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Dresdner Grünes Gewölbe : Ein unermesslicher Verlust

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„Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie schockiert ich bin von der Brutalität dieses Einbruchs“, sagt Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen. Aber sie widerspricht Gerüchten, wonach das Historische Gewölbe leer geräumt und ein Milliardenschaden entstanden sei. Gleichwohl sei der Verlust unermesslich: Drei der zehn Juwelengarnituren, die August der Starke einst im Wettbewerb um den Titel des glanzvollsten Herrschers mit Frankreichs König Ludwig XIV. siegreich einsetzte, sind betroffen: Degen, Orden, Broschen, Knöpfe und Colliers, darunter Teile der zusammen fast 80 Stücke umfassenden Brillant- und Diamantrauten-Garnituren sowie der zwanzigteilige Diamantschmuck und die Perlen der Königin.

„Das ist der Staatsschatz des 18. Jahrhunderts“, sagt Ackermann. Der Materialwert sei „gar nicht so hoch“, erklärt sie, ohne Zahlen zu nennen. Aber die kunsthistorische Bedeutung sei unermesslich, da die Garnituren als Ensemble überliefert sind. 300 Jahre sind sie zusammengeblieben, haben Kriege, einen Transport in die Sowjetunion und die Rückkehr in die DDR unbeschadet überstanden. Und jetzt das.

Auf dem europäischen Kunstmarkt sind die Stücke ob ihrer Bekanntheit praktisch unverkäuflich, erklären Fachleute. Ackermanns Sorge ist, dass sie irgendwo in einer Privatsammlung verschwinden oder gar einzeln in aller Welt verkauft werden könnten. Die Polizei hat eine Sonderkommission mit dem Namen „Epaulette“ und 20 Ermittlern gebildet. Geprüft würden auch Bezüge zu dem nicht minder spektakulären Kunstraub im Berliner Bode-Museum, wo Einbrecher vor zwei Jahren eine hundert Kilogramm schwere Goldmünze stahlen.

In Sachsen ist der Bruch gleichwohl eine Staatsaffäre. Die Kunstministerin spricht von einem „großen kulturpolitischen Schaden“, wenn es nicht gelinge, die Juwelen zurückzubekommen. „Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern die Sachsen insgesamt“, erklärt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei einer Begehung des Tatorts. „Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, wurden von den Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet.“ Man könne die Geschichte Sachsens ohne das Grüne Gewölbe und die Kunstsammlungen nicht verstehen. Eines der wertvollsten Stücke der Sammlung allerdings befand sich in der Nacht des Raubs in New York. Der Grüne Diamant mit einem Stein von 42Karat ist der Höhepunkt einer Ausstellung im Metropolitan Museum of Art. In Dresden gab es am Montagabend noch eine gute Nachricht. Marion Ackermann sagte dem rbb: „Wir wissen seit ein paar Minuten, dass nicht alles von den drei Diamant-Ensembles mitgenommen worden ist. Eine ganze Menge ist noch da.“

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