheta gebildet. Der Clan habe wie in seinem Heimatort San Luca auch in Duisburg Mitglieder und Logistik, sagte Pietro Grasso, italienischer Oberstaatsanwalt zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, in einem Interview des WDR-Hörfunks. Es sei möglich, dass auch die gegnerische Seite ihre Basis und ihre Logistik in Duisburg habe. Nur so ließe sich der Ausbruch von offener Gewalt zwischen den beiden Clans außerhalb von San Luca erklären. Ein Indiz dafür sei auch das Zelebrieren von Aufnahmeriten außerhalb Italiens, wie dies im Restaurant „Da Bruno“ direkt vor dem Sechsfachmord geschehen war.

          Erste Hinweise

          In Duisburg arbeitet eine 120-köpfige Mordkommission an der Lösung des Falles. Sie hatte bei breit angelegten Durchsuchungen am vergangenen Freitag auch die Wohnung des Verdächtigen in Kaarst unter die Lupe genommen. Sie habe „wie fluchtartig verlassen“ gewirkt, hieß es. Die Polizei sucht neben Strangio nun auch ein von ihm gemietetes Auto, einen schwarzen Renault „Clio“ mit Hamburger Kennzeichen (HH - BM 7070).

          Strangio hatte sich den Erkenntnissen zufolge seit dem 8. August in Deutschland aufgehalten. Das Auto mietete er am 10. August, fünf Tage vor dem Blutbad. Die Staatsanwaltschaft Duisburg setzte für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat und zur Ergreifung Strangios führen, eine Belohnung von 10.000 Euro aus. Bis zum Abend seien bereits vereinzelte Hinweise auf den 28-Jährigen und das Auto eingegangen, berichtete die Polizei.

          Die italienische Polizei hatte am Donnerstag in San Luca 32 mutmaßliche Mafia-Mitglieder festgenommen, darunter auch einen Mann namens Giovanni Strangio - allerdings handele es sich dabei nur um einen zufälligen Namensvetter des in Deutschland gesuchten 28- Jährigen. Die Festgenommenen sollen in Zusammenhang mit der blutigen Familienfehde in dem Ort stehen, die bereits seit 16 Jahren zwischen den Familien Strangio-Nirta und Vottari-Pelle-Romeo tobt. Fast 20 Menschen wurde in ihrem Verlauf getötet.
          Bei der Bluttat in Duisburg waren in der Nacht zum 15. August vor dem italienischen Restaurant „Da Bruno“ sechs Italiener im Alter zwischen 16 und 38 Jahren erschossen worden. Fünf von ihnen stammten aus San Luca.

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