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Dresdner Museumsdirektor : Verluste nach Einbruch immer noch unklar

  • Aktualisiert am

Einsatzkräfte der Polizei stehen im Bärengarten des Residenzschloss vor dem Eingang zum Grünen Gewölbe. Bild: dpa

Das genaue Ausmaß des Verlustes nach dem Einbruch in das Dresdner Residenzschloss steht weiterhin nicht fest. Noch arbeitet die Spurensicherung am Tatort. In den Vitrinen befanden sich knapp 100 Objekte.

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          Einen Tag nach dem spektakulären Raub wesentlicher Stücke dreier Juwelen-Garnituren aus dem Grünen Gewölbe in Dresden fahndet die Polizei weiter nach den Tätern. Die Vermutung, dass der nach der Tat in einer Tiefgarage ausgebrannt aufgefundene Audi A6 das Tatfahrzeug sei, habe sich bestätigt, teilte die Polizei mit. In dem Wrack seien Spuren vom Tatort entdeckt worden. Auch der Brand eines Stromverteilerkastens, der die Straßenbeleuchtung kappte, stehe sehr wahrscheinlich mit dem Einbruch in Zusammenhang, sagte am Dienstag ein Kriminalpolizist. „Insgesamt sprechen die Umstände für eine zielgerichtete und vorbereitete Tat.“ 

          Die Täter konnten während des nur wenige Minuten dauernden Einbruchs offenbar nicht alle Objekte aus den zuvor mit einer Axt zerstörten Vitrinen mitnehmen. Laut Polizei sind bisher knapp 100 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, ein Hinweisportal im Internet wurde aktiviert. Die Staatlichen Kunstsammlungen kündigten an, die Sammlungen im Residenzschloss von diesem Mittwoch an wieder zu öffnen. Das Historische Grüne Gewölbe jedoch bleibe „auf unbestimmte Zeit“ geschlossen.

          Unterdessen setzte die Spurensicherung ihre Arbeit fort. Deshalb ist es den Staatlichen Kunstsammlungen bisher nicht möglich zu sagen, wie viele Stücke der insgesamt rund 100 Teile umfassenden drei Garnituren fehlen. Trotz der Polizeifotos von der geplünderten Vitrine sei nicht gesichert, welche Stücke fehlen. Immerhin sei die Vitrine nicht vollständig leergeräumt worden, sagte der Direktor des Schatzkammermuseums, Dirk Syndram, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Ich habe ein Foto gesehen, das zeigt, dass nicht alles fehlt.“

          Klar sei aber, dass viel mehr als die zehn Teile der Brillant- und Diamantgarnituren fehlen. Er vermute, „die Große Brillantschleife ist nicht mehr in Dresden“. Syndram geht davon aus, dass Profis am Werk waren, aber: „Es sieht eher so aus, dass sie reingegangen sind und so schnell gegriffen haben, was sie konnten. Da ging es wohl eher um das Glitzern als um den Sammler mit speziellem Interesse.“

          Zwei Unbekannte waren am Montagmorgen in das streng gesicherte Museum eingedrungen und hatten zahlreiche Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Nach Angaben der Ermittler stiegen sie über eines der vergitterten Fenster ins Residenzschloss ein und gingen dann gezielt ins Juwelenzimmer. Auf einem von der Polizei veröffentlichten Überwachungsvideo sind zwei Einbrecher zu sehen, die mit Taschenlampen den dunklen Raum betreten und mit einer Axt auf die Vitrine einschlagen.

          Das Historische Grüne Gewölbe wurde 1945 teilweise zerstört und bis 2006 authentisch wiederhergestellt. Höhepunkt des Museumsbestands ist das Juwelenzimmer mit vier Hightech-Vitrinen, in denen bisher Diamanten und Brillanten auf dunkelblauer indischer Rohseide lagen.

          Sind Kunstschätze ausreichend gesichert?

          Neben der Spurensuche am Tatort muss auch geklärt werden, wie ein solcher Coup trotz der Sicherheitsmaßnahmen gelingen konnte. Die Deutsche Burgenvereinigung warnt nun vor einer unzureichenden Sicherung von Kunstschätzen. In vielen Museen seien wichtige historische Artefakte nur ungenügend gesichert, teilte die Vereinigung mit Sitz auf der Marksburg in Braubach in Rheinland-Pfalz am Dienstag mit.

          „Bestimmt ist in Dresden im Bewusstsein der Bedeutung der Exponate alles für deren Sicherheit getan worden. Trotzdem haben aber Verbrecher einen Weg gefunden, sämtliche Sicherheitsvorkehrungen auszuschalten beziehungsweise zu umgehen“, hieß es. Man rufe deshalb alle Verantwortlichen dazu auf, die Sicherheit wichtiger kulturhistorischer Zeugnisse zu gewährleisten.

          Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, wies hingegen darauf hin, dass Museen in Deutschland im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit steckten. „Museen sind öffentliche Institutionen, wir wollen öffentliche Häuser sein, die natürlich Besucherinnen und Besucher ansprechen möchten“, sagte er der dpa in Berlin. „Wir sind eben kein Banksafe. Und das bringt ein gewisses Risiko mit sich.“

          Zudem gibt es laut Köhne „eine spezielle Art von Kriminalität mittlerweile, die einem wirklich Sorgen macht.“ Es sei üblich, das Sicherungspersonal nicht selbst eingreift. „Die Täter gehen manchmal auch mit großer Brutalität vor.“ Das Gewaltpotenzial sei sehr hoch, „und die Wachleute sind ja keine ausgebildeten Einzelkämpfer. (...) Da sind ja keine Trickdiebe unterwegs, sondern da wird mit roher Gewalt vorgegangen.“

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