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DNA-Analyse : Auf dem Weg zum genetischen Foto

DNA-Sequenzen, von der Genforschung entschlüsselt Bild: dpa

Die Niederlande wollen künftig bei der DNA-Analyse auch die Augen- und Haarfarbe untersuchen.

          DEN HAAG, im März. In den Niederlanden zeichnet sich eine Revolution innerhalb der Kriminalistik ab, wie sie in Deutschland undenkbar wäre. Zur Zeit wird über ein Gesetz im Parlament beraten, das schon in wenigen Monaten erlauben wird, das DNA-Muster eines unbekannten Täters, das man am Tatort sichergestellt hat, auf Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit zu analysieren. Zudem soll die Regierung befugt werden, diese Analyse auf weitere Merkmale auszudehnen, sobald in Zukunft dazu die technische Möglichkeit besteht und diese Merkmale für die Strafverfolgung nützlich sind: So könnte die DNA einer Blut- oder Spermaspur zum Beispiel dahin gehend untersucht werden, ob der Täter blaue, grüne oder braune Augen, blonde oder schwarze Haare hat. Auch die Größe einer Person könnte - allerdings in noch weiterer Zukunft - ermittelt werden. Die Untersuchung darf sich also von den nicht-codierenden auf die codierenden Bereiche der DNA ausweiten - was in Deutschland und den meisten Ländern verboten ist. Insgesamt soll die Analyse jedoch auf alle Merkmale beschränkt werden, die äußerlich sichtbar und von Geburt an gegeben sind: Nach Erbkrankheiten oder möglicherweise erblich bedingten Charaktereigenschaften darf nicht gesucht werden. Vermutlich wird das neue Gesetz zum 1. Juli in Kraft treten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Regierung erhofft sich viele Vorteile für die Strafverfolgung: "Die erweiterte Analyse soll in der Zukunft nach Möglichkeit eine Art Foto entstehen lassen, welches das alte Phantombild ablöst oder zumindest ergänzt", sagt ein Sprecher im niederländischen Justizministerium. Gerade in Fällen, wo es keine Zeugen gibt, setzt man auf die naturwissenschaftlichen Möglichkeiten der Zukunft, um die Suche nach dem Täter zu erleichtern. Während in Deutschland seit Jahren über eine vorsichtige Ausweitung der DNA-Gesetzgebung diskutiert wird, die sich jedoch strikt auf den nicht-codierenden Bereich beschränkt, entscheiden die Niederländer pragmatisch. "Wo ist das Problem?", heißt es dort im Justizministerium auf die Frage, wie diese weitreichende Liberalisierung der DNA-Gesetzgebung in der Gesellschaft aufgenommen wird. Die Bevölkerung habe den Wert des genetischen Fingerabdrucks erkannt und hege großes Vertrauen in alle Vorkehrungen zum Datenschutz. Rund 80 Prozent der Niederländer akzeptieren nach einer Umfrage die DNA-Analyse ohne Einschränkung. "Die Bürger haben ein großes Interesse daran, daß mehr Straftaten aufgeklärt werden, vor allem Delikte wie Mord und Vergewaltigung. Sie wollen, daß alle Möglichkeiten der DNA-Analyse genutzt werden. Jedoch sollte man auch Bedenken ernst nehmen. Diesen Zweifeln kann man aber in einem demokratischen Land mit bestimmten Garantien entgegenwirken."

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