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Dresdner Grünes Gewölbe : Ein unermesslicher Verlust

  • -Aktualisiert am

Bild: EPA

Durch ein Fenster drangen die Einbrecher in das Dresdner Residenzschloss ein. Dort lagert Sachsens Staatsschatz, von dem die Täter einige wertvolle Teile erbeuteten. Ein Video zeigt die Tat.

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          Die Sophienstraße, die am Dresdner Schloss und der Semperoper vorbeiführt, ist übersät mit kleinen gelben numerierten Plastikschildern. Dazwischen gehen Mitarbeiter der Spurensicherung in weißen Schutzanzügen und mit Mundschutz umher, beugen sich immer wieder hinunter, fotografieren. Jedes noch so kleine Detail ist wichtig an diesem Montagmittag, der für Dresden mit einer schockierenden Nachricht begann: Einbruch im Grünen Gewölbe!

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Schatzkammer der Sachsen-Könige, vor 300 Jahren von August dem Starken eingerichtet mit vielen Kostbarkeiten, ist heute ein Besuchermagnet. Die Ermittler suchen hinter Sichtschutzplanen an der Westseite des Schlosses, aus der ein Eckturm mit dem Pretiosensaal im Erdgeschoss als einer von zehn Räumen des Grünen Gewölbes herausragt. Mächtige kunstgeschmiedete Eisengitter sind vor die Fenster aus Sicherheitsglas geschraubt. Ihnen konnte nicht mal der Bombenangriff im Februar 1945 etwas anhaben. Doch jetzt sei eines dieser Gitter abgesägt, einfach durchtrennt, die feste Scheibe dahinter eingeschlagen worden, berichtet die Kriminalpolizei am Nachmittag auf einer Pressekonferenz im Schloss.

          Draußen diskutieren Touristen und Dresdner, was wohl hinter den festungsartigen Mauern vor sich gehen mag. Sie warten vor den hohen Eisentoren vergeblich auf Einlass. Er sei seit Sonntag in der Stadt, sagt ein älterer Mann, der wissen will, was passiert ist. Er habe Tickets, um das Grüne Gewölbe zu besichtigen. Doch daraus wird nun erst einmal nichts. „Aus organisatorischen Gründen bleibt das Residenzschloss heute geschlossen“, steht auf den Infotafeln.

          Fahndung bisher erfolglos

          Drinnen rekonstruiert die Polizei minutiös den Tathergang. „Dieser Einbruchdiebstahl ist etwas ganz Besonderes“, eröffnet Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa beinahe feierlich die Pressekonferenz, um dann der Öffentlichkeit die Fakten mitzuteilen. Um 4.59 Uhr habe der Sicherheitsdienst des Schlosses auf den Überwachungskameras Einbrecher bemerkt und die Polizei über den Notruf informiert, um 5.04 Uhr sei der erste Streifenwagen am Tatort eingetroffen, um 5.05 Uhr habe es einen ersten Hinweis auf ein Fluchtfahrzeug gegeben, um 5.09 Uhr seien 16 Funkstreifenwagen im Stadtgebiet zur Fahndung ausgeschwärmt. Eine Minute zuvor sei bereits die Kriminalpolizei am Tatort eingetroffen und habe sofort weitere Kräfte angefordert. Um 5.22 Uhr sei die Bundespolizei einbezogen worden, um die Grenzen zu beobachten, auch die Nachbarbundesländer seien informiert worden. Seit sieben Uhr arbeite die Spurensicherung. „Aber kein Fahndungserfolg bisher“, sagt Kubiessa.

          Dann ist der Kripo-Chef dran. Die Überwachungsvideos würden zwar noch ausgewertet, aber man gehe von zwei Tätern aus, sagt er. Sie seien durch das eingeschlagene Fenster ins Juwelenzimmer gestiegen, zielgerichtet auf eine Vitrine zugestürmt, hätten dort mit einer Axt das Sicherheitsglas zertrümmert, die Beute eingesackt, auf dem gleichen Weg das Schloss verlassen und seien dann in einem Audi A6 davongefahren. Wenig später wurde ein baugleiches Fahrzeug in einer Tiefgarage im Dresdner Stadtgebiet in Brand gesetzt. Ob es das Täterfahrzeug ist, wird noch ermittelt. Ein weiteres Vorkommnis steht mit der Tat offenbar in Zusammenhang. So brannte etwa 50 Meter vom Schloss entfernt ein Elektro-Verteilerkasten, woraufhin die Straßenbeleuchtung ausfiel. Der Brandgeruch liegt auch Stunden später noch in der Luft. Zum Zeitpunkt des Einbruchs habe vollkommene Dunkelheit geherrscht, sagt der Kripo-Mann.

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