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Mehr Gewalt unter Kriminellen : Drogenhandel von Corona kaum betroffen

  • Aktualisiert am

Der Drogenhandel geht weiter: Razzia in Berlin im Mai Bild: dpa

Der Drogenschmuggel in der EU ist trotz der Reisebeschränkungen nicht zum Erliegen gekommen. Die Unsicherheit durch die Krise scheint allerdings dazu geführt zu haben, dass die Gewalt unter Kriminellen zugenommen hat.

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          Auf dem illegalen Rauschgiftmarkt in Europa hat die Corona-Pandemie regional zu Knappheit und höheren Preisen geführt. Der Schmuggel großer Mengen von Drogen in die EU sowie zwischen einzelnen Mitgliedstaaten ist trotz der vielfältigen Reise- und Ausgangsbeschränkungen aber nicht zum Erliegen gekommen. Das geht aus einer Analyse hervor, die Europol gemeinsam mit der europäischen Drogenbeobachtungsstelle EMCDDA veröffentlicht hat. „Die Pandemie hat einen großen Einfluss auf unser Leben und bremst unsere Wirtschaft aus. Diese Entwicklung hat sich beim internationalen Drogenschmuggel jedoch nicht gezeigt“, sagt Europol-Chefin Catherine De Bolle. „Diese illegalen Märkte generieren weiterhin enorme Gewinne, auch während der Pandemie.“

          Die Unsicherheit durch die Krise scheint allerdings dazu geführt zu haben, so die Analyse, dass die Gewalt unter Kriminellen, insbesondere auf der Ebene von Zwischenhändlern und Dealern, zugenommen hat. So sei etwa in Schweden die Zahl von Schießereien und Bombenanschlägen im Zusammenhang mit Rauschgiftgeschäften in den ersten vier Monaten des Jahres angestiegen.

          Gerade was den Verkauf an Endkunden betrifft, haben sich die organisierten Verbrechergruppen der aktuellen Ausnahmesituation angepasst. Plattformen im Darknet sowie die Kommunikation über Social Media und verschlüsselte Kanäle seien wichtiger geworden, heißt es. Der persönliche Kontakt und Bargeld als Zahlungsmittel scheinen an Bedeutung verloren zu haben. Entwicklungen, die nach Einschätzung der Experten auch langfristig Bestand haben könnten.

          Der Import von Rauschgift nach Europa, etwa von Kokain aus Südamerika oder Heroin aus Afghanistan und Südostasien, geht laut dem Bericht unvermindert weiter. Große Beschlagnahmungen von Kokain deuteten sogar darauf hin, dass der Schmuggel nach Rekorden in den vergangenen Jahren und trotz Corona noch weiter zunehme. Der Anbau von Cannabis innerhalb Europas sowie die Herstellung von synthetischen Drogen in Belgien und den Niederlanden seien von der Krise kaum betroffen. Dass die Rauschgiftpreise regional dennoch angestiegen seien, schreiben die Experten, hänge vor allem mit den Schwierigkeiten zusammen, die Corona-Beschränkungen bei der Verteilung innerhalb Europas und beim Verkauf an Endkunden verursachten. Bei Marihuana sei es zudem zu Hamsterkäufen gekommen.

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