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Zwei Polizeibeamte erschossen : Zwei Tatverdächtige nach Doppelmord an Polizisten festgenommen

Die Polizei hat rund um den Tatort Kontrollpunkte eingerichtet. Bild: Marcus Kaufhold

Zwei Beamte der Polizeiinspektion Kusel sind am frühen Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar – am Abend konnten jedoch zwei Tatverdächtige festgenommen werden.

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          Es ist der Albtraum eines jeden Polizisten: Bei einer Routinekontrolle auf offener Straße wurden zwei junge Beamte am frühen Montagmorgen erschossen. Auf einer Kreisstraße im ländlich geprägten äußersten Westen von Rheinland-Pfalz eröffnete jemand gegen 4.20 Uhr das Feuer auf sie. Per Funk hatten die Beamten zuvor durchgegeben, dass sie ein Fahrzeug kontrollieren würden. Im Kofferraum sollen sie laut Medienberichten tote Wildtiere gefunden haben. „Es wird geschossen“, riefen die Beamten laut einem Polizeisprecher noch per Funk.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Doch die Unterstützung kam zu spät. Die 24 Jahre alte Polizeianwärterin, eine Studentin der Hochschule der Polizei, starb noch vor Eintreffen der Kollegen, der 29 Jahre alte Beamte kurz danach. Laut „Bild“-Zeitung sollen sie mit Kopfschüssen getötet worden sein. Die Beamten waren in einem Zivilfahrzeug unterwegs, trugen aber Uniformen.

          Nach ersten Ermittlungen konnten am Montagabend zwei Tatverdächtige im saarländischen Sulzbach festgenommen werden, wie eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Einer der Männer war zuvor zur öffentlichen Fahndung ausgeschrieben worden. Der 38 Jahre alte Verdächtige habe sich über seine Anwältin bei der Polizei gemeldet und sei dann vor einem Haus im saarländischen Sulzbach festgenommen worden, berichtete ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Der Mann soll am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Er habe zunächst keine Aussage gemacht.

          In dem Haus sei kurze Zeit später ein 32 Jahre alter Verdächtiger festgenommen worden. In welchem Zusammenhang er zu den tödlichen Schüssen auf die beiden Polizisten stehe, müssten die Ermittlungen ergeben. Auch er habe sich aber zunächst nicht zur Sache geäußert. Bei einer Durchsuchung seien unter anderem Waffen sichergestellt worden. In welchem Zusammenhang sie mit der Tat stehen, müsse ebenfalls noch geklärt werden. Die Fahndungsmaßnahmen liefen weiter, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass es weitere Mittäter gebe.

          Die Beamten hatten mit Hochdruck nach dem 38 Jahre alte Mann gefahndet, der laut eines „Spiegel“-Berichts einen Wildtierhandel und eine Bäckerei in der Umgebung betreiben soll. Dabei kamen auch Polizeihubschrauber, Personenspürhunde sowie Spezialkräfte der Polizei zum Einsatz. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur war der Tatverdächtige bereits polizeibekannt. Unter Berufung auf Sicherheitskreise hieß es, der Mann sei in der Vergangenheit wegen Unfallflucht aufgefallen und habe einen Waffenschein.

          Gibt es weitere Tatverdächtige?

          Die Polizei bat die Bevölkerung im Landkreis Kusel am Montag, keine Anhalter mitzunehmen. Dabei handelte es sich um eine Vorsichtsmaßnahme – schließlich gingen die Beamten davon aus, dass der oder die Täter ein Fahrzeug hatte oder hatten. Vor Ort wurden mehrere Straßensperren errichtet. Der Tatort liegt in einer dünn besiedelten Gegend unweit des Truppenübungsplatzes Baumholder und in der Nähe des Saarlands. In beiden Bundesländern gab es umfangreiche Fahndungen. Die Polizei Kaiserslautern bat Zeugen, die etwas Verdächtiges wahrgenommen haben oder wissen, wo der Tatverdächtige sich aufhält, sich telefonisch zu melden. Bis zum Nachmittag gingen nach Angaben eines Polizeisprechers mehr als 50 Hinweise aus der Bevölkerung ein.

          Die Morde riefen bundesweit Entsetzen hervor. Unabhängig davon, welches Motiv zugrunde liege, erinnere die Tat an eine „Hinrichtung“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Die Tat zeige, „dass Polizistinnen und Polizisten jeden Tag ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren.“ Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landes­innenminister Roger Lewentz zeigten sich „zutiefst schockiert“ über die tödlichen Schüsse. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der Polizei Rheinland-Pfalz. Die Tat ist entsetzlich. Es bestürzt uns sehr, dass zwei junge Menschen im Dienst ihr Leben verloren haben“, teilten die beiden SPD-Politiker mit. Dreyer ordnete eine Trauerbeflaggung (halbmast) im Land an. Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) zeigte sich „zutiefst erschüttert“ und „absolut fassungslos“. Er ordnete ebenfalls eine Trauerbeflaggung an. Nach seinen Angaben stammten die beiden getöteten Beamten aus dem Saarland.

          Rheinland-Pfalz, Kusel: Polizisten gehen zum Tatort, wo zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle durch Schüsse tödlich verletzt wurden.
          Rheinland-Pfalz, Kusel: Polizisten gehen zum Tatort, wo zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle durch Schüsse tödlich verletzt wurden. : Bild: dpa

          Laut Lewentz nehmen in Rheinland-Pfalz Widerstand, Bedrohung und tätliche Angriffe gegen Polizisten seit Jahren zu. 2019 seien 1582 Gewaltdelikte gegen Polizisten registriert worden, 2020 seien es bereits 1715 gewesen, sagte Lewentz am Montag. Im ersten Quartal 2021 seien schon 1164 solcher Taten gezählt worden, neuere Zahlen gab es noch nicht.

          Der Chef der Deutschen Polizei­gewerkschaft, Rainer Wendt, sagte am Montag, die meisten Attacken auf Einsatzkräfte fänden nicht bei Terror­anschlägen, beim Fußball oder Demonstrationen statt, sondern mit mehr als 80 Prozent im täglichen Streifendienst bei scheinbar harmlosen Anlässen. Bei allem Schutz und Training gebe es Situationen, in denen ein Schadensfall nicht zu vermeiden sei. „Einfach weil die Täter zu allem entschlossen sind“, sagte Wendt.

          Auch die Chefin der Gewerkschaft der Polizei in Rheinland-Pfalz, Sabrina Kunz, zeigte sich bestürzt über den Vorfall. „Unser tiefes Beileid gilt den Angehörigen“, sagte Kunz. Sie appellierte an die Bürger im Raum Kaiserslautern, am Montag auf Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen zu verzichten, mit Rücksicht auf die schreckliche Tat und die Ermittlungen, für die viele Polizeikräfte gebraucht würden. Auch die Kreisverwaltung Kusel bat die Bevölkerung, auf „Montagsspaziergänge“ zu verzichten. Die Polizeikräfte seien durch die Fahndung gebunden.

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