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Dienstvergehen : Kaisertreue kostet Polizisten den Job

  • Aktualisiert am

Beckenbauer fuhr 40 Stundenkilometer zu schnell Bild: dpa

Franz Beckenbauer, der Kaiser, beim Rasen erwischt, Bußgeld und Fahrverbot drohten. Der Fahrbereichsleiter des FC Bayern fragte an: „Kann man da was machen?“ Man konnte. Den Polizisten, der das Vergehen des Kaisers vertuschte, kostete das den Job.

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          Die Vertuschung einer Tempoüberschreitung von Franz Beckenbauer hat einen Polizisten die Beamtenstellung gekostet. Das Verwaltungsgericht München hat am Donnerstag den 42 Jahre alten Kriminaloberkommissar Edwin L. wegen eines „äußerst schweren Dienstvergehens“ entlassen. Das Urteil billigte dem Familienvater eine Übergangszahlung von 75 Prozent seines Ruhegehalts auf die Dauer von sechs Monaten zu.

          Der Vorwurf, auch im Fall des ehemaligen FC-Bayern-Spielers Michael Ballack die Vertuschung einer Verkehrssünde versucht zu haben, wurde wegen unzureichender Beweislage fallen gelassen. Der 42jährige kündigte Berufung an.

          Für „Überwachungszwecke“ überlassen

          Beckenbauer hatte am 10. Juni 2005 in einem Fahrzeug des FC Bayern an einer Baustelle in München die zulässige Höchstgeschwindigkeit um knapp 40 Kilometer in der Stunde überschritten. Der Fuhrparkleiter des Fußballclubs fragte bei dem Kriminaloberkommissar und ehrenamtlichen Mitglied des Ordnungsdienstes nach, was sich da machen lasse.

          Kriminaloberkomissar Edwin L. wurde entlassen

          Nach Rücksprache mit einem Münchner Kollegen, der sich wiederum mit einem Sachbearbeiter des Münchner Kreisverwaltungsreferats beriet, tippte der Beamte auf dem Dienstcomputer ein Schreiben unter dem Namen eines stellvertretenden Dienststellenleiters, wonach der Wagen des FC Bayern der Kriminalinspektion Ingolstadt für „Überwachungszwecke“ zur Verfügung gestellt worden sei. Das Tempo sei bei einem Einsatz überschritten worden.

          Das Verfahren wegen der Ordnungswidrigkeit gegen Beckenbauer wurde eingestellt, ihm blieben Bußgeld und einmonatiges Fahrverbot erspart. Der Oberkommissar wurde im Dezember 2005 wegen Urkundenfälschung per Strafbefehl rechtskräftig zu acht Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Seither war er vom Dienst suspendiert.

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