https://www.faz.net/-gum-975yz

Schulmassaker : Mutmaßlicher Täter stand Rassisten nahe

  • Aktualisiert am

Trauer in der Nähe des Tatorts in Parkland, Florida Bild: AFP

Der mutmaßliche Täter des Schulmassakers in Florida soll einer Rassistenvereinigung nahestehen. Präsident Trump nutzt die Trauer nach dem Amoklauf für eine emotionale Ansage – zu einem Thema schweigt er.

          2 Min.

          Der von der Polizei als Täter des Schulmassakers von Florida bezeichnete Nikolas Cruz soll der Rassistenvereinigung und Miliz „Republic of Florida“ (ROF) nahegestanden haben. Das sagte ein Sprecher der Gruppierung am Donnerstag der Bürgerrechtsorganisation ADL (Anti-Defamation League). Bei der Bluttat waren am Mittwoch 17 Menschen erschossen worden.

          Der ROF-Sprecher sagte, Cruz habe an Trainings teilgenommen. Er habe mit „anderen Mitgliedern“ gemeinsame Autofahrten organisiert. Ob Cruz ROF-Mitglied war oder assoziiert, sagte der Sprecher nicht.  

          Die ROF-Milizen bezeichnen sich als „bewaffnete Kräfte der Übergangsregierung der Republik von Florida“ und als weiße Bürgerrechtsbewegung. Sie kämpfen für einen rein weißen Staat ohne andere Ethnien, der kein Teil der Vereinigten Staaten ist. Auf der Homepage der ROF wird die Frage „Seid Ihr gewalttätig?“ beantwortet mit „Kurze Antwort: Ja“.

          Trump kündigt Konsequenzen an

          Der amerikanische Präsident Donald Trump will schnell Konsequenzen aus dem Schul-Attentat von Parkland ziehen. Kein Kind solle ängstlich in die Schule gehen müssen, und keine Eltern sollten sich vor Gewalt fürchten, wenn sie morgens ihren Töchtern und Söhnen einen Abschiedskuss geben, sagte er in Washington vor Journalisten. Dazu müsse sich in den Vereinigten Staaten eine neue Kultur entwickeln, „eine Kultur, die Mitschüler und Kollegen zu Freunden und Nachbarn macht.“ Außerdem werde er das Thema mentale Gesundheit angehen – Details dazu nannte er nicht.

          Trump hatte allerdings vor einem Jahr eigenhändig ein Gesetz unterzeichnet, das psychisch Kranken den Erwerb von Waffen wieder erlaubte. Er nahm damit eine Regulierung seines Vorgängers Barack Obama zurück.

          Nun sagte er: „Was immer wir tun können, um Euren Schmerz zu lindern, wir sind hier“, sagte Trump an die Adresse der Hinterbliebenen. „Euer Schmerz ist unsere Last.“ Zur neuerlich aufbrandenden Diskussion über schärfere Waffengesetze in den Vereinigten Staaten äußerte der Präsident sich nicht.

          Der mutmaßliche Attentäter Nikolas Cruz auf einem Polizeifoto

          Bei dem Massaker an einer Highschool in Parkland im Bundesstaat Florida tötete der Schütze 17 Menschen, 15 weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche,19 Jahre alte, Täter wurde wenig später festgenommen. Nikolas Cruz müsse sich wegen Mordes in 17 Fällen verantworten, erklärte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Cruz hatte am Mittwoch an seiner ehemaligen Schule in Parkland um sich geschossen.

          Er hatte die Tat nach ersten Erkenntnissen kühl geplant und war schwer bewaffnet. Der Verdächtige war nach Angaben der Polizei ein früherer Schüler der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden.

          Präsident Trump twitterte, dass es viele Anzeichen dafür gegeben habe, dass der mutmaßliche Schütze psychisch gestört gewesen sei. „Nachbarn und Klassenkameraden wussten, dass er ein großes Problem war!“ Solche Fälle müssten jederzeit an die Behörden gemeldet werden, schrieb Trump.

          Gerichtet an Kinder, die ängstlich oder verwirrt seien, sagte er: „Ihr seid nicht allein und ihr werdet es nie sein.“ Mit Problemen könnten sie sich jederzeit an ihre Familien, an Lehrer und Sicherheitskräfte wenden.

          Die Schießerei in Parkland war eine der blutigsten der vergangenen 25 Jahre – und schon die 18. Schießerei an einer amerikanischen Schule in diesem Jahr. Als Konsequenz wird regelmäßig der Ruf nach strikteren Waffengesetzen laut. Trump und viele andere Republikaner sind allerdings dagegen.

          Weitere Themen

          100 Sekunden vor der Katastrophe

          Untergangsuhr vorgestellt : 100 Sekunden vor der Katastrophe

          Seit 1947 zeigen Forscher mit der Uhr, wie nah sie die Welt am Untergang wähnen. Nun stellten sie die Uhr auf 100 Sekunden „vor Mitternacht“ – und machen dafür vor allem zwei Bedrohungen verantwortlich.

          Topmeldungen

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.
          Das Oberste Gericht in Warschau (Archivbild)

          Justizreform in Polen : Richter gegen Richter

          In Polen spitzt sich der Streit um die Justizreform zu: Während das Oberste Gericht verhindern will, dass die 500 neuen Richter Urteile sprechen können, beschließt das Parlament ein Gesetz, um stärker durchgreifen zu können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.