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Diebstahl von Kulturgut : Drucke aus Eisenacher Lutherhaus gestohlen

  • Aktualisiert am

Drucke aus der Lebzeit Martin Luthers. Bild: dpa

Aus dem Lutherhaus in Eisenach wurden Drucke und Handschriften Martin Luthers aus dem 16. Jahrhundert gestohlen. Nun denkt die Museumsleitung darüber nach, originale Exponate gegen Kopien zu tauschen.

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          Bei am Freitag aus dem Lutherhaus in Eisenach gestohlenen Drucken, handelt es sich um Werke Martin Luthers (1483-1546) aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nach Angaben der Kriminalpolizei wurden die Stücke während der Öffnungszeit des Museums entwendet. Sie waren in einer einfachen, verschraubten Vitrine aufbewahrt, sagte der Leiter der Kriminalpolizeistation Eisenach, Steven Mayer.

          Bei den Dokumenten handelt es sich um Luthers Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation“ aus dem Jahre 1520, den Druck „An die Radherrn aller stedte deutsches lands, das sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ (1524) und „Eine Predigt, das man Kinder zur Schulen halten solle“ (erschienen 1530, gedruckt 1541).

          Das Lutherhaus gilt als eines der ältesten noch erhaltenen Fachwerkhäuser Eisenachs. Nach alter Überlieferung soll der Reformator während seiner Eisenacher Schulzeit von 1498 bis 1501 dort bei der Familie Cotta gewohnt haben. Seit 1898 befand sich in dem Haus die altdeutsche Gaststätte „Lutherkeller“. Im Jahre 1956 wurde in dem Gebäude eine Luthergedenkstätte eingerichtet.

          Möglicherweise werden bald Kopien statt Originale ausgestellt

          Der Wissenschaftliche Leiter und Kurator der Stiftung Lutherhaus Eisenach, Jochen Birkenmeier, kündigte am Sonntag eine umgehende Prüfung an, welche Maßnahmen aktuell zur Erhöhung der Sicherheit ergriffen werden könnten. Ziel sei vor allem, mögliche Nachahmungstäter abzuschrecken. Mögliche Schritte seien die Installierung einer Kameraanlage, zusätzliche Aufsichtspersonen und genauere Kontrollen. „Außerdem werden wir schauen, ob wir möglicherweise gefährdete Originale entfernen und durch Kopien ersetzen können“, sagte Birkenmeier.

          Die jetzige Ausstellung und Ausstattung stammten von 1996 und seien bereits damals „einfacher Standard“ gewesen. Schon seinerzeit seien die Vitrinen aus Museumssicht als „eher unzureichend“ bewertet worden. Allerdings seien höhere Sicherheitsstandards auch eine Frage von Geld und Personal.

          Die Museumsleitung plant den Einbau neuer Sicherheitsstandards

          Der Kurator der Stiftung Lutherhaus Eisenach verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass das Museum am jetzigen Standort voraussichtlich nur noch bis Ende November geöffnet sein wird. Danach werde eine Interimslösung vermutlich in der Eisenacher Predigerkirche bezogen und das historische Gebäude saniert und mit einem Anbau versehen. Mitte 2015 solle dann die neue Dauerausstellung eröffnen. „Da wurde von Anfang an mit einem ganz anderen Sicherheitsstandard geplant“, sagte der Museumsleiter.

          Der Diebstahl sei am Freitag gegen 14.00 Uhr von einer Mitarbeiterin bemerkt worden, sagte Birkenmeier weiter. Am Vormittag habe sich auch eine größere Schülergruppe mit etwa 50 Mädchen und Jungen aus Schweinfurt im Haus aufgehalten, die nun von der Polizei befragt würden. Der genannte Schaden von etwa 60.000 Euro sei „nur eine ganz ganz grobe Schätzung“. Sie orientiere sich an der Frage, was die Wiederbeschaffung solche Schriften kosten würde. „Ob man solche Schriften aber überhaupt wiederbeschaffen kann, muss man klären“, sagte der Wissenschaftliche Leiter. Zum Teil seien die Druckwerke mit individuellen handschriftlichen Notizen aus jener Zeit versehen gewesen. „Insofern ist der ideelle Schaden wesentlich höher“, sagte Birkenmeier.

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