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Drohnen am Flughafen : Britisches Paar soll verantwortlich sein

  • Aktualisiert am

Spezialisten halten mit Spezialausrüstung Ausschau nach Drohnen auf den Dächern des Flughafens Gatwick. Bild: AP

Die britische Polizei hat zwei Verdächtige wegen der Drohnen-Angriffe auf Londons Flughafen Gatwick festgenommen. Das Pärchen im mittleren Alter wird derzeit verhört. Über die beiden werden Details bekannt.

          Auf den in den britischen Medien veröffentlichten Fotos lächeln sie. Darunter ist auch ein Selfie, dass das mittelalte Paar wohl im Urlaub zeigt. Paul G., 47 Jahre alt, und seine Partnerin Elaine K., sieben Jahre älter, gelten als verdächtig, den Londoner Flughafen Gatwick mit Drohnen lahmgelegt zu haben. Die Polizei in West Sussex verhaftete das Paar am späten Freitagabend in ihrem eigenen Haus nur unweit des Airports, noch werden sie verhört. Verblüffte Anwohner hatten gesehen, wie Polizisten hektisch in das in einer ruhigen Sackgasse gelegene Haus stiegen und mit den beiden wieder herauskamen.

          G. und K. kommen aus Gatwicks Nachbarort Crawley. Crawley, so schreibt es die „Daily Mail“, wurde zu einem „Schlachtfeld“ im Zuge des geplanten Ausbaus von Gatwicks Airport. Die mit mehr als 100.000 Einwohnern große Stadt in West Sussex liegt in der Flugschneise des Flughafens und könnte bald noch mehr unter dem Fluglärm leiden. Erst im Oktober hatte der Flughafen seine Pläne öffentlich gemacht, 500 Millionen Pfund in den Ausbau seiner Notlandebahn zu investieren und diese anschließend für den täglichen Gebrauch zu nutzen. Der Plan sieht vor, bis 2032 weitere 100.000 Flüge pro Jahr starten und landen zu lassen. Umweltschützer und zahlreiche Anwohner haben das Vorhaben schwer erzürnt. Sie befürchten, dass dies nur ein Trick sei, eine zweite und sogar dritte Start- und Landebahn zu installieren. Dies könnte die Flughafenkapazität dann um 20 bis 30 Prozent erhöhen.

          G. und K. würden darunter auch leiden. Und der Mann ist laut Beschreibungen von Freunden ein leidenschaftlicher Drohnenflieger, liebt außerdem ferngesteuerte Hubschrauber. Sein Chef bestätigte dem „Telegraph“, dass er sie in der Vergangenheit benutzt habe, gab ihm aber gleichwohl eine Art Alibi. Der Fenstermonteur soll zur Zeit der Drohnenflüge im gesperrten Bereich des Airports gearbeitet haben. Allerdings konnte sein Chef dies nicht bestätigen, sagte nur, dass G. in der Regel um 7:45 Uhr ins Geschäft komme, an den Tagen des Drohnenangriffs allerdings außerhalb arbeitete. Nachbarn beschrieben ihn als hart arbeitenden, zweifachen Vater. Demnach sei er absolut zuverlässig.

          Zeuge will Verdächtigen mit Drohne gesehen haben

          Ein anderer Zeuge, der 52 Jahre alte Manager beim Energieunternehmen EDF Energy, Paul Motts, erzählte der „Sun“, dass er einen Mitdreißiger auf einer Landstraße vier Meilen von der Startbahn am Donnerstagabend gesehen habe. „Ich lieferte ein Paket aus und fuhr an einem verdächtigen Mann in fluoreszierender Fahrradausrüstung vorbei, während er sich über eine große Drohne bückte, die komplett beleuchtet war“, sagte er. Neben dieser großen Drohne, ungefähr 1,20 Meter groß, habe er noch eine zweite, kleinere Drohne neben sich gehabt. Kurz danach habe er dann den Verdächtigen beobachtet, wie er dabei war, die Drohnen schnellstmöglich wieder zu verpacken. Es sei höchst seltsam gewesen, sagte Motts, vor allem mit dem Wissen, dass gerade etwas am Flughafen passiert sei.

          Die Ermittler hatten schnell radikale Umweltschützer und Anwohner im Verdacht, die mit der Aktion gegen den möglichen Ausbau des Flughafens protestieren wollen. Von einem terroristischen Hintergrund waren die Behörden bislang nicht ausgegangen. Eine Umweltgruppe aus der Region, die „Communities Against Gatwick Noise and Emissions“ (CAGNE), machte genauso gegen die Erweiterungspläne Gatwicks mobil wie die Zweigstelle der Kampagne zum Schutz des ländlichen Englands (CPRE) in Sussex. Sie hatte auf dem Land sogar den „Ausnahmezustand“ ausgerufen, um den Weiterbau zu stoppen. Schon zuvor hatten die Pläne des Flughafens zu heftigen Protesten von Anwohnern und Umweltschützern geführt. Mit der Lokalverwaltung wurde deshalb ein Vertrag abgeschlossen, der den Ausbau zumindest bis 2019 unterbinden soll. Gatwick ist noch der meistbenutzte Flughafen der Welt mit nur einer aktiven Start- und Landebahn. Ein zwölfwöchiger Aushandlungsprozess soll entscheiden, wie lange noch. Er endet im Januar.

          Ob G. und K. Teil dieser Protestgruppen sind, ist noch genauso unklar, wie der Verdacht, dass sie überhaupt etwas mit dem Vorwurf zu tun haben. „Unsere Ermittlungen gehen weiter“, sagte Kommissar James Collins von der Polizei der Grafschaft Sussex. Über das mögliche Motiv der Verdächtigen äußerten sich die Ermittler noch nicht. Wer Hinweise liefern könne, sollte sich direkt an die Polizei wenden, hieß es. Sollte das Ehepaar den Flughafen tatsächlich bewusst lahmgelegt haben, droht ihnen allerdings ein schweres Nachspiel. Mehrere Abgeordnete und Minister forderten bereits am Donnerstag strengere Regelungen für die Zulassung unbemannter Flugobjekte. Verletzt man damit die Ein-Kilometer-Bannmeile rund um Flughäfen, drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

          In den vergangenen Tagen waren rund 40 Mal Drohnen über dem Flughafen gesichtet worden. Insgesamt waren seit Mittwochabend etwa 1000 Flüge ausgefallen oder umgeleitet worden. Betroffen davon waren einem Flughafensprecher zufolge circa 140.000 Passagiere – ausgerechnet kurz vor den Weihnachtsferien. Am Samstag wurde der reguläre Betrieb wieder aufgenommen. Es sollten 757 Flüge abgefertigt werden. Laut der Website des Airports wurden aber weitere Flüge annulliert. Darunter ein Easy-Jet-Flug von Mailand nach London sowie ein Tui-Flug von Bridgetown, Barbados, in die britische Hauptstadt.

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