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Dank DNA-Analyse : Sexualmord-Prozess nach fast 30 Jahren

  • -Aktualisiert am

Der heute 61 Jahre alte Mann ist aufgrund eines vor vier Jahren erlittenen Schlaganfalls halbseitig gelähmt. Bild: dpa

Die Tat liegt fast drei Jahrzehnte zurück und gilt rund um Zwickau als bislang ältestes ungeklärtes Tötungsverbrechen: Jetzt konnte der Fall eines hinterhältigen Sexualmordes dank verfeinerter Ermittlungsmethoden aber wohl doch noch gelöst werden.

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          Zur Tatzeit war Helmut S. noch jung, am Montag jedoch wird er im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Der heute 61 Jahre alte Mann ist aufgrund eines vor vier Jahren erlittenen Schlaganfalls halbseitig gelähmt und laut einem Gutachten nur zwei Stunden am Tag verhandlungsfähig. Dennoch muss sich der Frührentner vor dem Landgericht Zwickau wegen sexuellen Missbrauchs und Mordes an der 18 Jahre alten Heike Wunderlich verantworten. Die Tat liegt fast 30 Jahre zurück, und sie gilt als ältestes ungeklärtes Tötungsverbrechen der Region, das nun dank verfeinerter Ermittlungsmethoden wohl doch noch aufgeklärt werden konnte.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Staatsanwaltschaft ist sich jedenfalls sicher, den Täter auf der Anklagebank zu haben. Sie beschuldigt S., die junge Frau am 9. April 1987 in der Nähe von Plauen missbraucht und getötet zu haben. Ein Soldat fand ihre Leiche und ihr Moped am darauffolgenden Tag in einem Waldstück. Die Mordkommission Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, ermittelte damals zwei Jahre lang vergeblich und schloss die Akte kurz vor dem Ende der DDR. Als um die Jahrtausendwende DNA-Analysen aufkamen, wurde der Fall wieder aufgenommen – zunächst abermals erfolglos. 15 Jahre später aber führten Tausende Speichelproben und verfeinerte Untersuchungsmethoden die Kriminalisten im Frühjahr zu dem in Gera lebenden Helmut S., der in der seit dem Jahr 1998 existierenden DNA-Datei wegen Sexual- und Gewaltdelikten gespeichert war.

          Laut der Anklage hat S. die junge Frau zunächst missbraucht und dann mit einem Gummiband, Teilen ihres BHs und ihres Slips erdrosselt. Die Staatsanwaltschaft wertet das als Verdeckungsmord. S. selbst äußerte sich am Montag nicht. Sein Verteidiger teilte mit, das sei so abgesprochen, außerdem habe sein Mandant als Folge des Schlaganfalls erhebliche Sprachstörungen und könne sich weder schriftlich noch via Computer verständigen. Richter Klaus Hartmann bezweifelte das, weil der Angeklagte zuvor auch auf Facebook aktiv gewesen sein soll. Das Gericht rechnet mit einem langwierigen Prozess; zunächst sind bis Ende Januar elf Verhandlungstage geplant, an denen insgesamt rund 50 Zeugen und mehrere Sachverständige vernommen werden sollen. Die Familie des Opfers tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf.

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