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Mordplan gegen Lehrer : Eine Frage des individuellen Charakters

Vor Gericht: Drei Schüler sollen einen Mordanschlag auf ihren Lehrer geplant haben. Bild: dpa

Ein Lehrer sagt einem Schüler, er werde wohl das Abitur nicht bestehen. Zusammen mit zwei Freunden schmiedet der Jugendliche daraufhin ein Mordkomplott.

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          Er war kein guter Schüler, dieser S., aber die Hochschulreife wollte er unbedingt erreichen. Irgendwann musste ihm sein Lehrer sagen, wegen seiner vielen schlechten Noten werde er schon den Hauptschulabschluss kaum schaffen. Erst recht werde er mit seinem Vorhaben scheitern, das Abitur abzulegen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Doch das, was ihm Wolfgang W., Lehrer für Deutsch und Chemie an der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld, da sagte, wollte S. nicht einsehen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft schmiedete der damals 16 Jahre alte Hauptschüler mit einem Klassenkameraden und einem ehemaligen Schüler der Schule den Plan, W. zu töten. Von Dienstag an müssen sich die drei Jugendlichen vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts Dortmund verantworten. Die Vorwürfe: Mordversuch und Verabredung zu einem Verbrechen.

          S. bestreitet alles. Doch die beiden anderen Angeklagten haben weitgehend gestanden. Und auch die Nachrichten, die Ermittler auf den Handys des Trios fanden, scheinen den Haupttäter schwer zu belasten.

          Laut Anklage stiftete S. seine beiden Kumpel dazu an, den Lehrer in eine Falle zu locken und ihn dort mit Hämmern zu erschlagen. Also sprachen S. und ein anderer Jugendlicher den Pädagogen am frühen Nachmittag des 9. Mai am Lehrerparkplatz an. Ein Freund habe im nahen Garagenhof einen Kreislaufkollaps erlitten und brauche Hilfe.

          Misstrauen rette ihn vor Angriff

          Lehrer W. kam mit, hielt aber Sicherheitsabstand. Er war misstrauisch, weil es in der Vergangenheit schon oft Probleme mit S. gegeben hatte. Und weil der Hof schlecht einsehbar ist, achtete W. darauf, keinem der drei den Rücken zuzudrehen. Zum Angriff kam es nicht. W. rief einen Krankenwagen, stellte sich an die Straße und lotste die Rettungskräfte in den Hof. Dass er nur knapp einem Mordanschlag entgangen war, ahnte der Lehrer nicht. Erst einige Tage später flog das Komplott auf, weil eine Mutter W. beim Elternsprechtag informierte, S. habe versucht, ihren Sohn als Komplizen für einen neuen Versuch zu gewinnen.

          Als der türkische Vorname des mutmaßlichen Haupttäters bekannt wurde, begann in den sozialen Medien das übliche hässliche Unterstellungs- und Verschwörungstheoriespiel: Wieder werde etwas in Sachen Migrantenkriminalität vertuscht. Auch deshalb entschied sich Lehrer W., einen aufsehenerregenden und pädagogisch verantwortungsvollen Facebook-Post zu veröffentlichen. Er wisse, dass viele wegen des Vornamens des Hauptbeschuldigten dächten, dass es an der Gesamtschule ein Problem mit Migranten gebe. In vielen Beiträgen werde bereits gefordert, auch die Namen der beiden anderen Verdächtigen zu veröffentlichen. Es werde unterstellt, dies geschehe nur deshalb nicht, „um die Folgen der verhassten Integration, der unsere Schule sich verschrieben hat, nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Euch muss ich sagen: Ihr könntet falscher nicht liegen.“

          Der mutmaßliche Haupttäter sei wie ein kleiner Junge, der Fußballstar bei Real Madrid werden will, beim Ortsverein nur auf der Ersatzbank sitzt und dem Trainer dafür die Reifen zersticht. „Das hat nichts mit Migrationshintergrund oder Religion zu tun.“ Was S. getan habe, sei absolut verwerflich. „Aber ich weigere mich, es an seiner Nationalität oder seinem religiösen Bekenntnis festzumachen. Es war eine Frage des individuellen Charakters. Zeigt doch bitte einen anderen Charakter und beteiligt euch nicht an rechter Hetze.“

          Die 31. Jugendstrafkammer hat für den Prozess zunächst acht Verhandlungstage vorgesehen.

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