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Diebstahl in Krankenhäusern : Wenn die Endoskope verschwinden

  • -Aktualisiert am

Bevor es der Nachtdienst bemerkt hatte, waren die Unbekannten mit dem Gerät verschwunden (Symbolbild). Bild: dpa

Medizinische Geräte stehen bei Dieben hoch im Kurs, die Vorfälle häuften sich zuletzt in ganz Deutschland. Auch brisantere Gegenstände gehörten zur Beute.

          Die Täter drangen in der Nacht zum Montag in die Dill-Kliniken ein. Sie entwendeten aus dem Krankenhaus in Dillenburg 18 medizinische Geräte im Wert von 370.000 Euro. Meist waren es Endoskope, also Untersuchungsgeräte, die zur Spiegelung innerer Organe wie Magen, Darm oder Lunge eingesetzt werden. Bevor es der Nachtdienst bemerkt hatte, waren die Unbekannten mit dem Gerät verschwunden.

          Wichtige Operationen mussten am Montag nach Angaben einer Sprecherin zwar nicht verschoben werden. Aber Termine für geplante endoskopische Untersuchungen wurden kurzfristig abgesagt. Endoskopische Geräte werden an den Dill-Kliniken in einem verschlossenen Raum aufbewahrt, zu dem sich die Täter gewaltsam Zugang verschafften. Die Sprecherin sagte, das Krankenhaus werde den Fall „zum Anlass nehmen, weitergehende Sicherheitsmaßnahmen zu prüfen“.

          Ultraschallgerät und Untersuchungstürme

          Die Dill-Kliniken sind nicht der einzige Schauplatz groß angelegten Diebstahls von Behandlungs- und Diagnosetechnik. Erst wenige Tage vor diesem Einbruch ereignete sich ein ähnlicher Fall im sächsischen Görlitz, wo Diebe in das Malteser Krankenhaus St. Carolus eindrangen. Dort entstand ein Schaden in Höhe von rund 400.000 Euro, als die Täter unter anderem ein Ultraschallgerät, Monitore und Untersuchungstürme stahlen. Die Klinik teilt mit, dass die Geräte „dank des Entgegenkommens des Herstellers“ in Kürze wiederbeschafft würden. Die Sicherheit der Patienten war nach Angaben einer Sprecherin von St. Carolus zu keiner Zeit gefährdet, da auch die umliegenden Kliniken des Landkreises und der Stadt Görlitz sowie des Malteser Hilfsdienstes ihre Unterstützung gewährt hätten.

          Um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden, wollte die Sprecherin des Görlitzer Krankenhauses keine Angaben zum Tathergang machen. Allerdings dürften die Täter auch hier – wie in Dillenburg – zunächst die Tür zur Endoskopie-Abteilung ausgehebelt haben, die sich laut „Sächsischer Zeitung“ vom Freitag im Erdgeschoss des Gebäudes befand. Diebstähle von medizinischem Gerät traten in den vergangenen Monaten in ganz Deutschland gehäuft auf. Ende Mai beispielsweise entstand dem Universitätsklinikum Magdeburg ein Schaden von rund einer halben Million Euro durch den Diebstahl von neun Bronchoskopen.

          Besonders häufig schlugen Diebe in Nordrhein-Westfalen zu. Zuletzt waren dort unter anderem das Marienhospital Gelsenkirchen und das Marien-Krankenhaus Bergisch Gladbach betroffen. In der Helios-Klinik Bad Berleburg wiederum wurden laut „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“ zudem personenbezogene Daten gestohlen. Die Zeitung berichtet von etwa 1200 Bildern aus Magen und Darm, die den Dieben in die Hände fielen.

          Die Klinik hatte den Diebstahl deshalb auch an die Landesaufsichtsbehörde für Datenschutz gemeldet. Carolin Lieven, Geschäftsführerin der Helios-Klinik Bad Berleburg, nimmt an, „dass die Täter am Sachwert der Endoskopie-Geräte interessiert waren und dass nicht die Erlangung der personenbezogenen Daten im Vordergrund des Diebstahls stand“. Im Fall der Bad Berleburger Klinik teilt die Polizei mit, gegen die noch unbekannten Straftäter werde wegen Verdachts des Bandendiebstahls ermittelt. Das legt nahe, dass die Beutezüge einen organisierten Charakter haben und jeweils von mehreren Personen ausgeführt werden.

          In der Mitteilung werden auch Zeugen erwähnt, die eine Gruppe von drei zum Teil „südländisch“ aussehenden Männern zur Tatzeit aus einem Fenster der Klinik aussteigen sahen. Auch im Zusammenhang mit dem Görlitzer Diebstahl vermutet die Polizei „professionell agierende Diebesbanden als Täter, deren Auftraggeber in Südosteuropa sitzen“.

          Herkunft würde sofort festgestellt

          Nicht geklärt ist indes, was nach den Diebstählen mit der Medizintechnik geschieht. Da alle Geräte eine Nummer haben, ist anzunehmen, dass die Täter sie nicht in Deutschland weiterverkaufen, wo ihre Herkunft sofort festgestellt würde. Diese Erfahrung machte 2014 ein Einzeltäter aus Düsseldorf: Der 31 Jahre alte Mann hatte aus dem Klinikum Leverkusen mehrere Koloskope im Wert von rund 275.000 Euro gestohlen und dann versucht, die Untersuchungsgeräte an eine medizinische Fachfirma aus Wedel in Schleswig-Holstein zu verkaufen.

          Wie die Polizei Köln mitteilt, ergab die Untersuchung der Koloskope später, dass es sich um die in Leverkusen gestohlenen Geräte handelte. Der Absender war der Dieb. Er konnte leicht ermittelt werden.

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