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Doppelmord auf Teneriffa : „Ein weiteres Mal hat die Macho-Gewalt zugeschlagen“

Großer Polizeieinsatz auf Teneriffa: Zwei Leichen wurden gefunden. Bild: dpa

Der Mord an einer Frau und ihrem Kind auf Teneriffa drängt in Spanien sogar den Parlamentswahlkampf in den Hintergrund. Die Polizei hat den Vater des Kindes als Verdächtigen festgenommen.

          Fünf Stunden lang irrte der deutsche Junge durch die Einsamkeit. Hilflos und völlig verängstigt fand ihn eine Spanierin im Südwesten von Teneriffa. „Mein Vater hat meine Mutter geschlagen, bringst du mich nach Deutschland?“, fragte der verstörte Fünfjährige, wie die Frau der Lokalzeitung „La Provincia“ berichtete. Ein Freund habe übersetzt, was der Junge erzählte: Sein Vater habe ihn, seinen zehn Jahre alten Bruder und seine 39 Jahre alte Mutter in der Nähe von Adeje am Dienstag in eine Höhle geführt. Dort habe er begonnen, auf sie einzuprügeln. Er habe gesehen, wie seine Mutter blutend am Boden lag, bevor er selbst floh, sagte der Junge. Die Polizei auf Teneriffa leitete sofort eine Großfahndung ein. Mit mehr als hundert Kräften und zwei Hubschraubern machten sie sich in dem abgelegenen Gelände unweit der Teufelsschlucht, am Rande des Nationalparks von La Teide, auf die Suche. Am Mittwochnachmittag fanden sie tatsächlich in einer Höhle die Leichname der Mutter und des zehn Jahre alten Sohnes.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zuvor hatte die Polizei den Vater festgenommen. Er gab zu, dass er sich mit seiner Frau gestritten habe und sie sich am Dienstag auf einem Ausflug getrennt hätten. Er bestritt aber, mit dem Tod seiner Frau und seines Sohnes etwas zu tun zu haben. Als er die Höhle verlassen habe, hätten sie noch gelebt. Leichte Verletzungen im Gesicht und an den Fingern habe er mit einem Sturz erklärt, wie spanische Medien berichteten. Das Elternpaar habe sich schon vor einiger Zeit getrennt, ohne dass es die Söhne wussten. Der Vater habe vor zwei Jahren ein Haus in Adeje, im Südwesten der Insel gekauft. Dort soll er immer wieder längere Zeit verbracht haben. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung war er aber nicht als Einwohner gemeldet.

          Der Bürgermeister von Adeje, José Miguel Rodríguez Fraga, sagte der Nachrichtenagentur Efe, dass vieles drauf hindeute, dass der festgenommene Deutsche „alles vorbereitet hatte“. Die Ermittlungen laufen noch, voraussichtlich an diesem Freitag wird ein Gericht auf Teneriffa über eine Anklage entscheiden.Der Fall erregte in ganz Spanien Aufsehen und drängte zeitweise sogar den Parlamentswahlkampf in den Hintergrund. „Eine Frau und ihr Sohn wurden ermordet. Ein weiteres Mal hat die Macho-Gewalt zugeschlagen. Wir müssen damit Schluss machen“, schrieb der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf Twitter.

          Der Fall hat auch den Urlaub einer Familie aus Traunstein getrübt. Weil der Mann genauso heiße wie der Tatverdächtige, hätten spanische Medien ein Foto von seinem Facebook-Profil verbreitet, sagte am Donnerstag eine Sprecherin vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Dort sei er unter anderem auf Spanisch beschimpft worden. Dabei stammten die umgebrachte Deutsche, ihr ebenfalls getöteter zehnjähriger Sohn und der festgenommene Ehemann aus Sachsen-Anhalt, sagte die Sprecherin weiter. Die Familie aus Traunstein sei gerade in Bayern im Osterurlaub und habe sich über die Kommentare auf ihrem Facebook-Profil gewundert.

          Sollte es sich bei der Tat auf Teneriffa wirklich um eine Beziehungstat handeln, wäre die deutsche Frau das 18. Todesopfer in Spanien in diesem Jahr. In zwei anderen Verdachtsfällen hat die spanische Polizei die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Seit dem Beginn der offiziellen Statistik im Jahr 2003 kamen in Spanien 993 Frauen durch Gewalt ihrer Ehemänner oder ihrer früheren Partner ums Leben. Zudem wurden 28 minderjährige Kinder getötet. Die sozialistische Minderheitsregierung hat seit einem knappen Jahr den Kampf gegen familiäre Gewalt verstärkt, die auch im Wahlkampf ein Thema ist. Der Gemeinderat von Adeje beschloss, der Mutter und ihrem Sohn an zwei Trauertagen zu gedenken. An anderen Orten auf Teneriffa hielten die Menschen am Donnerstag in Schweigeminuten inne.

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