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Drogenkartell : Schlacht um „El Chapos“ Sohn

Bei den Kämpfen zwischen der Armee und Kartellmitgliedern wurden auch zahlreiche Fahrzeuge angezündet. Bild: Reuters

Nach der Festnahme eines Kartellbosses spielen sich in der mexikanischen Stadt Culiacán Szenen wie im Krieg ab – und die Armee lässt den Verbrecher wieder frei.

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          Dramatische Szenen haben sich am Donnerstag in der mexikanischen Stadt Culiacán im Bundesstaat Sinaloa abgespielt. Eine Konfrontation zwischen Mitgliedern des Sinaloa-Kartells und Sicherheitskräften verwandelte die Stadt in einen Kriegsschauplatz. Auf Videos in den sozialen Netzwerken waren schwer bewaffnete Kartellmitglieder zu sehen, die die Bevölkerung terrorisierten. Einwohner der Stadt flohen in Panik vor den Gangstern, die teilweise ziellos um sich schossen.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Alles begann mit einer routinemäßigen Patrouille einer Einheit von rund dreißig Soldaten der Nationalgarde und der Armee. Laut der Schilderung des mexikanischen Verteidigungsministers Alfonso Durazo gerieten die Soldaten unter Beschuss. Es gelang ihnen in der Folge, das Haus, aus dem die Schüsse kamen, unter Kontrolle zu bringen und vier Männer festzunehmen. Bei einem dieser Männer handelte es sich um Ovidio Guzmán, den Sohn des berüchtigten Kartellbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán, der in den Vereinigten Staaten eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Ovidio Guzmán soll heute einer der Köpfe des Sinaloa-Kartells sein.

          Die Reaktion des Kartells auf die offenbar nicht geplante Aktion der Armee war heftig. Laut den Aussagen eines früheren Regierungsmitarbeiters mit privilegierten Informationen sollen die Kartellmitglieder mehrere Soldaten als Geiseln genommen und mindestens zwei Videos an das lokale Militärkommando gesandt haben, auf denen unter anderem die Exekution eines Soldaten zu sehen war. Ovidio Guzmán wurde daraufhin offenbar wieder freigelassen. Die Anweisung soll von höchster Regierungsebene gekommen sein. Der Verteidigungsminister sprach lediglich von einem „Abbruch der Operation“, um die Bevölkerung er Stadt zu schützen. Ein Anwalt der Familie Guzmán bestätigte, dass Ovidio wieder aufgetaucht sei. „Er ist frei“, sagte er in einem Fernsehinterview.

          Schwer bewaffnet: Kartellmitglieder in Culiacán

          Culiacán gilt als eine der Hochburgen des Sinaloa-Kartells und ist einiges gewohnt. Was sich am Donnerstag abspielte, war jedoch auch für die dortigen Verhältnisse außergewöhnlich. Die Stadt war am Donnerstag wie ausgestorben, Geschäfte und Restaurants blieben geschlossen. Die Bevölkerung blieb aus Angst in ihren Wohnhäusern. Der Betrieb des Flughafens wurde eingestellt und ein Spiel der mexikanischen Fußball-Liga abgesagt. Von offizieller Seite wurde zudem ein Gefängnisausbruch bestätigt, bei dem rund zwanzig Häftlinge entkamen. Die Schulen in Culiacán sowie verschiedene staatliche Amtsstellen blieben auch am Freitag geschlossen.

          Die unvorbereitete Aktion und die anschließende Freilassung von Ovidio Guzmán, die einer Kapitulation gleichkommt, wird von Sicherheitsexperten als ein Desaster für die Regierung eingestuft. Die Ereignisse zeigen nicht nur, dass die Kartelle bereit sind, die Konfrontation mit den Sicherheitskräften aufzunehmen, sondern ihnen offenbar auch überlegen sind. Und es war nicht der erste blutige Tag in dieser Woche in Mexiko. Bereits am Montag waren im Bundesstaat Michoacán 13 Polizisten von mutmaßlichen Mitgliedern des berüchtigten Jalisco-Kartells ermordet worden. Tags darauf wurden im Bundesstaat Guerrero ein Soldat sowie 14 mutmaßliche Kartellmitglieder bei einer Schießerei getötet.

          Verteidigungsminister Durazo hatte Anfang der Woche noch von einem „Wendepunkt“ gesprochen, da die neusten Gewaltstatistiken zwar keinen Rückgang, doch einen weniger raschen Anstieg der Mordrate zeigten als im Vorjahr. Sie bewegt sich weiterhin auf einem rekordhohem Niveau. Die Regierung von Präsident Andrés Manuel López Obrador, die versprochen hat, die Gewaltrate zu senken und der Korruption den Kampf anzusagen, steht zusehends unter Druck. López Obrador kann nach fast einem Jahr im Amt in der Gewaltbekämpfung keine Resultate vorweisen.

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