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Dresden : Betrunkener Amerikaner zeigt Hitlergruß und wird verprügelt

  • Aktualisiert am

Blick auf Dresden (Archivbild) Bild: dpa

In der Dresdner Neustadt hat ein Mann einen betrunkenen Amerikaner attackiert, der wiederholt den Hitlergruß gezeigt hatte. Tourist und Angreifer müssen mit Strafen rechnen.

          Ein betrunkener Tourist aus den Vereinigten Staaten hat am Samstagvormittag in der Dresdner Neustadt mehrfach den Hitlergruß gezeigt und ist daraufhin von einem Mann attackiert worden. Wie die Polizeidirektion Dresden am Sonntag bekanntgab, schlug der Angreifer auf den 41 Jahre alten Amerikaner ein und verletzte ihn leicht. Danach entfernte sich der Angreifer vom Geschehen in der Dresdner Neustadt, einem linken Szeneviertel. Gegen den bislang noch Unbekannten läuft ein Verfahren wegen Körperverletzung .

          Ein Test ergab einen Wert von 2,76 Promille Atemalkohol bei dem Amerikaner. Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Der entsprechende Paragraph stellt das Zeigen des Hitlergrußes in Deutschland unter Strafe.

          Vermutlich droht eine Geldstrafe

          Erst vor knapp zwei Wochen hatte die Berliner Polizei zwei chinesische Touristen festgenommen, die vor dem Reichstagsgebäude den Hitlergruß gezeigt und sich dabei gegenseitig fotografiert hatten. Eine zufällig vorbeifahrende Streife nahm die 36 und 49 Jahre alten Männer mit aufs Revier. Weil die beiden auf einer Rundreise waren und deshalb nicht bis zum Ende des Verfahrens in Berlin gewesen wären, durften sie gegen eine Sicherheitszahlung von 500 Euro weiterreisen.

          Die „Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet. „Das gilt natürlich für Deutsche wie Touristen gleichermaßen“, erklärt eine Sprecherin der Polizei Berlin. Meist jedoch wird bloß eine Geldstrafe verhängt. Haben Touristen zuvor eine Sicherheitszahlung geleistet, wird diese auf die Strafe angerechnet.

          „Urlauber sollten sich vor ihrer Reise informieren“

          Wie häufig in Deutschland der Hitlergruß gezeigt wird, geht aus der polizeilichen Statistik nicht hervor; neben dem Hitlergruß fallen verschiedene andere Straftaten wie zum Beispiel das Schmieren von Hakenkreuzen oder das Tragen einer SS-Uniform unter den Tatbestand der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Auch unterscheidet die Statistik nicht zwischen Touristen und Deutschen. Besonders häufig komme dies aber nicht vor, heißt es bei der Berliner Polizei. Auch hinsichtlich der Motive gibt es keine Zahlen. Es ist also nicht bekannt, wie viele der Täter von dem Verbot nichts wussten und den Hitlergruß für ein lustiges Fotomotiv hielten und wie viele eine rechtsextreme Gesinnung haben.

          „Prinzipiell gilt natürlich, dass jeder, der in ein anderes Land reist, sich über die dortigen Gesetze informieren sollte“, heißt es bei der Berliner Polizei. Wie immer gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Bei den Reisehinweisen für Deutschland weist das amerikanische Büro für konsularische Angelegenheiten unter dem Punkt „Lokale Gesetze“ daraufhin, dass es „illegal ist, Literatur, Musik, oder sonstige Gegenstände, die Faschismus, die Nazi-Vergangenheit oder das dritte Reich glorifizieren, nach Deutschland ein- oder auszuführen.“

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