https://www.faz.net/-gum-x03b

Drei Jahre Haft für Wesley Snipes : „Ich bitte das Gericht um Gnade“

  • Aktualisiert am

Wiedersehen in drei Jahren: Wesley Snipes nach seiner Verurteilung Bild: AP

Alle Bittgesuche prominenter Freunde halfen nichts: Der amerikanische Schauspieler Wesley Snipes muss wegen Steuerbetrugs drei Jahre hinter Gitter. Der Richter statuierte damit ein Exempel für weitere Steuerrebellen. Snipes ist bekannt geworden durch die Actionfilme „Blade“.

          3 Min.

          Kein „Happy End“ für Hollywoods Action-Star Wesley Snipes: Wegen Steuerbetrugs muss der 45-jährige Schauspieler für drei Jahre hinter Gitter. Das ist die höchst mögliche Strafe, die die Staatsanwaltschaft im amerikanischen Staat Florida gefordert hatte. Richter William Terrell Hodges kam am Donnerstag nach einem dramatischen Tag vor Gericht dem Antrag für eine harte Bestrafung nach. Es dürfte in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, „dass der reiche und berühmte Wesley Snipes davon kommen kann“, hatte die Anklage gedrängt. Vergeblich argumentierte die Verteidigung: „Wesley Snipes ist kein gefährlicher Mann, den man zum Schutz der Öffentlichkeit ins Gefängnis stecken muss.“

          Entschuldigung vor Gericht

          Mit den knallharten Männern, die Snipes in „Blade“, „Demolition Man“ oder „Drop Zone“ mimte, hatte der in Anzug und Krawatte gekleidete Schauspieler bei der Strafverkündung nichts gemein. Er entschuldigte sich vor Gericht für seine „Fehler und Irrtümer“. „Ich gebe zu, ich habe mich, meine Familie und die Gesellschaft im Stich gelassen“, sagte Snipes. „Ich bitte das Gericht um Gnade.“ Er beschrieb sich als „idealistischen, naiven, leidenschaftlichen und wahrheitssuchenden“ Künstler, der gute Absichten habe aber schlechten Ratschlägen gefolgt sei.

          Snipes mit Siegerpose
          Snipes mit Siegerpose : Bild: AP

          Es nütze auch nichts, dass Snipes' Anwälte dem Richter Briefe von prominenten Freunden des Stars vorlegten, darunter Bittgesuche von Denzel Washington und Woody Harrelson, die sich für den Kollegen stark machten. Am Ende zückte Snipes auch noch einen Scheck über fünf Millionen Dollar, um prompt einen Teil der Steuerschulden zu begleichen. Doch der Richter blieb hart.

          Rückzahlungen erschlichen

          Mit einer Anklage wegen Steuerbetrugs und der Suche nach Snipes per Haftbefehl hatte das Drama im Oktober 2006 seinen Lauf genommen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, von 1999 bis 2004 eine viel zu niedrige Einkommensteuer gezahlt zu haben. Zudem soll er sich 1996 und 1997 durch falsche Angaben fast zwölf Millionen Dollar (acht Millionen Euro) an Rückzahlungen erschlichen haben. Snipes sagte dazu, er sei falsch beraten worden.

          Eine Jury sprach den Afro-Amerikaner im Februar von den schwerwiegenderen Vorwürfen des Betrugs und der Verschwörung frei. Die zwölf Geschworenen befanden Snipes aber schuldig, drei Jahre lang keine Steuern bezahlt zu haben. „Ich fühle mich großartig, ein wenig durcheinander, aber gut“, freute sich Snipes vor zwei Monaten nach seinem Teilerfolg vor Gericht. Bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten hätten ihm bis zu 16 Jahre Haft gedroht.

          „Wir werden in Berufung gehen“

          Bei der Verkündung des Strafmaßes am Donnerstag habe Snipes habe keine Miene verzogen, berichteten Augenzeugen. Seine Frau, die koreanische Künstlerin Nikki Park, sei weinend zusammengebrochen. Das Paar ist seit 2003 verheiratet und hat vier kleine Kinder. Snipes' Anwälte zeigten sich kämpferisch. „Wir hatten mit einem Freispruch gerechnet“, sagte die Anwältin Linda Moreno der „New York Times“. „Wir werden in Berufung gehen“. Zunächst war unklar, wann Snipes die Haftstrafe antreten muss. Während des Prozesses befand sich der Schauspieler gegen Kaution auf freiem Fuß.

          Snipes' Glanzzeit als gefragter Action-Star und Topverdiener in Hollywood liegt schon Jahre zurück. Die dritte „Blade“-Folge mit dem Kampfsportler als Vampirjäger schaffte es 2004 noch ins Kino. Seither mischte Snipes bei Low-Budget-Thrillern mit, darunter „Hard Luck“ und „The Contractor“, die nur auf Video erschienen. Die erste Filmrolle nach der Schauspielschule übernahm er 1986 in dem Footballstreifen „American Wildcats“. In „King of New York“ mimte er einen Polizisten, in „New Jack City“ einen Drogendealer. Mit Spike Lee drehte er 1991 das Drama „Jungle Fever“, ein Jahr später glänzte er als Straßen- Basketballspieler in „Weiße Jungs bringen's nicht“.

          „Bester Schauspieler“ bei Filmfestspielen in Venedig

          Mit Hits wie „Blade“ und „Demolition Man“ avancierte er in den 90er Jahren zum Action-Star, ließ sich aber auch auf kleinere Produktionen ein. In der Komödie „Für Wong Foo, Dank für alles, Julie Newmar“ mimte er einen schrillen Transvestiten. Bei den 54. Filmfestspielen in Venedig 1997 wurde er für seine Darstellung in dem Drama „One Night Stand“ neben Nastassja Kinski als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der Film erzählt die Geschichte und die Folgen einer einmaligen Liebesnacht eines schwarz-weißen Paares in New York. Zuletzt stand er für den noch nicht erschienenen Horror- Film „Gallowwalker“ im afrikanischen Namibia vor der Kamera.

          Weitere Themen

          Frankreich droht der dritte Lockdown

          Corona-Liveblog : Frankreich droht der dritte Lockdown

          Proteste und Krawalle in den Niederlanden +++ Altötting vergibt erste digitale Corona-Impfkarte +++ Berliner Klinik wegen Mutante komplett unter Quarantäne +++ Bundesregierung kauft neues Antikörper-Medikament +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am vorigen Mittwoch in Washington

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.
          Verrammelt und verriegelt: Das Lamb & Flag in London (Symbolbild)

          Großbritannien : 10.000 Pubs und Restaurants schließen

          Großbritanniens Gastronomie ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während große Ketten sich frisches Kapital beschaffen, gehen die Kleinen unter.
          Mehr Unterstützung aus Washington: Amerikanische Forscher von Regeneron arbeiten am experimentellen Antikörper-Medikament.

          Antikörper-Medikament : Was auch bei Trumps Genesung half

          Ein amerikanisches Antikörper-Präparat erhält eine Notzulassung, 200.000 Dosen kauft die Bundesregierung. Deutsche Wissenschaftler vermissen Unterstützung bei ihrer Forschung – so würden Chancen verpasst, kritisieren sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.